Ärzte Zeitung online, 01.12.2010

Keine Dividende für Anzag-Aktionäre

FRANKFURT/MAIN (cw). "Der kommende Winter verspricht hart und lang zu werden": In derart klassischer Zitatanmutung kommentierte Anzag-Chef Dr. Thomas Trümper anlässlich der Bilanzvorstellung am 1. Dezember die Herausforderungen, vor denen der Pharmagroßhandel in Deutschland steht. Trotz ausgesprochen guter Ertragslage 2010 soll deshalb keine Dividende an die Anzag-Aktionäre ausgeschüttet werden.

Keine Dividende für Anzag-Aktionäre

Die ANZAG Zentrale mit Sitz in der Solmsstraße in Frankfurt / Main.

© ANZAG

Im Geschäftsjahr 2010 (Ende August) konnte der Frankfurter Pharmagroßhändler den Umsatz um sieben Prozent auf 4,2 Milliarden Euro verbessern. Vor Steuern nahm der Gewinn um stolze 81 Prozent auf 40,5 Millionen Euro zu. Nach Steuern blieben mit 30,5 Millionen Euro 18 Prozent mehr in der Konzernkasse. Und da sollen sie auch bleiben.

Trümper begründete den Verzicht auf einen Dividendenvorschlag mit den Unwägbarkeiten durch das kürzlich verabschiedete Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG). Das AMNOG belastet den Großhandel zunächst durch einen Rabatt, ab 2012 durch eine neue gesetzliche Marge mit pro anno 200 Millionen Euro. Trümper: "Wir können einfach nicht absehen, wie sich dieser Markt und wie sich der Wettbewerb entwickelt. Deshalb halten wir unser Geld erstmal zusammen".

Im Geschäftsjahr 2010 konnte die Anzag dagegen noch von gesetzgeberischen Maßnahmen profitieren. Dank des öffentlichen Versorgungsauftrages, den die 15. AMG-Novelle den Grossisten bescherte, habe die Branche "erstmals seit vielen Jahren" stärker als der Gesamtmarkt zugelegt; nämlich um rund sechs Prozent gegenüber nur vier Prozent bei den Pharmaherstellern. Für die Anzag hieß es im Inland insgesamt 5,4 Prozent mehr Umsatz (auf 3,8 Milliarden Euro).

Der Umsatzanteil der direkt von den Herstellern in die Apotheke gelieferten Produkte ("Direktgeschäft") sei inzwischen von 17,5 Prozent vor Inkrafttreten der AMG-Novelle auf 15,8 Prozent zurückgegangen, versicherte Trümper. Dass diese Quote noch weiter sinkt und damit dem Großhandel weiteres Geschäft wieder zufällt, hält der Anzag-Chef jedoch für unwahrscheinlich.

Ein Treiber der Gewinnentwicklung waren 2010 auch die Anzag-Töchter im ehemaligen Jugoslawien, in Rumänien und Litauen. Deren gemeinsamer Umsatz stieg um 25 Prozent auf 343 Millionen Euro. Damit entfielen zwar nur acht Prozent des Konzenumsatzes auf den Zwischenhandel im Ausland. Zum operativen Konzernergebnis (EBIT) jedoch trugen die Töchter mit knapp 16 Millionen Euro (plus 72 Prozent) fast ein Drittel bei.

Für eine weitere Internationalisierung habe man bereits Ziele ins Auge gefasst, erklärte Trümper. Allerdings müsse mit dem neuen Mehrheitseigner Alliance Boots abgesprochen werden, inwieweit die Anzag hier aktiv werden könne. Im laufenden Geschäftsjahr 2011 rechnet der Anzag-Chef mit einem Umsatzwachstum von drei Prozent. Dagegen dürften die Erträge dieses und nächstes Jahr "unter dem Niveau des Geschäftsjahres 2010 liegen".

Trümper, der auch Vorsitzender des Branchenverbandes Phagro ist, bekräftigte in diesem Zusammenhang erneut die Auffassung, dass der durch das AMNOG geforderte Obolus von der Branche nicht zu schultern ist: "Bei einem Gesamtertrag aller vollversorgenden Großhändler in Höhe von 172 Millionen Euro in 2009 ist es unausweichlich, dass wir die Belastungen an die Apotheken durchreichen müssen".

In den kommenden Wochen würden die Liefer- und Einkaufskonditionen mit den Apotheken neu verhandelt. Dabei ließ Trümper durchblicken, dass die Anzag bei den Rabatten wohl zu Lasten der starken Kunden umverteilen werde: "Den Apotheken, die sehr wenig bekommen, können wir nicht noch mehr wegnehmen".

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »