Ärzte Zeitung online, 27.07.2011

Allianz für die Wirkstoffforschung

BERLIN (maw). Das Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und neun weitere Partner wollen im Verbund "Helmholtz-Wirkstoffforschung" nach eigenen Angaben den Wissenstransfer in der Wirkstoffforschung fördern und gegenseitig von den jeweiligen Kompetenzfeldern profitieren.

Beteiligt sind sechs weitere Helmholtz-Institute sowie drei externe Partner. Die Helmholtz Gemeinschaft fördert das Vorhaben jährlich mit bis zu 3,5 Millionen Euro.

"Um neue Behandlungsmöglichkeiten für Patienten erarbeiten zu können, müssen chemische und klinische Fragestellungen schon sehr früh in die biologische Grundlagenforschung einbezogen werden", sagt Dr. Ronald Frank, koordinierender Sprecher des Verbundes "Helmholtz-Wirkstoffforschung".

"Die zukünftige enge Zusammenarbeit aller Partner und die Vernetzung ihrer Kompetenzen soll zu einer qualitativen und quantitativen Optimierung der Wirkstoffforschung im Verbund führen. Dadurch kann eine größere Zahl an hochwertigen Wirkstoffkandidaten in die weitere pharmazeutische Entwicklung überführt werden", gibt sich Frank optimistisch.

"Moderne Wirkstoffforschung muss effizienter gestaltet werden und neue Wege gehen. Sie ist umso erfolgreicher, je mehr Wissen vernetzt und genutzt werden kann", ergänzt Professor Hartmut Oschkinat, kommissarischer Direktor am FMP.

"Zentrale Tätigkeitsfelder des FMP bestehen in der Identifizierung neuer Zielsysteme für Wirkstoffe in den Zellen des menschlichen Organismus sowie in der Entwicklung neuer chemischer Leitstrukturen, die dann langfristig Grundlage von neuen Therapieansätzen werden sollen", erläutert Oschkinat.

Das FMP ist nach eigener Darstellung Deutschlands einziges außeruniversitäres Forschungsinstitut auf dem Gebiet der molekularen Pharmakologie. Mit EU-Fördermitteln im Rücken koordiniere das Institut die Planung von EU-OPENSCREEN mit dem Ziel, akademische Wirkstoffsuchen europaweit effektiv zu nutzen.

Das automatisierte Substanzlager des FMP mit einem professionellen Substanzmanagement enthalte auch die zentrale Substanzsammlung des ChemBioNet, einem Deutschen Netzwerk von Chemikern und Biologen, das die akademische Nutzung chemischer Substanzen zur Erforschung biologischer Prozesse unterstützt.

Zwischen dem FMP und dem Max-Delbrück-Centrum (MDC) der Helmholtz-Gemeinschaft bestehe schon seit langem eine enge Partnerschaft auf diesem Forschungsgebiet. Mit dem neuen Verbund werde eine gemeinsame Strategie verfolgt, in der die Substanzbibliotheken der Partner sowie deren biologisch-medizinische Kernkompetenzen in der Entwicklung von relevanten Testverfahren effektiv zusammengeführt würden.

"Das gewonnene Wissen des Verbundes wird in einer Datenbank allen Partnern zugänglich gemacht, wodurch Zusammenhänge und Wirkmechanismen schneller aufgeklärt und mögliche Neben- oder synergetische Wirkungen frühzeitig erkannt werden" verdeutlicht Ronald Kühne, Cheminfomatiker und Moleküldesigner am FMP.

An dem Verbund als Helmholtz-Institute beteiligt sind das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) mit Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS), das Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (HMGU), das Max-Delbrück-Zentrum für Molekulare Medizin (MDC) sowie das Forschungszentrum Jülich (FZJ).

Als externe Verbundpartner treten das European Molecular Biology Laboratory (EMBL), das Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) sowie das Department Chemie der Technischen Universität München (TUM) auf.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Epidemiologische Kaffeesatzleserei?

Verursacht oder verhindert der Konsum von Kaffee Krankheiten? Die Klärung solcher Fragen zur Ernährung ist methodisch ein richtiges Problem. mehr »

Trotz Budgetierung gute Chancen auf Mehrumsatz

Seit vier Jahren steht das hausärztliche Gespräch als eigene Leistung im EBM (03230) . Immer wieder ist daran herumgeschraubt worden. mehr »

Erstmals bekommt ein Kind zwei Hände verpflanzt

Ein achtjähriger Junge mit einer tragischen Krankheitsgeschichte bekommt zwei neue Hände. Die Op ist ein voller Erfolg: Anderthalb Jahre später kann er schreiben, essen und sich selbstständig anziehen. mehr »