Ärzte Zeitung online, 03.12.2010

EU-Kommission nimmt Pharmahersteller ins Visier

BRÜSSEL (dpa). Beamte der Europäischen Kommission haben Geschäftsräume von europäischen Pharmaherstellern durchsucht. Die Brüsseler Kartellwächter verdächtigen die Unternehmen, alleine oder gemeinsam die Einführung von Generika verzögert zu haben.

Namen der betroffenen Unternehmen nannte die EU-Kommission am Freitag zunächst nicht. Der schwedische-britische Pharmahersteller AstraZeneca räumte in London allerdings ein, dass Ermittlungen liefen. Es werde mit den Behörden zusammengearbeitet.

In diesem Zusammenhang wurden auch zwei deutsche Standorte des Pharmaunternehmens Nycomed mit Sitz in Zürich durchsucht. Große deutsche Pharmahersteller wie Bayer oder Merck bestritten dagegen, betroffen zu sein.

Die Durchsuchungen in mehreren Mitgliedstaaten waren schon am Dienstag. Sie fanden mit Unterstützung der nationalen Behörden statt, hieß es seitens der EU-Kommission.

Falls die Kommission konkrete Hinweise auf Verstöße gegen die Wettbewerbsregeln hat, kann sie gegen die Unternehmen Verfahren wegen verbotener Absprachen oder Ausnutzens einer marktbeherrschenden Stellung eröffnen. Am Ende solcher Verfahren drohen hohe Bußgelder von bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes.

AstraZeneca bestätigte, dass sich die Ermittlungen um den Protonenpumpenhemmer Esomeprazol (Nexium®) drehen. Für das Unternehmen ist dies ein großer Umsatzbringer, zuletzt waren es jährlich fünf Milliarden Dollar. Der Patentschutz ist in einigen Ländern ausgelaufen.

Nycomed bestätigte EU-Untersuchungen an zwei seiner deutschen Standorte. "Wir kooperieren im vollen Umfang mit den Behörden", sagte ein Sprecher. Weitere Einzelheiten wollte er wegen des schwebenden Verfahrens nicht nennen.

Der größte deutsche Arzneimittelhersteller Bayer ist nach eigenen Angaben nicht von den aktuellen Ermittlungen betroffen. Auch andere große Hersteller wie Schwarz Pharma, Merck, Boehringer Ingelheim und Sanofi-Aventis erklärten, es habe bei ihnen keine Durchsuchungen gegeben.

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