Ärzte Zeitung online, 12.11.2010

Onken kommt in Schweizer Hände - Kampf um die Kühlregale

BIELEFELD (dpa). Onken wandert in die Schweiz: Dr. Oetker verkauft seine Joghurtmarke an Emmi - einer der großen Schweizer Milchverarbeiter. Damit setzt sich der Konzentrationsprozess auf dem europäischen Milchmarkt auch bei einzelnen Markenprodukten fort.

Ein größerer Schritt wird die bevorstehende Fusion der führenden deutschen Molkereigenossenschaften Nordmilch und Humana sein. Sie verkaufen ihre Marken (Milram, Oldenburger, Humana, Ravensberger) schon seit längerem aus einer Hand an den Handel. Die großen Handelskonzerne müssen deshalb in den Preisverhandlungen mit stärkeren Partnern rechnen. Die Kühlregale der Supermärkte werden letztlich von immer weniger Herstellern gefüllt.

"Deckel ab und essen" ist ein Trend zu Fertigprodukten, von dem viele Lebensmittelhersteller profitieren wollen - auch Dr. Oetker. Vor gut sechs Jahren übernahm der Familienkonzern die Molkerei Onken im niederrheinischen Moers. Er verfügt damit über eine eigene Produktion gekühlter Fertigdesserts und Sahneprodukte.

Das Werk wurde für 30 Millionen Euro ausgebaut. Neben dem Joghurt der Traditionsmarke Onken laufen hier unter anderem die Fertigpuddings der Oetker-Submarken Paula und Wölkchen, Rote Grütze und Grießpuddings vom Band. Daran wird sich auf absehbar Zeit nichts ändern. Denn Dr. Oetker hat sich zwar aus dem Joghurtvertrieb zurückgezogen, stellt Onken aber weiter im Auftrag von Emmi her.

Die Molkerei Moers bleibt mit ihren knapp 400 Mitarbeiter Teil des Oetker-Konzerns, der seine Kraft im Frischesegment voll und ganz auf Dessertprodukte und Crème Fraiche richten will. Emmi sieht Onken als Chance, in europäischen Schlüsselmärkten zu wachsen.

"Onken ist im Bereich der Joghurt-Großpackungen Nummer 1 in Großbritannien und Nummer 3 in Deutschland", erklärte Emmi-Chef Urs Riedener bei Bekanntgabe der Markenübernahme. Der Jahresumsatz der Marke Onken wird mit umgerechnet 56 Millionen Euro beziffert. Im deutschen Einzelhandel sieht sich Emmi unter anderem mit den Frischprodukten Caffè Latte, Swiss Jogurt, Swiss Müesli und Griestöpfli sowie mit Käsespezialitäten schon gut positioniert.

Auslandsmärkte werden für Molkereien bei zunehmender Spezialisierung wichtiger. Etwa 40 Prozent der deutschen Milch werde beispielsweise in Form von Käse bereits exportiert, verdeutlicht die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen. Ebenso viel Milch komme unter anderem in Form von dänischer und irischer Butter oder holländischem oder Schweizer Käse nach Deutschland.

Im Blickpunkt stünden große Fusionen, weitgehend unbemerkt blieben viele kleine Schritte. "Kooperationen nehmen zu", schildert der Vize- Geschäftsführer der Vereinigung, Gerd Krewer. Die gemeinsame Vertriebsgesellschaft von Nordmilch und Humana, die seit längerem die Produkte beider Genossenschaften anbietet, sei nur ein Beispiel dafür. Andere Molkereien arbeiteten bei der Logistik zusammen. In Deutschland gibt es noch rund 100 Molkereiunternehmen mit gut 200 Betriebsstätten. Seit den 1950er Jahren hat sich alle 10 Jahre die Zahl der Betriebsstätten halbiert.

Aus Nordmilch und Humana soll ein Branchenführer in Deutschland mit 4 Milliarden Euro Umsatz und 5000 Mitarbeitern entstehen. Damit würde das Unternehmen künftig zu den zehn größten in der Branche in Europa gehören. In der Rangliste der weltweit größten Milchverarbeiter steht Nestlé ganz oben, gefolgt von Danone und Lactalis (beide Frankreich). Auf den vierten Platz schob sich Friesland Campina, der Zusammenschluss zweier niederländischer Genossenschaften aus dem Jahr 2009.

Pressemitteilung des Schweizer Unternehmens Emmi

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