Ärzte Zeitung online, 01.08.2011

Freistaat Bayern fördert Biotech

MÜNCHEN (sto). Um biotechnologischen Forschungsprojekten mit dem Schwerpunkt personalisierte Medizin den Weg in eine spätere Unternehmensgründung zu ebnen, stellt das Bayerische Wirtschaftsministerium in den kommenden fünf Jahren insgesamt 8,5 Millionen Euro an Fördermittel bereit.

Fünf Wissenschaftler-Teams aus Bayern haben jetzt als die ersten Gewinner des m4 Awards, der vom Münchner Biotech Cluster m4 und dem netzwerk nordbayern ausgeschrieben wurde, entsprechende Mittel bekommen.

Mit der Förderung über zwei Jahre in Höhe von jeweils durchschnittlich 500.000 Euro sowie einer professionellen Betreuung sollen die Gruppen in die Lage versetzt werden, ihre Ideen soweit voranzutreiben, dass sie die Grundlage für eine Unternehmensgründung bilden.

Weil das Finanzierungsumfeld für junge Start-up-Unternehmen derzeit sehr schwierig ist, setze Bayern nun staatliche Mittel für die Frühphasenförderung ein, erklärte Dr. Roland Mertz vom Bayerischen Wirtschaftsministerium bei der Preisverleihung in München. Damit wolle der Freistaat den Übergang von akademischer Forschung in marktreife Produkte unterstützen.

Zusätzlich erhalten die Preisträger Fördermittel aus der Spitzencluster-Förderung des Bundesforschungsministeriums. Bis 2015 sollen etwa 35 Projekte mit über 100 Partnern unterstützt werden, um so die personalisierte Medizin in der Region München zu etablieren.

Die personalisierte Medizin nutzt Erkenntnisse über genetische Ursachen und molekulare Signalwege von Krankheiten, um auf bestimmte Patientengruppen zugeschnittene Medikamente und Therapien zu entwickeln. Dabei spielt auch die Diagnostik eine entscheidende Rolle.

So nutzen die Teams um die Preisträger Dr. Felix Hausch vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie und um Professor Oliver Ritter vom Universitätsklinikum Würzburg neue Zielmoleküle, um Therapien gegen Depression sowie gegen Herzinsuffizienz zu entwickeln.

Zwei weitere Gewinnergruppen entwickeln innovative Krebstherapien, die die körpereigene Abwehr des Patienten aktivieren: Professor Karl-Peter Hopfner vom Genzentrum der Universität München entwickelt personalisierbare, dreiarmige Antikörper gegen spezielle Formen der Leukämie und Professor Dolores Schendel vom Helmholtz Zentrum München etabliert eine zelltherapeutische, individualisierte Impfung gegen Prostatakrebs.

Ein weiteres Projekt vom Helmholtz Zentrum München will neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson bekämpfen: Dazu hat das Team um Dr. Joel Schick ein neuartiges Verfahren etabliert, mit dem sich in Zellkultur die Wirksamkeit von neuen Substanzen besser testen lässt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »