Ärzte Zeitung online, 26.10.2011

Celesio will endlich aus der Affäre DocMorris

Strategiewechsel in Stuttgart: Celesio-Chef Markus Pinger verordnet "Konzentration aufs Kerngeschäft" und sucht die Nähe zu den Apotheken.

STUTTGART (cw). Hatte sich der Stuttgarter Pharmahändler unter Pingers Vorgänger Fritz Oesterle noch der vertikalen Integration verschrieben, so setzt der seit zwei Monaten amtierende neue Vorstandsvorsitzende jetzt mit einer 180-Grad-Wende Akzente: Konzentration aufs Kerngeschäft lautet die Devise.

Die Diversifizierung habe nicht funktioniert, man habe "zuviel zu schnell auf einmal" gewollt. Die Verschuldung sei gestiegen, die akquirierten Geschäfte weniger erfolgreich gewesen als erhofft.

Nach vier Jahren mauer Ertragslage, unter anderem wegen Abschreibungen auf eben diese neuen Geschäfte, besinne man sich nun alter Stärken.

"Das Kerngeschäft hat uns 175 Jahre lang ernährt und wird es auch weiterhin tun", so Pinger.

Industriekundensparte auf dem Prüfstand

Die Industriekunden-Sparte - der Logistikdienstleister Movianto und der Pharma-Leasingaußendienst Pharmexx - käme "auf den Prüfstand" und wird voraussichtlich verkauft.

Das für Movianto verantwortliche Vorstandsmitglied Michael Lonsert wird Celesio zum Jahresende verlassen.

Man könne "nicht alles allein stemmen", Ressourcen müssten jetzt vor allem der Prozessoptimierung im Zwischenhandel zugute kommen Rund 100 Millionen Euro will der Konzern in dieses "Operational-Excellence-Programm" investieren.

Konzerngewinn soll 2012 stabilisiert sein

Großaktionär Haniel habe bereits Rückendeckung signalisiert. Unter anderem soll eine internationale Einkaufsorganisation aufgebaut werden, um Nachfragemacht in bessere Einkaufspreise umzumünzen.

Bereits 2012 sollen diese Maßnahmen den operativen Konzerngewinn vor Einmalaufwendungen wenigstens stabilisieren.

In Deutschland will Pinger zunächst das durch die Übernahme von DocMorris vor vier Jahren eingehandelte Imageproblem lösen und so den Weg für neue Kooperationen und Geschäftskonzepte mit und für Apotheken frei machen.

Endgültige Trennung nicht ausgeschlossen

Pinger: "Es ist schon ungewöhnlich, wenn man mit seinen eigenen Kunden im Klinsch liegt". Wie die Stuttgarter die Liäson mit DocMorris beenden, steht im Detail noch nicht fest.

Auch eine endgültige Trennung von der Marke sei nicht auszuschließen, kündigt Pinger an. Eine Entscheidung soll im Laufe des nächsten Jahres fallen.

Am Arzneimittelversandhandel als wichtigem Bestandteil eines Multi-Channel-Ansatzes werde Celesio gleichwohl festhalten.

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