Ärzte Zeitung, 21.02.2011

Geldanlage: Wo ist die Rendite am höchsten?

Mit einem Mix aus Aktien, Anleihen und Festgeld fahren Anleger am besten. Nur eine geringe Rendite gibt es dagegen bei Investments in Wohnimmobilien. Das geht aus einer neuen Studie hervor.

Von Richard Haimann

Geldanlage: Wo ist die Rendite am höchsten?

Das Ausrichten auf ein Investment allein reicht nicht. Bei Geldanlagen ist ein breit gestreutes Portfolio am sichersten.

© imagebroker / imago

BERLIN. Mit einem breit gestreuten Mix aus Aktien, Anleihen und Festgeldanlagen erzielen Anleger deutlich höhere Renditen als mit Mietwohnungen und Unternehmensbeteiligungen. Das zeigt eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

Danach wirft ein breit gestreutes Portfolio aus Aktien, Staats- und Unternehmensanleihen sowie Festgeldanlagen im Median einen Ertrag von 2,51 Prozent pro Jahr ab. Mit Investments in Betriebsvermögen wie die eigene Arztpraxis oder über geschlossene Fonds sind es nur 1,82 Prozent.

Mit vermieteten Wohnungen und Mehrfamilienhäusern lässt sich im Median sogar nur eine Rendite von 1,6 Prozent pro Jahr erzielen. Damit liegt der Ertrag von Immobilien unterhalb der von der Europäischen Zentralbank angepeilten Inflationsrate von 1,6 bis 1,9 Prozent.

Median ist aussagekräftiger als die Durchschnittsrendite

Der Median spiegelt den exakten Mittelwert aus der Verteilung aller positiven und negativen Renditen wider. Der Wert gilt deshalb als aussagekräftiger als die arithmetisch gemittelte Durchschnittsrendite, die durch Ausreißer nach oben oder unten stark beeinflusst wird.

Die Zahlen spiegeln die Nettorenditen auf das eingesetzte Kapital wider. Die Bruttoerträge wurden um die zu deren Erzielung nötigen Aufwendungen gekürzt.

Zur Ermittlung der Immobilienrenditen wurden von den Mieteinnahmen die Betriebs- und Instandhaltungskosten abgezogen. Die Untersuchung basiert auf den Daten des sozio-ökonomischen Panels, einer jährlich erfolgenden repräsentativen Befragung von 12.000 Privathaushalten durch das DIW.

Das geringste Risiko bietet ein breit gestreutes Investmentportfolio. Mit einem gesunden Mix aus Aktien, Anleihen und Festgeldanlagen fahren nur 2,38 Prozent der Sparer einen Verlust ein. Hingegen erzielen 16,25 Prozent von ihnen mit dieser Anlagestrategie eine Rendite von mehr als acht Prozent.

Investments in Betriebsvermögen bescheren 12,21 Prozent der Anleger einen Verlust. Andererseits erzielen 17,49 Prozent von ihnen damit Jahresrenditen von über acht Prozent.

Am riskantesten sind der Studie zufolge Wohnimmobilieninvestments. 14,99 Prozent der Eigentümer vermieteter Wohnungen und Mehrfamilienhäuser fahren Verluste ein, 21,75 Prozent erzielen nur eine Jahresrendite von maximal 0,5 Prozent.

15,17 Prozent erwirtschaften gerade einmal einen Ertrag zwischen 0,5 und 1,5 Prozent - und damit immer noch weniger als die Teuerungsrate. Hingegen kommen lediglich 6,96 Prozent auf einen Jahresertrag von mehr als acht Prozent.

Der Wohnungsmarkt leidet unter Bevölkerungsrückgang

Die Untersuchung widerlegt damit die von Bausparkassen, Hypothekenbanken und Maklern verbreitete These, wonach Wohnimmobilien besonders risikoarme, jedoch stark renditeträchtige Investments darstellen.

"Wer sein ganzes Vermögen aufwenden müsste, um eine Eigentumswohnung oder ein Mehrfamilienhaus zu erwerben, sollte sein Kapital lieber breit über Aktien und Anleihen streuen und nur einen Teil des Geldes in offene oder geschlossene Immobilienfonds stecken", rät Tobias Just, Immobilienanalyst bei Deutsche Bank Research.

"Wenn Anleger ihr Vermögen breit streuen, können sie flexibel auf die wechselnden Trends an den Kapitalmärkten reagieren", sagt Stefan Seip, Hauptgeschäftsführer des Fondsverbands BVI.

Der Wohnungsmarkt leide in vielen Regionen unter der schrumpfenden Bevölkerung und dem Bauboom der 1990er Jahre, sagt Andreas Schulten, Vorstand der Immobilienforschungsgesellschaft BulwienGesa.

In Ballungszentren wie Frankfurt am Main, Hamburg und München, die steigende Einwohnerzahlen verzeichnen, könnten in den nächsten Jahren jedoch die Wohnungsmieten und damit die Renditen steigen, sagt Schulten. "In diesen Metropolen ist die Nachfrage zum Teil bereits größer als das Angebot."

Wohnimmobilien sind als Geldanlage ungeeignet

Renditen und Verluste bei verschiedenen Anlagen
Wohn-
immobilien
Mix aus Aktien, Anleihen und Festgeld Betriebsvermögen / geschlossene Fonds
Renditen im Median in Prozent pro Jahr 1,6    2,51    1,82
Prozentsatz  der  Anleger mit Verlusten 14,99    2,38 12,21
Prozentsatz der  Anleger mit Renditen über 8 Prozent p.a.     6,9616,25 17,49
Quelle: DIW, Tabelle: Ärzte Zeitung

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Vier von zehn Diabetes-Fälle ließen sich verhindern

Durch Abspecken von drei bis sechs Kilo in der Bevölkerung ließen sich 40 Prozent der Diabetesfälle verhindern. mehr »

Patientenakte wird zum Herzstück der Digitalisierung

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe will bei der Digitalisierung weiter aufs Tempo drücken. Die elektronische Patientenakte wird dabei zum Motor der Vernetzung. mehr »

Lücken in der Hausarztmedizin wachsen

Gegenläufige Trends kennzeichnen die Bundesärztestatistik für 2016: Die Zahl der Ärzte erreicht ein neues Rekordhoch. Doch der Zuzug ausländischer Ärzte kompensiert die Probleme der Überalterung kaum. mehr »