Ärzte Zeitung online, 27.04.2011

Celesio-Vorstand beschwert sich über Haniel-Chef

STUTTGART (dpa). Die Celesio-Vorstände gehen im Streit um die Zukunft von Europas führendem Pharmahändler mit dem Mehrheitsaktionär Haniel in die Offensive.

In einem Brief an die Aufsichtsräte beider Unternehmen beklagen sich die Manager in Stuttgart über Äußerungen des obersten Celesio-Kontrolleurs und Haniel-Chefs Jürgen Kluge in einem Interview.

Dabei ging es auch um die künftige strategische Ausrichtung des Pharmahändlers und die Frage, ob der Duisburger Familienkonzern Haniel Celesio-Anteile verkaufen will.

Haniel bestätigt den Brief

Ein Haniel-Sprecher bestätigte am Mittwoch (27. April), dass das Schreiben, über das die "Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)" berichtet hatte, eingegangen sei. Ein Celesio-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

"Wir sind nach wie vor der Meinung, dass es hinsichtlich der Strategie Unsicherheiten bei Celesio gibt. Das sieht der gesamte Aufsichtsrat so", sagte der Haniel-Sprecher. Dabei gehe es vor allem um die große Abhängigkeit von staatlich regulierten Arznei- und Gesundheitsmärkten.

Der Celesio-Vorstand um den scheidenden Vorstandschef Fritz Oesterle weist diese Kritik zurück. Die Strategie sei in mehreren Treffen mit dem Aufsichtsrat besprochen worden, zitiert die "FAZ" aus dem Brief.

Spekulationen über Verkauf

Dem Zeitungsbericht zufolge kritisieren die Celesio-Manager außerdem, dass nach Kluges Worten völlig offen bleibe, ob das Unternehmen verkauft werde. Spekulationen über einen Verkauf des Celesio-Aktienpaketes hatten bereits seit Monaten die Runde gemacht.

Die Franz Haniel & Cie. GmbH hält 54,6 Prozent der Anteile, die restlichen 45,4 Prozent sind in Streubesitz.

An diesem Samstag (30. April) will sich die Familie Haniel zu ihrer jährlichen Gesellschafterversammlung in Hamburg treffen. Dabei werde es um die künftige Strategie des Familienkonzerns gehen, sagte der Haniel-Sprecher. In diesem Zusammenhang werde sicherlich auch über Celesio gesprochen.

Celesio baute 2010 Jahresüberschuss aus

Der Streit über die Zukunft der Stuttgarter war nach Informationen aus Branchenkreisen auch der Grund, warum Oesterle sich zurückziehen wird. Der Manager verlässt das Unternehmen Ende Juni. Ein Nachfolger wurde bisher nicht präsentiert.

Für 2010 hatte Oesterle bei seiner letzten Jahrespressekonferenz als Celesio-Chef bessere Zahlen als erwartet vorgelegt.

Das Unternehmen baute den Jahresüberschuss deutlich auf 265 Millionen Euro aus (2009: 6,5 Mio Euro). Der operative Gewinn legte um elf Prozent auf 699,2 Millionen Euro zu. Der Umsatz stieg um 8,3 Prozent auf 23,3 Milliarden Euro.

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