Ärzte Zeitung online, 10.12.2010

Wikileaks: US-Diplomaten belasten Pfizer

Die von Wikileaks veröffentlichten US-Botschaftsberichte ziehen immer weitere Kreise. Ein jetzt bekannt gewordener Bericht der US-Botschaft in Nigeria belastet den weltgrößten Pharmahersteller Pfizer. Das Unternehmen weist die Vorwürfe als absurd zurück.

LONDON/NEW YORK (eb). Einem jüngst veröffentlichten US-Botschaftsbericht zufolge soll Pfizer einen nigerianischen Staatsanwalt unter Druck gesetzt haben, um Strafzahlungen zu vermeiden. Die Depesche vom April 2009 wurde am Donnerstagabend vom britischen "Guardian" veröffentlicht.

Hintergrund sollen Arzneitests an Kindern mit dem oralen Antibiotikum Trovan sein. Im Jahr 1996 soll es an rund 100 Kinder verabreicht worden sein. Damals wütete in dem afrikanischen Land eine Meningitis-Epidemie.

Einige Todesfälle unter den Kinder wurden dabei im Zusammenhang mit Trovan gesehen. Pfizer wies schon damals bereits daraufhin, dass die mit Trovan behandelten Kinder eine höhere Überlebenschance gehabt hätten.

Das Unternehmen wurde mit dem Vorwurf konfrontiert, es soll die Genehmigung für die Verabreichung der Arzneimittel nicht ordnungsgemäß eingeholt haben.

Anfang 2009 gab es eine Einigung mit den nigerianischen Behörden. Pfizer zahlte 75 Millionen US-Dollar, davon ging rund die Hälfte als Entschädigungszahlung an die Kinder und ihre Familien.

Doch in dem jetzt veröffentlichten Botschaftsbericht schildern US-Diplomaten einen Verdacht: Der Hersteller soll angeblich Privatermittler engagiert haben, um eine mögliche Verstrickung des nigerianischen Generalstaatsanwalts Michael Aondoaka in kriminelle Geschäfte aufzudecken.

Er sollte damit bloßgestellt und es sollte Druck auf ihn ausgeübt werden, folgern die US-Diplomaten. Sie beziehen sich in ihrer Depesche auf Aussagen des Pfizer-Managers Enrico Liggeri.

Das Unternehmen wies den Botschaftsbericht am Freitag als völlig abwegig zurück: "Obwohl Pfizer noch keine Dokumente aus der US-Botschaft in Nigeria gesehen hat, ist jede Vorstellung, dass das Unternehmen Ermittler angeheuert haben soll, einfach absurd."

Nach dem im vergangenen Jahr geschlossenen Vergleich habe man die vereinbarten Zahlungen wie abgesprochen geleistet.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Personal-Notstand auf deutschen Intensivstationen

Auf deutschen Intensivstationen fehlen mehr als 3000 Spezialpflegekräfte. Die Krankenhäuser wollen reagieren. Das Personal denkt über einen Großstreik nach. mehr »

HIV-Impfung generiert Immunantwort

Eine Impfung gegen HIV ist in frühen klinischen Studien. Erste Ergebnisse sind positiv. mehr »

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Putzen, Wäsche waschen, Kochen: Viele Menschen empfinden all das als nervige Pflichten. Wer Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen - und fühlt sich dann zufriedener. Das haben Forscher herausgefunden. mehr »