Ärzte Zeitung online, 14.05.2010

Frühwarnsystem für Chemie-Stoffe vereinbart

BERLIN (dpa). Erst spät entdeckte man schädliche Weichmacher in importiertem Kinderspielzeug. Jetzt kommen sogar bis zu 50 chemische Stoffe verschiedener Bereiche in einen gezielten chemischen Analysetest, um gesundheitliche Gefahren und Schäden besser abschätzen zu können.

Das Bundesumweltministerium und der Verband der Chemischen Industrie (VCI) beschlossen eine solche Kooperation beim "Human-Biomonitoring", der Beobachtung chemischer Substanzen in ihrer Wirkung auf den menschlichen Körper. "Die Daten können als Frühwarnsystem für bisher nicht erkannte Belastungen dienen", teilten sie heute mit.

"Im Zentrum stehen dabei Stoffe, denen die Bevölkerung möglicherweise vermehrt ausgesetzt ist oder die eine besondere Gesundheitsrelevanz haben können, aber bislang im menschlichen Körper nicht messbar sind", erläuterten Ministerium und VCI. "In den nächsten zehn Jahren sollen so für bis zu 50 gemeinsam ausgewählte Stoffe oder Stoffgruppen geeignete Analysemethoden entwickelt werden."

Dies ist Sache der Chemieindustrie, während das Ministerium für die darauf aufbauenden Gesundheits-Untersuchungen sorgt. Diese Aufgabe könnte zum Beispiel das Robert Koch-Institut wahrnehmen, hieß es beim VCI auf dpa-Anfrage. Die Kooperation soll zunächst für drei Jahre erprobt werden.

In der chemischen Industrie stellt das "Human Biomonitoring" ein wichtiges Instrument der arbeitsmedizinischen Vorsorge dar. Die 50 zu erkundenden Stoffe sind auf zehn Jahre verteilt. Die ersten fünf, für die eine Messmethode ermittelt werden soll, sind bereits ausgewählt: "DINCH" und "DPHP" (zwei Kunststoff-Weichmacher), "HBCDD" (ein Flammschutzmittel zum Beispiel bei Flugzeugen), "2,2",6,6"-Tetratert-butyl-4,4"-methylendiophenol" (Kunstoffstabilisator und Antioxidant/Schutz vor Sauerstoff-Einwirkung) und "Dodecylphenol" (Zusatz für Treib- und Schmierstoffe).

Gelinge die Analysemethode für alle 50 Stoffe, seien "damit erhebliche Erkenntnisgewinne verbunden, wie die reale Belastung der Bevölkerung mit wichtigen Industriechemikalien aussieht. Bisher muss allzu oft auf modellhafte Abschätzungen zurückgegriffen werden, mit denen gesundheitliche Risiken leicht über- oder unterschätzt werden", erklärten die Kooperationspartner. Ein praktischer Unsicherheitsfall ist zum Beispiel oft, ab wann Schulen nach Asbest-Funden geschlossen werden sollten.

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