Ärzte Zeitung, 07.10.2011

Abbott feiert 125 Jahre Pharmastandort Ludwigshafen

Zehn Jahre nach der Übernahme von Knoll durch Abbott ist das Ludwigshafener Werk einer der größten Produktions- und Forschungsstandorte des US-Unternehmens.

Von Christoph Winnat

LUDWIGSHAFEN. Seit 125 Jahren, seit Unternehmensgründung durch den Chemiker Albert Knoll, werden in Ludwigshafen an ein und demselben Standort Arzneimittel produziert.

Begonnen hatte es mit einem Verfahren zur Codein-Synthese, das sich Knoll 1886 patentieren ließ. Noch im gleichen Jahr erfolgte die Grundsteinlegung für die "Chemische Fabrik Knoll & Compagnie". Produkt- und Verfahrensinnovationen prägten die Folgezeit.

Knolls Abfülltechniken wird in der gesamten Pharmaindustrie verwendet

Abfülltechniken, die Knoll erfindet, werden in der gesamten pharmazeutischen Industrie verwendet. Noch heute ist die Technik-Entwicklung ein Standbein des Werkes: 1995 ließ sich Knoll die ursprünglich der Kunststoffproduktion entstammende Schmelzextrusion für die Pharmaproduktion schützen.

Das Verfahren ermöglicht es, schwer lösliche Wirkstoffe in eine granulatartige "feste Lösung" zu bringen, die anschließend wieder zu einer Tablette gepresst werden kann. Dadurch erhöht sich die Bioverfügbarkeit aber auch die Stabilität eines Arzneimittels.

Abbott machte eine ununterbrochene Kühlkette überflüssig

Abbott formulierte so etwa seine ursprünglich thermolabilen HIV-Wirkstoffe und machte damit eine ununterbrochene Kühlkette überflüssig - ein großer Vorteil in heißeren Ländern.

Doch auch Produktinnovationen haben in Ludwigshafen das Licht der Welt erblickt - wie der Kalziumantagonist Verapamil, der in der WHO-Liste der unentbehrlichen Arzneimittel geführt wird. Lange Zeit war das Herzmittel umsatzstärkstes Knoll-Produkt.

Als Abbott 2001 die Arzneimittelfirma von BASF übernahm - der Chemieriese aus der unmittelbaren Nachbarschaft hielt seit 1975 die Mehrheit - war es vor allem deren Piplinekandidat D2E7, der den Healthcarekonzern aus Chicago interessierte.

200 Millionen Euro in das Ludwigshafener Werk investiert

Hinter der unscheinbaren Arbeits-Bezeichnung verbarg sich der erste vollständig humane monoklonale Antikörper, inzwischen besser bekannt als Humira® (Adalimumab). Der TNF-Blocker gehört mit zuletzt 6,5 Milliarden Dollar (2010) zu den weltweit umsatzstärksten Medikamenten.

Analysten erwarten gar, dass Humira® nach Wegfall des Patentschutzes für Pfizers Cholesterinsenker Atorvastatin bereits kommendes Jahr die Spitze dieses Rankings erklimmen und dann rund neun Milliarden Dollar erlösen wird.

Auch wenn der Bestseller gegen Rheumatoide Arthritis und andere Autoimmunerkrankungen nicht in Ludwigshafen produziert wird, sieht es für die Zukunft des Standorts doch gut aus. Über 200 Millionen Euro wurden hier von Abbott in den zurückliegenden zehn Jahren investiert.

900 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung

Mit 2000 Mitarbeitern, davon 900 in Forschung und Entwicklung, sei die Beschäftigungsdichte früherer Zeiten längst wieder erreicht, versichert Geschäftsführer Dr. Friedrich Richter. Im Abbott-Verbund sei das Ludwigshafener Werk zweitgrößter Forschungsstandort - Schwerpunkt sind ZNS-Krankheiten - sowie größter europäischer Fertigungsbetrieb.

Auch klinische Projekte werden hier koordiniert. Aktuelle Beispiele sind laut Richter Phase-III Studien mit dem Krebsmittel Linifanib, dem MS-Antikörper Daclizumab sowie mit Bardoxolon gegen Nierenversagen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »