Medica Aktuell, 18.11.2010

Kaleidoskop der Innovationsfreude

IT in Praxis und Klinik

Kaleidoskop der Innovationsfreude

Die MedTech-Branche ist innovationsgetrieben und vielfältig zugleich. Mit ihrer breiten Produktpalette deckt sie den Bedarf in Klinik und Praxis von der einfachen Mullbinde über Spritzen, Rollstühle und Op-Tische bis hin zu Kernspintomografen ab. Hier in Düsseldorf präsentieren die Anbieter wieder Brandneues und Altbewährtes.

Von Antonia von Alten

Kaleidoskop der Innovationsfreude

MedTech für Ärzte und für Patienten: Das Uroskop und die Basisstation für Vitalparameter.

© Siemens, Bosch

Auch in diesem Jahr wird die Medica wieder Indikator für das Innovationstempo in der Branche sein: Ob innovative Anwendungen der Lasertechnologie, bahnbrechende Diagnose- und Therapieverfahren oder die ständige Weiterentwicklung minimal-invasiver Chirurgie - die Geschwindigkeit des Fortschritts in der Medizintechnik ist beeindruckend.

Das zeigen auch die Umsatzzahlen: Seit 2000 stieg der Umsatz Jahr für Jahr um durchschnittlich rund acht Prozent - nur im Jahr 2009 brach er wegen der Wirtschaftskrise um vier Prozent ein.

"Made in Germany" überzeugt Gesundheitsanbieter weltweit

Medizintechnik "Made in Germany" hat weltweit einen exzellenten Ruf. Das beweist die hohe Exportquote von 62,5 Prozent. So erzielten die deutschen Medizintechnikunternehmen nach Angaben des Branchenverbandes Spectaris, der etwa 150 der deutschen MedTech-Unternehmen vertritt, im Jahr 2009 einen Umsatz von 18,3 Milliarden Euro.

Davon entfielen 11,4 Milliarden Euro auf das Auslandsgeschäft. Hier ist im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang von neun Prozent zu verzeichnen, aber für dieses Jahr gibt sich die Branche optimistisch. Die derzeitigen Prognosen zeigen ein deutliches Wachstum sowohl im In- als auch im Ausland, so dass beim Gesamtumsatz 2010 sogar mit einem zweistelligen Plus gerechnet wird.

Europa und die USA bleiben nach wie vor die Haupt-Exportregionen deutscher Medizintechnik-Unternehmen. Doch auch in den Schwellenländern wächst mit steigenden Einkommen die Bereitschaft der Menschen, mehr Geld für Gesundheit auszugeben.

Eine aktuelle Studie der Deutschen Bank "Gesundheitswirtschaft im Aufwind" prognostiziert: Vor allem Asien wird angesichts der hohen und wachsenden Bevölkerungszahl als Absatzmarkt für deutsche Medizintechnik immer lukrativer, unter anderem weil die chinesische Regierung plant, die Krankenhäuser auf westlichen Standard zu bringen.

Auch in Osteuropa müssen noch viele Gesundheitseinrichtungen modernisiert werden. Besonders wichtig ist hier der After-Sales-Service, denn es mangelt in diesen Ländern häufig an Personal für Wartung und Pflege der komplexen HighTech-Apparaturen.

Der Erfindungsreichtum der deutschen Medizintechnik lässt sich messen: Die Zahl der angemeldeten Patente für die Medizintechnik liegt deutlich vor anderen innovationsfreudigen Branchen in Deutschland. Sie lässt dabei sogar die Automobilindustrie und den Bereich Datenverarbeitung hinter sich. Die deutschen Medizintechnikhersteller erzielen rund ein Drittel ihres Umsatzes mit Produkten, die höchstens drei Jahre als sind.

Neue Verfahren zur Diagnostik, Therapie und Prävention von Krankheiten basieren mehr und mehr auf komplexen, Querschnittstechniken. Heute wäre die minimal-invasive Chirurgie ohne moderne bildgebende Systeme nicht möglich, ebenso wenig ließen sich Organtransplantationen ohne medikamentöse Begleitung durchführen.

Und in der Orthopädie oder Unfallchirurgie werden neue Werkstoffe immer wichtiger. Dabei ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit gefragt. Nicht nur Ärzte und Ingenieure, sondern auch Psychologen oder Verwaltungs- und Organisationsexperten arbeiten heute zusammen. So lassen sich die Probleme wie etwa bei der Überwachung pflegebedürftiger Menschen oder bei der Vereinheitlichung der Datensysteme in einem Krankenhaus lösen.

Ein Blick auf die demografische Entwicklung zeigt eindrucksvoll das Steigerungspotenzial der Medizintechnik. Unter realistischen Annahmen, so die DB-Studie könnte die Zahl der über 80-Jährigen in Deutschland schon bis 2030 von derzeit etwa 4,7 Millionen um gut die Hälfte auf knapp 7,2 Millionen und bis zur Jahrhundertmitte weiter auf elf Millionen anwachsen.

Umsatzfördernd ist diese Entwicklung zuerst für die Hersteller von Produkten für Kliniken. Ein Wachstumspotenzial sieht die Deutsche Bank aber auch bei Unternehmen, die sich mit der medizinischen Betreuung der Menschen im häuslichen Umfeld und mit allen Aspekten der Telemedizin befassen.

Die Marktbeobachter gehen davon aus, dass in Europa der Umsatz für Telemedizin schon bis zum Jahr 2020 jährlich durchschnittlich zehn Prozent von derzeit rund fünf Milliarden auf 19 Milliarden Euro zulegen dürfte.

Telemedizin trägt zu Kosteneinsparungen bei

Diagnose und Therapie aus der Ferne - das heißt in erster Linie die Übermittlung von Daten und Bildern von Arzt zu Arzt, von Arzt zu Patient und natürlich von Patient zu Arzt. Besonders hilfreich ist dieses System beispielsweise bei Chronikern mit Diabetes oder Herzinsuffizienz.

Für die Patienten bedeutet der Einsatz von Telemedizin mehr Komfort, weil dadurch Arztbesuche und Klinikaufenthalte entfallen.

Innovative Telemedizin kann erheblich zur Gesundheitsvorsorge und zu Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen beitragen. Allein bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen könnten nach Schätzungen des Verbands der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) in Deutschland die Jahres-Kosten von 35 Milliarden Euro (2002) um mindestens ein Drittel gesenkt werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »