Ärzte Zeitung online, 16.09.2011

Bahr: PKV muss sich verändern

KÖLN (iss). Wenn es um ihr Überleben im Markt geht, dürfen sich die privaten Krankenversicherer (PKV) nicht nur auf die Unterstützung durch die Politik verlassen. Das hat Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr auf dem PKV-Forum des Versicherers Continentale in Köln deutlich gemacht. "Sie müssen Ihren Beitrag leisten, dass die PKV zukunftsfähig bleibt", schrieb er der Branche ins Stammbuch.

Bahr: Private Krankenversicherer müssen sich verändern

Gesundheitsminister Daniel Bahr nimmt die PKV in die Pflicht.

© Maurizio Gambarini / dpa

Bahr forderte die PKV auf, endlich das Problem der steigenden Beiträge für ältere Versicherte in den Griff zu bekommen. Die Politik werde mit diesem Thema häufig konfrontiert.

Immer wieder würden ältere Privatversicherte fragen, ob sie nicht wieder in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln könnten, sagte er. "Das sind keine Einzelfälle."

"Brauchen Vielfalt im Gesundheitswesen"

Er halte die PKV als zweite Säule neben der GKV für wichtig, betonte der FDP-Politiker. "Wir brauchen Vielfalt im Gesundheitswesen."

Die Branche müsse aber auch bereit sein zu Veränderungen. "Es kann in der PKV nicht alles so bleiben, wie es ist."

Bahr sieht staatliche Regulierung kritisch

Die von den Versicherern im Bedarfsfall immer wieder geforderte Regulierung durch den Staat sieht Bahr kritisch. Wenn es etwa um Einsparungen im Arzneimittelbereich gehe, sei es Aufgabe der Unternehmen, über ihre Tarife die richtigen Anreize zu setzen.

"Sie wollen doch ein privates Unternehmen bleiben, oder?" fragte er den Vorstandsvorsitzenden der Continentale Rolf Bauer.

Dieser gab dem Minister zumindest teilweise recht. "Die PKV sollte ihre Instrumente einsetzen und nicht immer nach dem Gesetzgeber rufen, um noch näher an die GKV heran zu rücken", sagte Bauer.

Verhältnis zu gesetzlichen Krankenkassen überdenken

Seiner Einschätzung nach müssen die Privatversicherer ihr Verhältnis zu den gesetzlichen Krankenkassen grundsätzlich überdenken. Es sollte nicht länger um die Frage gehen, welches System dem anderen überlegen ist, meint er.

"Vielmehr sind wir aufgefordert, die Dualität von GKV und PKV in ihrer klaren Unterscheidung voneinander aufrechtzuerhalten und zu fördern - im Sinne einer starken GKV wie auch einer starken PKV." Das Gesundheitssystem brauche beide, betonte Bauer.

PKV muss transparenter werden

Die PKV müsse transparenter werden und ihre Andersartigkeit deutlicher zum Ausdruck bringen, forderte er. Wir müssen zeigen, dass wir ein anderes System haben, das vielleicht auch teurer ist."

Das oft schlechte Image der Branche beruhe häufig auf Unwissenheit und Missverständnissen. Allerdings sei ein Teil der Probleme von der PKV hausgemacht. Als Beispiel nannte Bauer die provisionsgetriebenen Umdeckungen von Versicherungsverträgen.

[16.09.2011, 20:45:39]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Wandel durch Annäherung?
Beim PKV-Forum des Versicherers Continentale in Köln wird deutlich: Die "Conti" muss nicht nur wie die Central-Krankenversicherung die Bürgerversicherung fürchten (die ÄZ berichtete darüber) sondern auch den Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr und seine FDP!

Die Politik bekommt allzu deutlich mit, dass privat Vollversicherte, egal ob Single, Alleinerziehende, berufstätige Ehepaare, Alleinverdiener oder Familienernährer im Alter unlösbare Probleme haben. Vor 20, 30 oder mehr als 40 Jahren haben die Verträge mit "Versicherungen" abgeschlossen, bei denen eigentlich das individuelle Krankheitsrisiko auf das unternehmerische Risiko eines Versicherungsunternehmens übergehen sollte. Aber jährliche, manchmal 2-stellige Prämienanhebungen, 'vergessene' Altersrückstellungen, 'fehl kalkulierte' Sterbetafeln, demografisch nicht erfasste Krankheitsrisiken, medizinischer Fortschritt, Innovation und Anspruchshaltung können in ihren Folgen gar nicht abgeschätzt werden.

Die PKV präpariert ihre Bilanzen, marschiert zum Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen und lässt sich Prämienanhebungen genehmigen. Und mancher im Alter privat Versicherter o h n e Beihilfeberechtigung weiß nicht mehr, wie lange er sich exorbitante Prämien noch wird leisten können. D a v o r hat die PKV Sorge, vor massenweise früher gutsituierten Aussteigern. Private Krankenversicherungen sind als kapitalgestützte Umlagekassen mit volatilen, nach oben offenen Prämien keine Garanten mehr. Ihr unternehmerisches Risiko zielt auf die staatliche Genehmigung regelmäßiger Erhöhung der Versicherungsbeiträge ab. Wo sind die innovativen, zukunftsweisenden Konzepte?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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