Ärzte Zeitung online, 24.10.2011

Privatversicherer greift zur Schufa

STUTTGART (iss). Bei der Halleschen Krankenversicherung trägt die strengere Bonitätsprüfung bei Neukunden Früchte.

"Wir stellen fest, dass aufgrund der verschärften Annahmepolitik jetzt vor allem Vermittler zu uns kommen, die qualitativ gutes Geschäft bringen", sagt der Vorstandsvorsitzende des Alte Leipziger-Hallesche-Konzerns Dr. Walter Botermann.

Seit Anfang des Jahres arbeitet die Hallesche Kranken in der Vollversicherung mit einer Schufa-Anfrage bei Neukunden.

So will sie die Annahme von Versicherten verhindern, die nach einiger Zeit ihre Beiträge nicht mehr bezahlen. Wegen der Versicherungspflicht können die Unternehmen solchen Kunden nicht mehr kündigen.

Bei der Halleschen liegt der Anteil der Nichtzahler unter zwei Prozent. "Das ist etwas weniger als der Durchschnitt der Branche", sagt Botermann.

Früher wären Versicherte "durchgefallen"

Seit einigen Monaten nimmt die Zahl der Kunden ab, die ihre Beiträge schuldig bleiben. Ein Grund: Ehemals Selbstständige haben eine Anstellung gefunden und sind jetzt gesetzlich krankenversichert.

Seit Verschärfung der Bonitätsprüfung sind gut zehn Prozent der Antragsteller durchgefallen, berichtet Vorstand Wiltrud Pekarek.

Die Hallesche hat die neuen Kriterien der Bonitätsprüfung retrospektiv auch auf die Bestände der Jahre 2008 und 2009 angelegt. "Auch in diesen Jahren wären zehn bis 13 Prozent durchgefallen."

"Positive Signalwirkung"

Insgesamt habe sich der Anteil der Kunden, die der Versicherer ablehnt, aber nicht erhöht. "Im Laufe der Monate haben wir immer besseres Geschäft angetragen bekommen", sagt Pekarek.

Das zeige die positive Signalwirkung der verschärften Annahmeprüfung nach finanziellen Gesichtspunkten. Bei der Halleschen kommen 80 bis 90 Prozent des Neugeschäfts über Makler.

Die Vermittler, die nach hohen Qualitätsstandards arbeiten, hätten mit der neuen Strategie der Halleschen offensichtlich weniger Probleme als diejenigen, die umsatzgetrieben arbeiten.

Schlimmstenfalls wird gepfändet

Nach einem Monat Zahlungsrückstand rufen Mitarbeiter der Hallesche bei den säumigen Versicherten an, vier Wochen später folgt ein zweiter Anruf. "Rund 40 Prozent zahlen dann", berichtet Botermann.

Helfen die Anrufe nichts, kommt ein Mahnbescheid. Auch Pfändungen sieht der Maßnahmenkatalog vor. "Wir haben Fälle, da werden dann auch mal 6000 Euro nachgezahlt", sagt er. Dabei handele es sich um Kunden, die eigentlich zahlen könnten, aber nicht wollen.

Die Hallesche hatte bei der Einführung der Bonitätsprüfung mit einem Rückgang des Neugeschäfts gerechnet. Doch der gegenteilige Effekt ist eingetreten.

"Wir haben 2011 bislang 6000 Vollversicherte mehr", sagt Botermann. In den vergangenen Jahren habe der Zuwachs bei rund 5000 gelegen.

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