Ärzte Zeitung, 25.10.2010

Das niedrige Zinsniveau ist für die PKV eine Herausforderung

Rund 140 Milliarden Euro hat die PKV auf der hohen Kante. Das anhaltend niedrige Zinsniveau steigert den Kapitalstock langsamer. Das könnte, je nach Versicherer unterschiedlich, zu steigenden Prämien führen.

Von Ilse Schlingensiepen

Das niedrige Zinsniveau ist für die PKV eine Herausforderung

Das niedrige Zinsniveau schlägt sich auch in den Bilanzen der Versicherer nieder.

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KÖLN. Die privaten Krankenversicherer (PKV) wollen den Rechnungszins der Branche nicht reduzieren. Im PKV-Verband gebe es keine entsprechenden Überlegungen, sagte Verbandsdirektor Dr. Volker Leienbach (wie bereits kurz berichtet).

"Wir haben auch keinerlei Hinweise, dass die dafür zuständige Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht etwa beabsichtigen würde, den Rechnungszins in der Kalkulationsverordnung abzusenken."

Innerhalb der PKV-Branche hatten sich einzelne Unternehmen für eine vorübergehende Absenkung des Höchstrechnungszinses von 3,5 Prozent auf 3,0 Prozent stark gemacht. Eine Absenkung des Rechnungszinses würde ab 2012 eine Beitragserhöhung in der PKV notwendig machen. Branchenexperten hatten den Effekt auf bis zu acht Prozent beziffert.

Das niedrige allgemeine Zinsniveau schlägt sich in den Bilanzen der Versicherer nieder. Die Branche kam 2009 zwar noch auf eine Nettoverzinsung von 4,2 Prozent auf ihre Kapitalanlagen. "Auch das zeigt, dass Spekulationen über eine bevorstehende Senkung des in der Kalkulationsverordnung festgelegten Rechnungszinses verfehlt sind", sagt Leienbach. Eine Reihe von Anbietern ist aber deutlich unter den 4,2 Prozent geblieben.

Unabhängig von einer branchenweiten Änderung des Höchstrechnungszinses müssen die einzelnen Unternehmen entscheiden, wie sie auf die Entwicklung auf den Kapitalmärkten reagieren. Sie können unternehmensindividuell mit einem niedrigeren Zins arbeiten.

Das würde für die Kunden eine Erhöhung der Prämien bedeuten - und für die Unternehmen einen Nachteil im Wettbewerb. Eine Übersicht, wie viele Versicherer erwägen, den "aktuariellen Unternehmens-Zins" zu senken, hat der PKV-Verband nicht.

Die fallenden Zinsen haben noch einen weiteren Effekt. Von der Differenz zwischen Rechnungszins und tatsächlich erzielter Rendite müssen die Unternehmen 90 Prozent in die Reserven stecken, die für die Abfederung des Beitragsanstiegs im Alter verwendet werden. Je niedriger die Rendite ausfällt, desto geringer fällt der Zufluss aus.

Langfristig kommt die Tatsache, dass die Versicherer weniger Erträge mit ihren Kapitalanlagen erzielen, auf jeden Fall bei den Kunden an - entweder über allgemeine Prämienerhöhungen oder über einen stärkeren Beitragseffekt für ältere Kunden.

"Das niedrige Zinsumfeld bei den Kapitalanlagen stellt für die Branche eine Herausforderung dar", sagt Dr. Reiner Will, Geschäftsführer der Kölner Rating-Agentur Assekurata.

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