Ärzte Zeitung online, 26.10.2010

Merck KGaA: Großes Plus im letzten Quartal

DARMSTADT (cw). Die starke Konjunkturerholung im Chemiegeschäft, die anhaltende Nachfrage nach Mercks großen Pharmaprodukten sowie die Konsolidierung des US-Labordienstleisters Millipore sorgen bei dem Darmstädter Familienkonzern für gehobene Stimmung.

"2010 wird als gutes Jahr in unsere Unternehmensgeschichte eingehen", erklärte Karl-Ludwig Kley, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Bekanntgabe der Neunmonatszahlen.

Einziger Wehrmutstropfen ist das kürzlich vom Arzneimittelausschuss der Europäischen Zulassungsbehörde ausgesprochene negative Votum zu Mercks oraler MS-Arznei Cladribin. Dagegen hat das Unternehmen inzwischen Widerspruch bei der EMA eingelegt.

Man rechne mit einer Stellungnahme der Behörde zum 1. Quartal kommenden Jahres, sagte Kley am Dienstag in Darmstadt. Dagegen habe die FDA dem Mittel einen Priority-Review-Status eingeräumt. Man hoffe, dass Cladribin noch dieses Jahr zugelassen werde. Nichts deute gegenwärtig auf eine Verzögerung hin, so Kley.

In Russland ist das Mittel als Movectro™ seit Juli, in Australien seit September zugelassen. Ursprünglich hatte Merck gehofft, mit Cladribin als erstes Unternehmen ein orales MS-Therapeutikum in den Markt bringen zukönnen.

Nachdem die FDA vergangenen Dezember jedoch einen ersten Zulassungsantrag nicht angenommen hatte, zerschlug sich diese Hoffnung. Inzwischen ist Konkurrent Novartis mit seinem Fingolimod (Gylenia™) an Merck vorbeigezogen. Vor vier Wochen gab die FDA dem oralen Analogon eines Pilzwirkstoffes grünes Licht zur Erstlinientherapie schubförmiger Multipler Sklerose.

Die Bedeutung von Cladribin für Merck werde allerdings in den Medien etwas hochgespielt, erklärte Kley. Man sei unternehmensintern nie übertrieben euphorisch gewesen, was die Chancen des Mittels betreffe. Cladribin werde gegenwärtig lediglich mit 50 Millionen Euro bewertet.

Sollte es mit der US-Zulassung klappen, gebe es keinen Abschreibungsbedarf. Cladribin stammt ursprünglich von Johnson & Johnson und wird als Zytostatikum gegen Haarzellleukämie vermarktet (Leustatin®). Serono, im Jahr 2006 von Merck akquiriert, hatte das Mittel einlizensiert und mit der Entwicklung gegen MS begonnen.

Die Ablehnung von Cladribin wird seitens der EMA mit einem ungünstigen Nutzen-Risiko-Profil begründet. Das Mittel könnte ein, abhängig von Dauer und Dosis der Anwendung, zunehmendes Krebsrisiko haben.

Die Merck KGaA von Januar bis Ende September 2010: Der Umsatz stieg um knapp 18 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro, das operative Ergebniss verbesserte sich um 63 Prozent auf 984 Millionen Euro und der Gewinn nach Steuern stieg um 87 Prozent auf 596 Millionen Euro.

In der Pharmasparte (OTC und patentgeschützte Produkte) nahm der Umsatz um sieben Prozent auf 4,3 Milliarden Euro zu, der operative Gewinn stieg um 21 Prozent auf 563 Millionen Euro. Für die ausgesprochen gute Gewinnentwicklung seien auch geringere Aufwendungen für Forschung und Entwicklung sowie geringere Herstellkosten als in der Vergleichsperiode des Vorjahres verantwortlich, heißt es.

Angesichts des bisherigen Verlaufs des Geschäftsjahres hat Merck seine Prognosen geändert: VBereinigt um Akquisitionskosten soll das operative Pharma-Ergebnis jetzt um 26 Prozent statt wie bisher erwartet um 12 Prozent zulegen. Im Konzern soll diese Kenngröße bereinigt um 58 Prozent steigen. Bisher wurden 55 Prozent mehr erwartet.

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