Ärzte Zeitung online, 17.11.2010

Wirtschaftskriminalität auf rasantem Wachstumskurs

WIESBADEN (dpa). Ob Untreue, Anlage- oder Kreditbetrug: Die Zahl der Wirtschaftsdelikte in Deutschland ist im Krisenjahr 2009 rasant gestiegen. In der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) wurden 101 340 Fälle registriert, wie das Bundeskriminalamt (BKA) am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte.

Das waren fast 17 000 Fälle mehr (plus 19,9 Prozent) als 2008. "Der Ende 2008 als Folge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise einsetzende Trend ansteigender Fallzahlen der Wirtschaftskriminalität hat sich fortgesetzt", sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke.

Allerdings ist die Zahl der Wirtschaftsdelikte verglichen mit den Straftaten insgesamt noch immer gering: Das BKA beziffert ihren Anteil auf 1,6 Prozent nach 1,4 Prozent im Jahr 2008. Der Schaden dieser Vergehen war 2009 ebenso wie schon Jahr zuvor mit 3,43 Milliarden Euro aber enorm. Damit verursachten Delikte aus dem Bereich Wirtschaftskriminalität nahezu die Hälfte des in der Polizeistatistik errechneten Gesamtschadens von 7,2 Milliarden Euro.

Zu den Delikten werden Betrug bei Börsenspekulationen, Veruntreuung von Arbeitsentgelten und auch Insolvenzverschleppung gezählt. Die Aufklärungsquote solcher Vergehen betrug im vergangenen Jahr 91,7 Prozent (2008: 92,5 Prozent) und war damit erneut deutlich höher als bei der Gesamtkriminalität, bei der nur gut jeder zweite Fall gelöst wurde (55,6 Prozent).

Besonders viele Delikte betreffen die Kreditvergabe

Besonders deutlich stieg 2009 die Zahl der Delikte bei der Vermittlung und Gewährung von Krediten: 19 792 registrierte Fälle bedeuteten ein Plus von 176 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Einen noch extremeren Zuwachs meldete das BKA im Bereich Kapitalanlagebetrug, der um 214 Prozent auf 18 313 Fälle anstieg.

Das BKA hat Zweifel, ob es tatsächlich einen Anstieg der Delikte gab. Eher dürfe es sich um eine Aufhellung des Dunkelfelds handeln, wie Ziercke sagte: "Insgesamt hat die öffentliche Aufarbeitung der Wirtschafts- und Finanzkrise offenbar beim Bürger zu einer verstärkten Sensibilität geführt und das Anzeigeverhalten der Geschädigten beeinflusst."

Gegen den Trend wurden weniger Fälle der Wirtschaftskriminalität mit dem Tatwerkzeug Internet bekannt. Nach einem starken Anstieg im Jahr 2008 auf 16 437 Fälle sank die Zahl 2009 wieder deutlich auf 10 719 Fälle. Das waren 34,8 Prozent weniger. Nur bei jedem zehnten Fall von Wirtschaftskriminalität sei demnach das Internet genutzt worden. Das BKA hält den Rückgang allerdings nur für eine Momentaufnahme.

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