Ärzte Zeitung, 02.10.2011

Beim Dax zeigen die Pfeile mittelfristig nach unten

Viele Anleger sind durch den Crash am Aktienmarkt stark verunsichert. Die technische Analyse kann helfen: Sie gibt abseits der Meinungen Auskunft über die Perspektiven der Börsen.

Von Jürgen Lutz

Beim Dax zeigen die Pfeile mittelfristig nach unten

Der Dax fällt. Technisch analysiert ist ein Ende des Trends nicht in Sicht.

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Eines vorneweg: Ärzte, die mit einer Perspektive von 10, 15 oder 20 Jahren an den Aktienmärkten anlegen, müssen sich um den aktuellen Einbruch keine allzu großen Sorgen machen. Vielmehr können bei einem solchen zeitlichen Horizont antizyklische Käufe sinnvoll sein.

Voraussetzung ist jedoch, dass der Investor die Nerven hat, bei diesem "Griff ins fallende Messer" eventuelle weitere Kursrückgänge um 20 bis 30 Prozent zu verkraften.

Technische Analyse: Orientierung statt Meinung

Anders sieht es für Anleger aus, die in den nächsten Jahren an ihr Geld wollen oder bei Investitionen generell einen aktiveren Handelsstil pflegen. Für sie kommt es darauf an, nicht die besten, aber doch gute und vernünftige Einstiegs- und Ausstiegspunkte zu finden.

Dabei kann ihnen die technische Analyse helfen. Zu beachten ist, dass damit nicht nur kurzfristige Bewegungen, sondern auch langfristige Trends untersucht werden können.

Der Blick auf die Aktienmärkte allein ergäbe jedoch ein unvollständiges Bild darüber, wie die Akteure an den Finanzmärkten die wirtschaftliche Entwicklung einschätzen. Gemäß dem Bonmot, dass das Kapital sich verhält wie ein scheues Reh, sollten daher auch die anderen Märkte, in die das Geld flüchten kann, in den Blick geraten.

Dazu gehören außer Aktien unter anderen auch Gold und Staatsanleihen (siehe Kasten unten).

Aktienmärkte (Dax): Der August-Crash im Dax ist nur mit der Schlussphase des Ausverkaufs 2008/2009 zu vergleichen. Denn durch den Fall von gut 7000 auf zeitweilig 5000 Punkte gab der Index in wenigen Wochen nicht nur knapp 30 Prozent ab. Wer mit der Brille der technischen Analyse auf die Kursentwicklung schaut, muss auch konstatieren: Es wurde extrem viel Porzellan zerschlagen.

  • Erstens: Durch den Fall unter die 7000-Punkte-Marke wurde der Aufwärtstrend, der im März 2009 begann, definitiv beendet.
  • Zweitens: Durch den Bruch auch der Marke von 6500 Zählern (Fukushima-Tief im Frühjahr 2011) bestand nicht ansatzweise die Chance, dass sich die Kurse stabilisieren. Vielmehr krachte der Index regelrecht auf 5000 Punkte hinunter.
  • Drittens: Der mittelfristige Durchschnittskurs der vergangenen 50 Tage hat den langfristigen Durchschnittskurs der vergangenen 200 Tage Mitte August von oben nach unten durchschnitten - ein Signal, das als "Todeskreuz" bezeichnet wird, da damit weiter fallende Kurse wahrscheinlicher werden, wozu es ja auch kam.
  • Viertens: Der steile Winkel, mit dem die 50-Tage-Linie fällt, zeigt an, dass der Verkaufsdruck immer noch enorm ist.

Fazit: Die technische Analyse der längerfristigen Kursentwicklung im Dax lässt die Wahrscheinlichkeit dauerhaft steigender Aktienkurse gering erscheinen. Mittelfristig dürfte es eher abwärtsgehen.

Das heißt nicht, dass der Dax in den nächsten Wochen und Monaten nicht 500 oder 1000 Punkte steigen könnte. Genau genommen kann er bis zu 6500 Zähler erreichen, ohne dass dadurch der Abwärtstrend beendet würde. Wer es verpasst hat, seine Aktien bei rund 7000 Zählern zu verkaufen, kann überlegen, dies zu tun, wenn der Dax die Zone zwischen 6000 und 6500 Punkten erreicht.

Erwartete Korrektur bei Gold trat ein

Allerdings gibt es keine Garantie, dass der Index diese Zone tatsächlich ansteuert. Da Trends die Tendenz haben sich fortzusetzen, ist auch ein weiterer Einbruch keinesfalls auszuschließen. Sollte der Dax weiter fallen, dürften die ersten Großinvestoren den Ausverkauf jedoch auf der Höhe des flachen Aufwärtstrends stoppen, der die Tiefpunkte von 2003 und 2009 verbindet.

Diese Linie verläuft aktuell etwa bei 4200 Punkten. Auch langfristig agierende Privatanleger könnten auf dem genannten Niveau Aktien sehr günstig und mit recht geringem Risiko einsammeln.

Gold: Das Edelmetall ist trotz der jüngsten Korrektur von 1900 auf 1600 Dollar noch immer klar in einem langfristigen Aufwärtstrend. Gold hat, in US-Dollar gemessen, die entsprechende Aufwärtstrendlinie in der vergangenen Woche berührt, woraufhin erneut Kaufinteresse wach wurde.

Für interessierte Privatanleger dürften sich daher in naher Zukunft zwischen 1500 und 1600 US-Dollar gute Kaufmöglichkeiten ergeben.

Staatsanleihen

Von dem Desaster an den Aktienmärkten haben die Staatsanleihen jener Länder profitiert, die als sicher gelten. Vor allem die Kurse deutscher und US-amerikanischer Anleihen schossen in die Höhe, was die Renditen nach unten trieb.

So rentierte die zehnjährige deutsche Bundesanleihe zeitweise bei nur 1,8 Prozent. Der Wunsch nach Sicherheit geht bei Anlegern so weit, dass sie hinnehmen, dass sie nach Inflation und Steuern sogar reale Kaufkraft verlieren.

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