Ärzte Zeitung online, 06.11.2011

Middelhoff weist Vorwürfe gegen Marseille-Kliniken zurück

BERLIN (dpa). Der Pflegeheimbetreiber Marseille-Kliniken wehrt sich gegen den Vorwurf unsauberer Bilanzführung. "Wir haben jeden einzelnen Punkt prüfen lassen, bis in die Bereiche hinein, wo es um ein paar Tausend Euro geht. Die unabhängigen Prüfer haben nichts beanstandet", sagte Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff der "Welt am Sonntag".

Bei den Vorwürfen soll es vor allem um angeblich unsaubere Geschäftsbeziehungen zwischen der Marseille Kliniken AG und Hauptaktionär Ulrich Marseille sowie dessen Frau gegangen sein.

Das Unternehmen war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, nachdem es vor wenigen Wochen seinem Finanzvorstand Thomas Klaue fristlos kündigte und den Vorstandschef Stefan Herzberg abmahnte. Herzberg verließ daraufhin von sich aus das Unternehmen - nach nur wenigen Wochen im Amt.

"Die beiden Herren hatten sich unter anderem mit Fragen der guten Unternehmensführung befasst, zunächst ohne den Aufsichtsrat darüber zu informieren oder ihn bei entscheidenden Fragestellungen ausreichend einzubeziehen. Hätten Herr Herzberg und Herr Klaue uns früher einbezogen, hätte man negative Auswirkungen auf das Unternehmen vermeiden können", sagte Middelhoff.

Wirtschaftlich gehe es bergauf: "Das Unternehmen steht wieder auf stabilem Grund und entwickelt sich erfreulich."

Die Marseille Kliniken AG des Unternehmers Ulrich Marseille ist ein großer Betreiber von Pflegeeinrichtungen und Senioren-Wohnheimen in Deutschland mit 8000 Betten und 4500 Mitarbeitern.

Für die ersten neun Monate des vergangenen Geschäftsjahres, das am 30. Juni endete, weist der Konzern einen Umsatz von knapp 142 Millionen Euro und ein Ergebnis von Null aus.

[06.11.2011, 18:57:13]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Déjà vu!"
Wie oft habe ich bloß schon mal gehört, dass ein Aufsichtsratschef (hier: Thomas Middelhoff) behauptet, die unabhängigen Prüfer hätten absolut nichts zu beanstanden gehabt? Über Sensitivität, Spezifität und Reliabilität dieser ebenso penetrant häufigen wie floskelhaft nichtssagenden "Sprechblase" wäre noch viel zu forschen.

Gleichwohl, Herr Middelhof ironisiert das Ganze vielleicht. Denn laut SPIEGEL-online vom Februar 2011 ermitteln "seit fast zwei Jahren nun schon Staatsanwälte gegen den einstigen Top-Manager, weil er sich als Privatmann an Fonds beteiligt hatte, die ihr Geld mit Mondmieten für Karstadt-Häuser verdienten. Glaubt man Middelhoff, dann war er immer ein ehrbarer Kaufmann, also unschuldig. Einer, der alles versucht hat, um die Karstadt-Mutter Arcandor zu retten, leider vergebens, dafür aber sauber und selbstlos; selten habe er so schlecht verdient wie hier." Der Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg zeichnet das andere Bild, heißt es weiter: Middelhoff erscheine eher als Raffke, gierig und gewissenlos, ein Manager, der ohne Rücksicht auf die Notlage seiner Firma die Arcandor-Kasse geplündert haben soll. Was daran richtig, welcher Anspruch berechtigt sei, könne am Ende natürlich nur ein Gericht entscheiden.

Fristlose Kündigung des Finanzvorstands und Abmahnung des Vorstandschefs bei der Marseille Kliniken AG sind "déjà suspecte" MfG
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