Ärzte Zeitung online, 12.08.2010

Studie: Patentabläufe gefährden Marktvolumen von 130 Milliarden Dollar

NEU-ISENBURG (reh). Arzneimittelhersteller werden in der näheren Zukunft mit der zunehmenden Zahl auslaufender Patente zu kämpfen haben. Denn mit dem Patentablauf treten die Generikaanbieter auf den Markt. Bis 2015 sollen laut einer Studie von Accenture über 50 Prozent der Medikamente ihren Exklusivitäts-Status verlieren. Schon 2011 stünden 20 der 50 weltweit bestverkauften Medikamente vor dem Ende ihres Patentschutzes.

Studie: Patentabläufe gefährden Marktvolumen von 130 Milliarden Dollar

Anlaufstelle auch für Arzneimittel-Patente: das Europäische Patentamt (EPO) in München.

© Reinhard Kurzendörfer / imago

Damit ist bis 2015 ein geschätztes Marktvolumen in Höhe von 130 Milliarden US-Dollar (ca. 98,9 Milliarden Euro) betroffen. Allein in diesem Jahr solle - so die Prognose der Unternehmensberater - ein Umsatzvolumen von 25 Milliarden US-Dollar patentfrei werden.

Für einige Arzneimittelhersteller bedeute dies, dass ein großer Teil ihrer Produkt-Pipeline in der näheren Zukunft die Marktreife erreicht und den Patentschutz verliert. Dabei definieren die Berater von Accenture "reife Produkte", wie bereits berichtet, als Präparate, deren Patentschutz bereits abgelaufen ist oder innerhalb von zwei Jahren ausläuft.

Accenture nennt in der Studie auch einige Beispiele: So hätten geschätzte 50 Prozent von AstraZenecas Einnahmequellen im Arzneimittelbereich seit 2008 ihren Patentschutz verloren. Andere wichtige Medikamente, deren Patentschutz demnächst endet seien der Lipidsenker Lipitor® von Pfizer, der in Deutschland unter der Bezeichnung Sortis® (Atorvastatin) auf dem Markt ist, oder auch Plavix® (Clopidogrel) von Sanofi-Aventis.

Das Problem: Es würden sich gleichzeitig weniger Präparate in der Wachstumsphase befinden. In 2007 seien noch 85 Prozent der Arzneimittel in der Wachstumsphase gewesen, berichtet Accenture in der Studie. Für 2011 schätzen die Unternehmensberater, dass es nur noch 60 Prozent der Präparate sein werden. Die Berater schließen daraus: Die Pharmaunternehmen müssen ihre Produkt- und Marketingstrategien anpassen, um die Lücken in ihren Produkt-Portfolios zu schließen.

Einige Unternehmen wie etwa Sanofi-Aventis haben bereits Strategien entwickelt. So würde Sanofi-Aventis seine patentfreien Präparate in ein gemeinsames Produkt-Cluster mit seinen Generika packen. Trotzdem sehen die Berater weiteren Handlungsbedarf. Was die Studie allerdings vernachlässigt: Die Pharmaunternehmen versuchen oft, Arzneimittel, deren Patenten auslaufen, für weitere Indikationen patentieren zu lassen. Und auf diesem Gebiet wird auch kräftig geforscht.

Zusätzlicher Druck käme etwa vonseiten verschiedener Regierungsgremien oder Krankenversicherern, die mehr und mehr auf Kosten im Gesundheitswesen achteten und zunehmend das Verschreiben von Generika bewerben würden.

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