Ärzte Zeitung, 01.05.2011

Rhön strebt weiter mit Macht in den ambulanten Sektor

Die Rhön-Klinikum AG bleibt auf Wachstumskurs, auch im ambulanten Sektor. Das gilt vor allem für Fach-MVZ.

Von Monika Peichl

Rhön strebt weiter mit Macht in den ambulanten Sektor

Will noch weiter in die Fläche: Rhön-Klinikum-CEO Wolfgang Pföhler an einer Karte seiner Klinikstandorte.

© dpa

FRANKFURT/MAIN. Nach einem deutlichen Wachstumsschub im vergangenen Jahr sind die Umsatzerlöse des Klinikkonzerns Rhön-Klinikum AG auch in den ersten drei Monaten 2011 im Vergleich zum Vorjahresquartal gestiegen.

Das Plus betrug 3,7 Prozent auf 647,2 Millionen Euro. Der Konzerngewinn wuchs um 10,8 Prozent auf 38 Millionen Euro. Bei der Zahl der Patientenbehandlungen wurde ein Zuwachs von 13,7 Prozent auf 579.632 Fälle erzielt.

Im Gesamtjahr 2010 betrug das Plus beim Umsatz, wie kurz berichtet, 9,9 Prozent auf 2,55 Milliarden Euro, beim Konzerngewinn 10,2 Prozent auf 145,1 Millionen Euro, bei den Patientenbehandlungen 13,4 Prozent auf erstmals über zwei Millionen Fälle. Als Dividende werden 0,37 Euro (Vorjahr 0,30 Euro) vorgeschlagen.

Für das Gesamtjahr 2011 erwartet der Vorstand einen Umsatz von 2,65 Milliarden Euro und einen Gewinn von 160 Millionen Euro. Rund 70 Prozent des Überschusses fließen für Investitionen ins Unternehmen zurück.

Rhön-Klinikum AG

Branche: Gesundheitsdienstleister

Sitz: Bad Neustadt an der Saale

Aktuelle Geschäftszahlen: 2,55 Mrd. Euro Umsatz (plus 9,9 Prozent), 145,1 Mio. Euro Konzerngewinn (plus 10,2 Prozent).

Mitarbeiter: Ende 2010 38.058 Mitarbeiter (plus 1176)

Wichtigste Produkte: Rhön betreibt als privater Anbieter derzeit 53 Kliniken an 43 Standorten (darunter eine Uniklinik) sowie 35 MVZ.

Regionaler Schwerpunkt der Investitionen war im vergangenen Jahr Hessen, wo an den beiden Standorten des Universitätsklinikums Gießen-Marburg neue Zentralgebäude errichtet wurden.

Wie Vorstandschef Wolfgang Pföhler in Frankfurt sagte, zeigen die Zahlen, dass das Rhön-Geschäftsmodell konjunkturunabhängig sei, wenn auch das GKV-Finanzierungsgesetz durch Preisabschläge der Branche allein dieses Jahr 500 Millionen Euro entziehe und "massiven Kostendruck" erzeuge.

Nach wie vor sei es Ziel der Rhön-Klinikum AG, sich vom klassischen Klinikbetreiber zum integrierten Gesundheitsversorger zu entwickeln. Durch den medizinischen Fortschritt ergäben sich immer mehr Möglichkeiten zur ambulanten Therapie. Besonders die Ophthalmologie wandle sich zum "rein ambulanten Markt".

Zum Jahresbeginn hat die AG eine Mehrheitsbeteilligung an einem augenärztlichen MVZ in Düsseldorf erworben. Das ophthalmologische Fachangebot soll laut Pföhler in diesem Jahr an weiteren Standorten in Nordrhein-Westfalen - Wuppertal, Solingen und Krefeld - sowie an bestehenden Klinikstandorten mit augenärztlichen Abteilungen erweitert werden.

Durch derartige Fach-MVZ könne die Rhön-Klinikum AG eine optimierte ambulante und stationäre Versorgungskette vom Erstkontakt bis zur spezialisierten Diagnostik und Therapie abbilden.

Das Unternehmen werde verstärkt in Fach-MVZ investieren, um Leistungsbereiche abzudecken, die bisher vorwiegend stationär angeboten worden seien. Mit dem Düsseldorfer MVZ-Beteiligungsmodell seien neue Wege beschritten worden: Ärzten werde außer einer Festanstellung an einer Klinik oder einem MVZ nun auch die wirtschaftliche Teilhabe geboten.

