Ärzte Zeitung online, 18.11.2010

Gerangel um Kunden: PKV sucht Hilfe bei der BaFin

Mit immer höheren Vermittlerprovisionen versuchen private Krankenversicherer, sich Kunden abzujagen - zu Lasten der Versicherten.

BERLIN (hf). Die privaten Krankenversicherer wollen dem Provisionsunwesen in den eigenen Reihen einen Riegel vorschieben. Dafür suchen sie jetzt auch Unterstützung von der Finanzaufsicht BaFin. Der Wunsch einiger Versicherer: Die BaFin soll in der Kalkulationsverordnung Höchstgrenzen für Provisionen festlegen.

Im heiß umkämpften Markt der privaten Vollversicherung sind die Provisionssätze - mit denen die Neukunden belastet werden - in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Manche Vertriebsorganisationen erhalten inzwischen 14 Monatsbeiträge und mehr.

Da der Zugang von freiwillig gesetzlich Versicherten zur PKV begrenzt wird, spielt die Abwerbung von Kunden zwischen den Versicherern eine zunehmende Rolle. Nach übereinstimmenden Schätzungen aus der Branche kommen mehr als 30 Prozent der Neukunden von anderen Gesellschaften. Diese Versicherten zahlen dann mehrmals die Kosten.

Die Entwicklung ist vielen Unternehmen ein Dorn im Auge. Sie suchen deshalb nach Wegen, die Auswüchse in den Griff zu bekommen. Die Versicherer haben dabei ein Problem: Sie müssen mit Strafen des Kartellamts rechnen, wenn sie unter sich verbindliche Regeln absprechen.

Mit diesem Argument blockieren Gesellschaften, die besonders aggressiv im Markt auftreten, jedes einheitliche Vorgehen der Versicherer. In Gesprächen mit der BaFin wollen Branchenvertreter klären, ob die Aufsicht eine Provisionsobergrenze festlegen würde.

Im Gespräch sind dabei acht Monatsbeiträge. Auch weitere Vorschriften sollen helfen, Exzesse zu Lasten der Kunden zu vermeiden. "Ohne staatliche Hilfe kriegen wir das Problem nicht in den Griff", sagte ein PKV-Vorstand. Das Thema könne den Ruf der PKV ernsthaft beschädigen.

Ein Sprecher des PKV-Verbands sagte, in der Branche gebe es "einen fortdauernden Diskussionsprozess". Zu den Gesprächen mit der BaFin wollte er sich nicht äußern. Der Verband könne keine Empfehlungen aussprechen, weil Kartell- und Wettbewerbsregeln das verböten, sagte er.

[18.11.2010, 09:47:30]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Krokodilstränen im Haifischbecken der PKV?
Die PKV ist zu einer (heimlichen) Umlagekasse mutiert. Sie steckt in einer tiefen Legitimationskrise und einem ökonomischen Widerspruch. Die Prämien sind bei sinkenden Gewinnen, steigenden Krankheitsausgaben bzw. Finanzkrisen bei Konjunktur und Kapitalmarkt äußerst volatil. Bei sinkenden Renditen werden PKV Prämienerhöhungen auch in Zukunft über das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen legitimiert und angepasst werden. Echt bittere Krokodilstränen der PKV-Branche bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Berlin kommen noch hinzu.

"Zu Risiken und Nebenwirkungen der PKV fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker": Wir sind mit unseren Familien meist privat versichert und haben mit Kopfpauschalen pro Nase von 150 Euro (damals 300 DM) in jungen Jahren angefangen. Wir zahlen jetzt mit 2 Erwachsenen und 2 Kindern exorbitant angestiegene Prämien oder haben eine 2.000 Euro Selbstbeteiligung pro Kopf und Jahr und trotzdem PKV-Monatsprämien ab jeweils 400 Euro aufwärts.

Alle PKV-Unternehmen fordern selbst bei Bagatellerkrankungen in der Vorgeschichte zusätzlich Risikoprämien, dünnen ihren Beratungs- und Leistungsumfang aus und lassen besonders ältere, chronisch schwer kranke Versicherungsnehmer im Stich oder bearbeiten Sie mit Einschränkungen und Leistungsverweigerungen. Denn Sie müssen rasant gestiegene Vermittlungsprovisionen zahlen, um eine junge, unbedarfte Klientel zu bekommen, die mit Internet- und Lockvogelangeboten "gekeilt" werden. Junge Privatversicherte, die spätestens dann aufwachen, wenn sie noch Krankengeld, Kur+REHA, Zahnbehandlung und -Ersatz oder eine Familien(mit)-Versicherung brauchen und merken, dass nur der Versicherungsmakler auf der Sonnenseite seiner 14-fachen Provision steht.

Mit kollegialen Grüßen, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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