Ärzte Zeitung online, 29.04.2011

EU-Kommission wirft Cephalon und Teva unfaire Praktiken vor

BRÜSSEL (dpa). Die EU-Kommission wirft den beiden Pharmakonzernen Cephalon und Teva unfaire Geschäftspraktiken vor. Die europäischen Wettbewerbshüter hätten deshalb ein Kartellverfahren gegen die Unternehmen eingeleitet, teilte die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel mit.

Das heißt allerdings nicht, dass die Kommission schon Beweise für ein verbotenes Verhalten der Unternehmen hat. Die Experten wollen nun herausfinden, ob eine Vereinbarung zwischen dem US-Konzern Cephalon und dem israelischen Generikahersteller Teva die Markteinführung eines Generikums für den Wirkstoff Modafinil in Europa verhindert hat. Modafinil kann bei exzessiver Schläfrigkeit, die mit Narkolepsie einhergeht, verordnet werden.

Sollten sich die Vorwürfe erhärten, müssen die Konzerne mit hohen Geldbußen rechnen. Die Einleitung eines Verfahrens bedeutet nicht, dass die Kommission schon Beweise für verbotenes Verhalten hat. Eine Frist für das Verfahren gibt es nicht. Absprachen über Preise oder die Aufteilung von Märkten zum Schaden von Konkurrenten und Verbrauchern sind in der EU verboten.

Der Hersteller des Originalpräparats, Cephalon, habe mit Teva - dem Produzenten eines Generikums - über das Patent für das Mittel mit dem US-Markennamen Provigil® (in Deutschland: Vigil®) gestritten. 2005 hätten die Unternehmen ihre Streitigkeiten in Großbritannien und den USA beigelegt. Dabei habe Teva sich vertraglich verpflichtet, seine Modafinil-Generika nicht vor Oktober 2012 auf den europäischen Markt zu bringen.

Solch eine Patent-Vergleichs-Vereinbarung, die die Markteinführung der Generika verzögert (in der Branche auch "Pay for Delay" genannt), sei von "erheblichem Nachteil für die Verbraucher", schreibt die EU-Behörde. Auch die oberste US-Kartellbehörde untersuche den Fall.

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