Pföhler kritisierte Details des künftigen Versorgungsgesetzes als Rückschritt. Mit der geplanten Einbeziehung der ambulanten Klinikleistungen in die vertragsärztliche Bedarfsplanung würde die Vielfalt der Ideen und Versorgungsformen "erheblich konterkariert".

Der Vorstandschef forderte eine weiter gehende Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante spezialärztliche Versorgung und wandte sich gegen mögliche Einschränkungen bei Gründung und Betrieb von MVZ durch Klinikbetreiber.

Ein weiterer Schwerpunkt der Unternehmensentwicklung sollen Angebote für geriatrische, multimorbide Patienten sein. Eine Plattform für die Entwicklung akutgeriatrischer Konzepte sei die Klinik Hildesheimer Land, die im Mai 2010 erworben wurde.

[02.05.2011, 09:08:26]
Dr. Volker Neuhaus 
Dividende aus Krankenkassenbeiträgen
Bei allem Verständnis für die sog. "Freie Marktwirtschaft", und alles was damit zusammenhängt, finde ich es nach wie vor reichlich befremdlich, dass von den Krankenkassenbeiträgen gut 51 Mio. € (138 Mio. Aktien und 0,37 € Dividende) in die Taschen der Aktionäre fließen, auf der anderen Seite aber für jede Maßnahme z. B. bei den chronisch Kranken gerungen werden muss, denn es ist ja kein Geld in den Kassen.
Und dies ist nur Rhön - Asklepios, Helios, Schön und wie sie alle heißen, füttern ihre Eigner ja auch noch. zum Beitrag »
[02.05.2011, 09:01:39]
Helmut Karsch 
Koch und Kellner
Return of Investment oder wie Aktiengesellschaften die Medizin verstehen.
Die Rhöngruppe als Profiteur öffentlicher Verschuldung folgt wie das Blut dem Skalpell .
Wer die schnelle Rendite bremst kann gehen. Hauptsache die Kosten sinken und der Aktionär ist zufrieden. Dies ist kein üblicher Marktteilnehmer am "Gesundheitsmarkt" sondern ein „Interessenvertreter der besonderen Wesensart“. Dabei macht dieses Unternehmen auch nicht Halt vor tradierten Strukturen, die über Jahrzehnte existierten. Mit der Drehgeschwindigkeit eines Karussells entledigt dies Unternehmen alter Strukturen, denn auch hier gilt das Darwinistische Prinzip: „Vogel friss oder stirb.“
„Die neuen angepassten Chefärzte“ werden mit umfangreichen Papieren und Arbeitsblättern dazu aufgefordert, sich um die betriebswirtschaftliche Stoßrichtung des Klinikums Gedanken zu machen. Ausdrücklicher Bestandteil der Analyse soll die Bewertung der Konkurrenz sein, der Marktanteile abzunehmen sind. Die Niedergelassenen kommen letztlich an zwei Stellen vor, nicht nur als Konkurrenz, der Marktanteile abzunehmen sind, sondern auch als Zuweiser, deren Perspektive mitbedacht werden soll. Der Erfolg der Ziele der Rhön-AG beruht darauf, dass sie selbst eine straff betriebswirtschaftlich-gewinnorientierte Strategie entwickelt, während auf der anderen Seite eine Gruppe von Niedergelassenen steht, denen die Konzernstrategien und politischen Veränderungen im Gesundheitssystem unklar sind und die demzufolge weder eine eigene noch eine gemeinsame Abwehrstrategie entwickeln können.
Perspektivisch steht auch das Gesundheitssystem mit dem Gesicht an der Wand. Das gilt auch für die Patienten die sich in einem solchen Renditescanner behandeln lassen. Wer solche Unternehmen in seinem „ wirtschaftlichen Strukturportfolio“ hat , der kann sich glücklich schätzen. Er spart sich nämlich die Abrissbirne seiner städtischen Versorgungsstrukturen, denn das besorgen diese Markteilnehmer vorzüglich und nachhaltig. Wer die Frage hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit zwischen den "Privaten und öffentlichen Häusern" unter dem Eindruck von Hochglanzprospekten, Krankenhaus-Hitlisten und öffentlicher "Berichterstattung" mit "Ja" beantwortet und sich als Mitarbeiter oder Befürworter öffentlicher oder frei-gemeinnütziger Krankenhäuser am liebsten vor einer Antwort gedrückt hätte, kann sich hiermit wundern und den Kopf wieder etwas höher tragen.
Eine Analyse der Ökonomen Tiemann und Schreyögg von der "Munich School of Management" hat sich nämlich diese Frage auch gestellt und für die Antwort die umfangreichen betriebswirtschaftlichen Daten zur Arbeit der unterschiedlichen Eigentums- oder Trägertypen von Krankenhäuser gründlich analysiert. Die Forscher verglichen dabei insbesondere die Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit von Krankenhäusern in öffentlichem Eigentum mit der von gewinnorientierten wie nicht gewinnorientierten Kliniken in privatem Besitz.

