Ärzte Zeitung online, 03.12.2010

Korruption: Prothesen-Hersteller Opfer eines Millionenbetrugs?

DUDERSTADT (pid). Das Duderstädter Medizintechnik-Unternehmen Otto Bock ist offenbar Opfer eines massiven Betrugs- und Korruptionsfalls geworden.

Korruption: Prothesen-Hersteller Opfer eines Millionenbetrugs?

Korruptionsverdacht: Handwerker sollen dem Prothesen-Hersteller Otto Bock mit zu hohen Rechnungen einen Millionenschaden verursacht haben.

© imagebroker / imago

Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Braunschweig ermittelt gegen mehrere Firmen und Handwerker aus der Region. Sie sollen den Prothesenhersteller durch falsche Abrechnungen um mehrere Millionen Euro betrogen haben.

Ein 76-jähriger Verantwortlicher einer Heizungsbaufirma sitzt seit Oktober in Untersuchungshaft. Er soll jahrelang überhöhte, doppelte und fingierte Rechnungen ausgestellt haben. Zehn Prozent der überhöhten Summe sollen als Schmiergeld an einen Mitarbeiter der Bauabteilung von Otto Bock geflossen sein.

Der beschuldigte Handwerker habe für die in den Jahren 2004 bis 2010 ausgestellten Rechnungen insgesamt über sechs Millionen Euro erhalten, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Klaus Ziehe.

Die tatsächlich erbrachten Leistungen hätten jedoch nur einen Wert von einer Million Euro gehabt, so dass dem betroffenen Unternehmen in Duderstadt ein Schaden von rund fünf Millionen Euro entstanden sei.

Dabei soll der 76-Jährige mit einem 49-jährigen Mitarbeiter aus der Bauabteilung von Otto Bock kooperiert haben. Dieser soll rund 500 000 Euro an Bestechungsgeld kassiert haben.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte das Duderstädter Unternehmen Ende September selbst Strafanzeige gestellt. Derzeit ermittele die Staatsanwaltschaft gegen drei Firmen und sechs Tatverdächtige wegen des Verdachts der Bestechlichkeit beziehungsweise der Bestechung im geschäftlichen Verkehr in besonders schwerem Fall.

Für derartige Taten können bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe verhängt werden. Der in die Affäre verwickelte Mitarbeiter von Otto Bock hatte nach Entdeckung der Betrügereien die Kündigung erhalten.

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