Ärzte Zeitung online, 12.05.2011

"Neue Ära im Hause Stada"

AACHEN/BAD VILBEL (cw). Der Generika- und OTC-Hersteller Stada AG wird das Osteuropa-Geschäft des Schmerzmittel-Spezialisten Grünenthal übernehmen. Eine verbindliche Absichtserklärung haben beide Unternehmen am Donnerstag unterzeichnet.

Die Details des Deals, den sich Stada 360 Millionen Euro in bar kosten lässt, werden in den kommenden Wochen verhandelt. Bis spätestens Ende September soll der Vertrag endgültig unter Dach und Fach sein.

Grünenthal hatte Mitte April angekündigt, im Zuge der Konzentration auf innovative Narkotika einen Partner für seine Geschäfte in Mittel- und Osteuropa sowie einigen Märkten des Nahen Ostens zu suchen; Schwerpunkte nach Umsatz liegen in Polen und Russland.

Stada erhält nun ein Portfolio überwiegend verschreibungspflichtiger Schmerzmittel, sechs Marken von Grünenthal und acht einlizenzierte. Für letztere - beispielsweise Hyaluronsäure (Suplasyn®), Glucosamin (Flexove™) oder ein Diclofenac-Pflaster - hätten die Lizenzgeber schon Zustimmung zur Übertragung der Rechte signalisiert, versichert Stada-Chef Hartmut Retzlaff.

Zu den Grünenthal-Marken, die Stada für Osteuropa erwirbt, gehören so bekannte Namen wie Tramal® (Tramadol), Zaldiar® (Tramadol + Paracetamol) Transtec® (Buprenorphin) oder Versatis® (Lidocain).

Ein besonderes Highlight jedoch stellen für Retzlaff die Vermarktungsrechte an Grünenthals neuem Schmerzmittel Tapentadol (Palexia®) dar. Erstmals erhalte Stada damit Zugang zu einer Innovation mit derart langer Patentlaufzeit.

Die Monopolstellung in Osteuropa, wo die ersten Einführungen in den kommenden zwei Jahren anstehen, endet erst 2020. Zugang zu margenstabilen Rezeptprodukten eröffneten freilich auch die anderen Präparate, obwohl deren Patente schon abgelaufen seien.

So habe etwa Tramal® trotz anhaltender Generikakonkurrenz die Position als eines der umsatzstärksten Schmerzmittel im markenaffinen Russland bisher halten können.

Außer Produktrechten erwirbt Stada auch Vertriebsstrukturen, jedoch keine Werke. Grünenthal werde die Herstellung der Produkte zunächst weiterführen, heißt es.

Den Jahresumsatz des akquirierten Grünenthal-Portfolios beziffert Stada-Chef Retzlaff für 2011 auf voraussichtlich 69 Millionen Euro, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) auf knapp 26 Millionen Euro.

In beiden Werten seien Umsätze und Erträge von Palexia® aber noch nicht enthalten. Die könnten sich im Vertragsgebiet pro anno auf 20 bis 25 Millionen Euro addieren.

Finanzieren will Stada die Transaktion aus vorhandenen Barmitteln und Kreditlinien. Eine Kapitalerhöhung sei nicht geplant. Das gelte auch für den Fall, dass zwei weitere Zukäufe, die Stada derzeit im Blick hat, zustande kommen sollten.

Mit der Übernahme des Grünenthal-Portfolios sei "eine neue Ära im Hause Stada angebrochen", so Retzlaff. Man habe nun die Chance, ein verschreibungspflichtiges Markengeschäft aufzubauen. Dieses Vorhaben sei langfristig nicht auf Osteuropa beschränkt.

Einen weiteren Pluspunkt der Akquisition sieht der Stada-Chef in Synergien zu bestehenden Aktivitäten in der Region. Der Osten ist seit geraumer Zeit Ziel der Stada-Expansion.

2005 wurde der russische Arzneimittelhersteller Nizpharm erworben, 2006 folgte die serbische Hemofarm und 2007 - erneut in Russland - die Makiz-Gruppe. 2010 erwirtschaftete Stada bereits 14 Prozent seiner 1,6 Milliarden Euro Konzernumsatz in Osteuropa.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Luftschadstoffe beeinträchtigen viele Organsysteme

Die Lunge gilt zwar als Eintrittspforte für Schadstoffe aus der Luft, kurz- und langfristige Gesundheitsschäden scheinen jedoch vor allem im Herzkreislaufsystem aufzutreten. mehr »

Kompromiss im Tauschhandel?

18:31 Kaum verkündet, war der Kompromiss zur Pflegeausbildung auch schon wieder vom Tisch. Doch jetzt soll der Koalitionsausschuss eine Einigung bringen. Offenbar bahnt sich ein Handel zwischen CDU und SPD an. mehr »

Für die Union ist Substitution von Ärzten kein Tabu

Nichtärztliche Gesundheitsberufe sollen stärker in die Versorgung eingebunden werden, fordert die Union. Ärztepräsident Montgomery benennt die Fallstricke für solche Pläne. mehr »