Ärzte Zeitung, 16.03.2011

Trend zu Medical Wellness bietet auch Ärzten Chancen

Medical Wellness ist und bleibt ein Wachstumsmarkt in der Tourismusbranche. Sie kann aber auch sinnvoll in das Leistungsspektrum von Arztpraxen eingebunden werden.

Von Angela Mißlbeck

Trend zu Medical Wellness bietet auch Ärzten Chancen

Vibrationstraining: Ohne fachkundige Anleitung drohen Gefäßschäden, warnt der Experte.

© Kai Koehler / imago

BERLIN. Als "gesundheitswissenschaftlich begleitete Maßnahmen zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensqualität" beschreibt der Deutsche Medical Wellness Verband (DMWV) die Marke Medical Wellness. Dabei legt Verbands-Chef Lutz Lungwitz Wert auf Qualität: "Wo Medical Wellness draufsteht, muss auch Medical Wellness drin sein", so Lungwitz.

Der Verband hat deshalb gemeinsam mit dem TÜV Rheinland eine Qualitätsprüfung für Medical Wellness-Angebote entwickelt.

Die Zertifizierung war bislang nur für Hotels und Produktanbieter möglich. Nun soll auch ein Zertifikat für Kliniken und Day-Spas entwickelt werden. Dazu kooperiert der DMWV mit dem Tourismusmanager Dr. Christian Kirchner.

Dieser vertritt die Auffassung, dass Selbstzahlerangebote für Reha- und Vorsorgeeinrichtungen immer wichtiger werden. "Es wird in Zukunft nicht ausreichen, dass Kranken- und Rentenversicherung für Aufenthalte zahlen. Kliniken müssen sich für den Privatzahlermarkt öffnen", sagte Kirchner. Dass die Einrichtungen diesen Trend erkannt haben, zeigt sich nach seinen Angaben daran, dass sie zunehmend Hotelfachleute in die Klinikleitung berufen.

Auch für niedergelassene Ärzte bietet der Trend zu Medical Wellness Chancen. Als Beispiel für sinnvolle medizinisch begleitete Wellness-Angebote in der Arztpraxis schildert der Münchner Sportmediziner und Sportwissenschaftler Dr. Dr. Manfred Hartard das Vibrationstraining.

 Er bezeichnet das Training als "alltagsorientierte dreidimensionale Bewegungsform". Es sei aber extrem wichtig, dass die Trainierenden richtig an das Gerät herangeführt werden. Ohne fachkundige Anleitung würden Gefäßschäden drohen, warnte Hartard.

 Die speziellen Geräte setzt er im Münchner Centrum für Diagnostik und Gesundheit gern bei Patienten mit Osteoporose oder Arthrose ein. Nach seinen Angaben profitieren aber alle Menschen mit muskuloskelettären Beeinträchtigungen, seien es Rückenschmerzen oder Sprunggelenksverletzungen. "Ich kann damit die Leistungsfähigkeit im Alltag steigern und lenke den Blick von der Erkrankung weg", sagt Hartard.

Erstmals fanden während der größten deutschen Reisemesse die Health und Wellness Medien-Tage statt. In diesem Rahmen erläuterte die Präsidentin des Europäischen Heilbäderverbandes, Dr. Sigrun Lang die Bedeutung der Branche. "Die mehr als 1400 Heilbäder und Kurorte in Europa leisten seit Jahrhunderten einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit der Bevölkerung.

Prävention und Rehabilitation sind die beiden Stichworte", sagte Lang. Nach ihren Angaben gibt es in Europa rund 18  000 Einrichtungen im Gesundheits- und Wellness-Tourismus, die zusammen pro Jahr rund 30 Milliarden Euro erwirtschaften und 750.000 Arbeitsplätze bieten.

Wenn niedergelassene Ärzte Medical Wellness anbieten wollen, sollten sie einen Zugang zu Sport haben, rät der Sportarzt und -wissenschaftler Hartard. Auch Kooperationen mit Sportwissenschaftlern und Physiotherapeuten empfiehlt der Arzt.

Zum Einstieg in die Branche kann der DMWV nach Hartards Einschätzung hilfreich sein. Der Verband biete erste Verbindungen, egal ob zu Herstellern oder Kooperationspartnern. Bei der Herstellerwahl sollten Ärzte auf Qualität achten. So sei es beim Vibrationstraining wichtig, dass die Geräte seitenalternierend sind, so Hartard.

www.dmwv.de

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