Ärzte Zeitung, 05.05.2011

In der Pflege mangelt es an Qualitätsmanagement

Die Qualität der Leistungen von Kliniken, Reha- und Pflegeeinrichtungen lässt sich deutlich verbessern. Und das ohne hohe Kosten, wie eine aktuelle Studie zeigt.

In der Pflege mangelt es an Qualitätsmanagement

Ein Viertel der deutschen Pflegeheime verfügt über kein eigenes Qualitätsmanagement.

© dpa

FRANKFURT (ava). Das Gesundheitswesen kann die Qualität seiner Leistungen deutlich verbessern. Das geht aus der Studie Excellence Barometer der Deutschen Gesellschaft für Qualität e.V. (DGQ) hervor, die am Mittwoch vorgestellt wurde. Die Defizite sind nicht in der fachlichen Qualifikation des medizinischen Personals von Krankenhäusern, Reha- und Pflegeeinrichtungen zu finden, sondern vor allem in Fragen der Führung, der Kommunikation und der Motivation, so ein Ergebnis der Studie. Befragt hatte die forum! Marktforschung im Auftrag der DGQ Entscheider aus 300 deutschen Krankenhäusern, Reha- und Pflegeeinrichtungen.

Als größtes Managementdefizit in Gesundheitseinrichtungen nennen die Befragten einen Mangel an Führungskompetenz und sozialen Skills. 44 Prozent bewerten die Führungsqualitäten in ihrer Einrichtung als durchschnittlich. Betriebe in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft und kleinere Rehaeinrichtungen mit weniger als 99 Betten schneiden etwas schlechter ab.

Auch Mitarbeiterorientierung und -zufriedenheit in der eigenen Organisation sind nur Mittelmaß, sagen 40 Prozent der Gesundheitsmanager. Dies trifft vor allem für öffentlich-rechtliche Trägerschaften und größere Einrichtungen ab 200 Betten zu.

"Gute Führung beeinflusst die Mitarbeiterzufriedenheit und -motivation unmittelbar und wirkt sich positiv auf die Servicequalität und die Zufriedenheit der Patienten aus", so DGQ-Geschäftsführer Dr. Wolfgang Kaerkes. "Gesundheitseinrichtungen, die ihr Qualitätsmanagement umfassender aufstellen und einen Fokus auf die Verbesserung von Führungsqualitäten und Soft Skills legen - zum Beispiel durch die Optimierung von internen Kommunikationsabläufen oder Weiterbildungsangeboten - können sich mit vergleichsweise geringen Investments entscheidende Wettbewerbsvorteile verschaffen." 82 Prozent der Führungskräfte in deutschen Gesundheitseinrichtungen sind überzeugt: Qualitätsmanagement leistet einen entscheidenden Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg von Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Rehaeinrichtungen. 40 Prozent der befragten Manager bezeichnen die Qualität der Dienstleistungen am Patienten sogar als größten Erfolgsfaktor für ihren Betrieb.

Entsprechend verfügen 91 Prozent der Krankenhäuser und 83 Prozent der Rehaeinrichtungen über eigene Qualitätsmanagement-Abteilungen. Überraschend: Obwohl 86 Prozent der Manager aus Pflegeeinrichtungen Qualitätsmanagement als wichtig für den Erfolg ihrer Einrichtung ansehen, verfügt ein Viertel der deutschen Pflegeheime über kein eigenes Qualitätsmanagement. 55 Prozent der Einrichtungen besitzen keine volle QM-Stelle. Damit weist genau dieser Arm des Gesundheitswesens nach Ansicht der Studie einen enorm hohen Optimierungsbedarf auf.

Neben Qualitätsmanagement und Dienstleistungsqualität gelten Personalpolitik und Mitarbeiterbindung (21 Prozent), die fachliche Kompetenz der Mitarbeiter (18 Prozent) sowie Kundenorientierung und -zufriedenheit (18 Prozent) als wesentliche Erfolgsfaktoren für Gesundheitseinrichtungen.

Eine Zusammenfassung der Studienergebnisse gibt es auf www.dgq.de.

[09.05.2011, 15:21:57]
Rüdiger Saßmannshausen 
Der Fisch stinkt vom Kopfe her
Nun ist es zum x-ten Mal belegt: In den Führungsriegen muss sich etwas ändern! Bisher fand Qualitätsmanagement doch nur bei den Ruderern und nicht bei den Kapitänen statt. Die Ruderer wurden durch überbordende Dokumentationspflichten u.ä. in ihrer eigentlichen Arbeit behindert und demotiviert, die Kapitäne verlegten sich nur aufs Kontrollieren, schoben dazu noch ihre ursprünglich eigene Verantwortung den Ruderern in die Schuhe. Gleichzeitig wurden Kosten minimiert durch "Abbau", sprich Vergraulen qualifizierter und engagierter Ruderer und Einstellung kostengünstigerer, sprich billiger, weil nicht entsprechend ausgebildeter (Hilfs-)Kräfte. Diese Rechnung kann nicht aufgehen.
Wie lange werden wir noch auf die notwendigen Veränderungen bei den Kapitänen warten müssen? zum Beitrag »

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