Ärzte Zeitung online, 27.04.2010

Fairtrade-Produkte mit sattem Zuwachs

BONN (dpa). Fair gehandelte Produkte wie Kaffee, Schokolade oder Säfte aus Entwicklungsländern haben in Deutschland 2009 wieder zugelegt: Trotz Wirtschaftsflaute kauften die Verbraucher Fairtrade-Waren im Wert von 267 Millionen Euro. Das ist ein kräftiges Umsatzplus von 26 Prozent.

Der Handel habe die zertifizierten Produkte offensiver in die Regale genommen, sagte Transfair-Geschäftsführer Dieter Overath am Dienstag in Bonn. Auch 2010 sei mit zweistelligem Wachstum für die eher hochpreisigen Waren zu rechnen. Die Händler zertifizierter Fairtrade-Waren bürgen für angemessene Preise und hohe soziale Standards bei Kleinbauern und Arbeitern.

Seit 2004 mit noch mageren 50 Millionen Euro kletterte der Umsatz konstant, immer mehr Produkte kamen hinzu. Es handele sich nicht um eine Eintagsfliege, sondern einen klaren Verbrauchertrend, sagte Overath. Besonders häufig greifen die Käufer zu Fairtrade-Fruchtsäften, deren Absatz 2009 um 32 Prozent auf knapp 6 Millionen Liter stieg.

Blumen legten sogar um 40 Prozent zu, Kaffee um 13 Prozent. Auch in den wichtigen Discountern - hier kaufen 90 Prozent der Verbraucher ein - werden die fair gehandelten Waren wie Tee, Honig oder Süßwaren angeboten. Einbrüche gab es hingegen bei den Bananen, wo man im Preiskampf nicht mithalten konnte, Penny nahm Faitrade-Bananen aus seinem Sortiment.

Sehr erfreulich für die Branche war der Anstieg im Außer-Haus-Bereich, vor allem weil Tradefair-Kaffee seit einiger Zeit etwa bei Air Berlin, Tchibo, Starbucks, Uni-Bäckereien oder in Kantinen serviert wird, wie Overath sagte. Insgesamt ist der Marktanteil aber noch sehr gering. Der Verbraucher gab 2009 im Schnitt 3,20 Euro für Transfair-Produkte aus, das ist unteres Mittelfeld in Europa. Weltmeister ist die Schweiz mit 23 Euro pro Kopf.

Die Textilbranche tue sich noch etwas schwer mit fair gehandelter Baumwolle, da sei noch "Bagger-Arbeit" zu leisten. Ziel sei es, die "weißen Flecken im Handel zu schließen." Transfair - ein von Kirchen, sozialen und entwicklungspolitischen Institutionen getragener Verein - handelt nicht selbst, sondern vergibt sein Siegel. Bundesweit bieten 150 Lizenznehmer 1000 Produkte wie Wein, Kekse oder Zucker an.

Weltweit profitieren 1,2 Millionen Kleinbauern und Arbeiter in 60 Ländern von Fairtrade, betonte Rob Cameron von der Dachorganisation Fairtrade Labelling Organizations International (FLO). In Afrika, Asien und Lateinamerika werde über festgelegte Mindestpreise die Lebensbedingung der Kleinbauern deutlich und nachhaltig verbessert.

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