Ärzte Zeitung online, 02.02.2011

Roche 2010: Der Umsatz stagniert, die Kasse stimmt

BASEL (cw). Und immer wieder Tamiflu®: Nach Abklingen der Schweinegrippe büßte Roches einstiger Blockbuster vergangenes Jahr 2,3 Milliarden Schweizer Franken ein. Er trug damit ganz erheblich zum Umsatzrückgang auf Konzernebene bei. Und die Auswirkungen von Gesundheitsreformen, Preissenkungen in Japan sowie der starke Franken taten ihr übriges.

Roche 2010: Der Umsatz stagniert, die Kasse stimmt

Roche-CEO Schwan am Mittwoch in Basel: Höherer Gewinn und mehr Aktionärsdividende.

© dpa

Um drei Prozent ging der Umsatz des Schweizer Pharma- und Diagnostikaunternehmens 2010 zurück, auf jetzt 47,5 Milliarden CHF (36,8 Milliarden Euro). Ohne die Effekte der Umrechnung lokaler Erlöse in Schweizer Franken (CHF) wäre der Konzernumsatz gegenüber dem Vorjahr stabil geblieben.

Und ohne den Nachfrageeinbruch des Neuraminidasehemmers Tamiflu® (Oseltamivir) - von 3,2 Milliarden CHF auf 873 Millionen - wäre der Konzernumsatz laut Roche sogar um fünf Prozent in lokalen Währungen gestiegen. Gesundheitsreformen und eine Preissenkung in Japan schmälerten die Erlöse um 774 Millionen CHF.

Auf Gewinnebene konnte Roche den Rückgang der Verkäufe jedoch parieren: So stieg der Gewinn vor Restrukturierungskosten, Abschreibungen und weiteren Aufwendungen ("Kernbetriebsgewinn") um zwei Prozent auf 16,6 Milliarden CHF.

Die operative Rendite vor den genannten Einflüssen verbesserte sich um fast zwei Punkte auf 34,9 Prozent. In der Division Pharma nahm sie in gleicher Größenordnung zu und erreichte 39,9 Prozent. Der Konzernüberschuss legte um vier Prozent auf 8,9 Milliarden CHF zu.

Deutlich überdurchschnittlich sollen die Roche-Aktionäre am Ertrag des Geschäftsjahres 2010 beteiligt werden. Der Dividendenvorschlag lautet 6,60 CHF pro Aktie. Das ist eine Anhebung um zehn Prozent und wäre die 24. Dividendenerhöhung in Folge.

Top-Produkt wird noch mehr zugetraut

Im Pharmageschäft gingen die Verkäufe um fünf Prozent auf rund 37 Milliarden CHF zurück. Neben Tamiflu® büßten auch NeoRecormon® (Epoetin beta)/Epogin® (Epoetin alfa) und das Immunsuppressivum CellCept® (Mycophenolatmofetil) Umsatz ein.

Für CellCept® gab es starken generischen Wettbewerb im US-Markt, für NeoRecormon® in Europa und Japan. Steigende Nachfrage gab es dagegen für Roches größtes Produkt, das Krebsmittel Avastin® (Bevacizumab), ebenso wie für die - teils mehrfachen - Blockbuster Herceptin® (Trastuzumab), MabThera®/Rituxan® (Rituximab), Lucentis® (Ranibizumab) und Xeloda® (Capecitabin).

Starke Zuwächse habe man auch mit dem pegylierten Epoetin Mircera® sowie dem Arthritis-Medikament RoActemra® (Tocilizumab) verbucht.

RoActemra® zählt zu den künftigen Blockbuster-Hoffnungen des Konzerns. CEO Severin Schwan traut dem Mittel, dass vergangenes Jahr knapp 400 Millionen CHF erlöste, Peak Sales von einer Milliarde CHF zu.

Doch auch Roches Top-Seller Avastin®, mit dem zuletzt allein 6,5 Milliarden CHF eingenommen wurden (plus 9 Prozent), soll noch weiter zulegen.

Aktuell ist in der EU die Zulassung zur Behandlung von Eierstockkrebs in Arbeit. Ende dieses Jahres soll der entsprechende Antrag auch in den USA eingereicht werden.

Diese weitere Indikation berge ein Umsatzpotenzial von etwa 500 Millionen Franken, so Schwan. Maximal traue man Avastin® Peak Sales von jährlich sieben Milliarden CHF zu.

12 neue Wirkstoffe in fortgeschrittenen Phasen

Auch die F&E-Pipeline, Gradmesser für die langfristigen Perspektiven eines forschenden Arzneimittelherstellers, kann sich sehen lassen. Mit zwölf neuen Wirkstoffen kurz vor oder bereits in der späten klinischen Phase III unterstreicht Roche seinen Ruf, eines der innovativsten Unternehmen im globalen Pharmakonzert zu sein.

Für drei der neuen Kandidaten sollen erste Zulassungen bereits dieses Jahr beantragt werden; für weitere fünf in den kommenden zwei Jahren. Schwerpunkt der fortgeschrittenen Pipeline ist mit sechs Kandidaten die Onkologie.

Zudem wird an einem Antikörper gegen Multiple Sklerose gearbeitet (Ocrelizumab), einem Lipidsenker (Dalcetrapib), Präparaten gegen Schizophrenie, Asthma und Hepatitis C sowie einem Mittel zur Verringerung kardiovaskulärer Risiken von Typ-2-Diabetikern (Aleglitazar).

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