Anders als einer Reihe früherer Studien ging in ihre Berechnung nicht nur die Anzahl der behandelten Fälle und Finanzdaten bis hin zum Gewinn ein, sondern auch Daten über die Qualität der Versorgung und die Heterogenität der in den unterschiedlichen Krankenhausarten behandelten PatientInnen.

In einem ersten Schritt bewerteten sie für die Jahre 2002 bis 2006 mit einer so genannten "data envelopment analysis (DEA)" die Leistungsfähigkeit von 1.046, d.h. knapp der Hälfte der noch betriebenen Krankenhäuser in öffentlichem und privaten Besitz. Letztere wurden nochmals nach "for-profit" oder "non-profit"-Krankenhäuser unterschieden.
In einem zweiten Analyseschritt verfeinerten sie die Effizienzanalyse durch eine multivariate lineare Regressionsanalyse, in deren Modell auch organisatoriche Merkmale, Umweltcharakteristika und vor allem die Verschiedenheit des "Patientenguts" eingingen.

Die zum Teil unerwarteten Ergebnissen fassten die Forscher so zusammen:

• "Our findings show that public ownership was associated with significantly higher efficiency than other forms of ownership; private for-profit ownership, in particular, was associated with lower efficiency."
• An diesen Schlüsselergebnissen veränderte sich auch nach einer Reihe von Sensitivitätsüberprüfungen nichts.
• Was private Krankenhäuser besser hinbekommen als öffentlich getragene und was diese stattdessen in den Vordergrund ihres Handelns rückten, bringen die Autoren auf folgenden Nenner: "Our results suggest that private for-profit hospitals place greater emphasis on earning profits (i.e. higher revenues per case due to higher prices), whereas public hospitals, because of resource constraints, focus primarily on input efficiency."
• Ein weiteres wichtiges Ergebnis war die positive Assoziation zwischen der Krankenhausgröße und der Leistungsfähigkeit. Private gewinnorientierte Krankenhäuser waren dabei unter den Kliniken mit mehr als 1.000 Betten wirtschaftlicher als alle anderen Krankenhaustypen.
• Private, gewinnorientierte Krankenhäuser, die bekanntermaßen vorrangig kleinere bis mittlere Krankenhäuser kaufen und dort ausgewählte Leistungen anbieten, wären daher "well advised, to change their acquisition strategy in terms of choice of hospital size and location."
• Dort wo ein strammer regionaler Wettbewerb zwischen Krankenhäusern existiert, waren die privaten gewinnorientierten Krankenhäuser allerdings unwirtschaftlicher als ihre Konkurrenten mit anderer Trägerschaft.
• Anders als dies von denjenigen, die Wettbewerb zum ordnungspolitischen Zweck oder Allheilmittel erklären, suggeriert wird, hat der Wettbewerbsdruck nach der Analyse der beiden Ökonomen einen "significant negative impact on hospital efficiency."
• Abschließend stellen sie daher fest: "The ongoing trend towards privatization in Germany may not be an appropriate way to ensure the best use of the scarce resources in the hospital sector, because public hospitals use relatively fewer resources than private for-profit hospitals."
Angesichts der ungehinderten weiteren Privatisierung von Krankenhäusern darf man in jedem Fall auf die Ergebnisse der von den beiden Betriebswirten zusätzlich für notwendig gehaltenen Längsschnittanalyse der Wirtschaftlichkeit der verschiedenen Krankenhaustypen gespannt sein.

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