Ärzte Zeitung online, 18.11.2011

Versicherer erwartet weniger Einnahmen

BERLIN (hf). Die private Krankenversicherung wird auch 2012 zu den wichtigsten Wachstumsbringern für die Versicherungswirtschaft werden, hieß es bei der Mitgliederversammlung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Die Branche rechnet mit einem Zuwachs von mehr als vier Prozent. Für den gesamten Versicherungsmarkt erwarten die Gesellschaften einen Anstieg von 1 Prozent bis 1,5 Prozent.

"Das ist schwer prognostizierbar", sagte Rolf-Peter Hoenen, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bei der Mitgliederversammlung des Verbands.

Für 2011 erwartet die Branche erstmals seit Jahrzehnten einen Rückgang der Einnahmen. Sie werden um 1,2 Prozent auf 177 Milliarden Euro zurückgehen, schätzt der GDV.

Probleme auch in anderen Bereichen

Ursache des Umsatzverlustes ist der Einbruch bei Lebensversicherungen gegen Einmalbeitrag - die in vielen Fällen als bankähnliches Sparprodukt angeboten und gekauft wurden.

Der Rückgang bekümmert die Branche wenig, weil sie ohnehin mit dem Einmalgeschäft zunehmend Probleme hatte. Verbraucherschützer und Aufsicht warfen manchen Gesellschaften vor, die Kurzfristanleger zu Lasten der langfristigen Kunden zu bevorzugen.

Die private Krankenversicherung trägt 2011 35 Milliarden Euro zum Beitragsaufkommen bei, ein Anstieg von 4,9 Prozent. Er beruht auf Preiserhöhungen und einem moderaten Stückzahlzuwachs.

PKV-Verbandschef steht hinter Provisionsregel

Aus der Lebensversicherung kommen 2011 85 Milliarden Euro, ein Minus von 5,7 Prozent. In der Schaden- und Unfallversicherung, die Gebäude, Autos, Unfall- und Haftpflichtrisiken abdeckt, erzielten die Versicherer ein Plus von 2,5 Prozent auf 57 Milliarden Euro.

Die vom Bundestag beschlossene Begrenzung der Provisionen für neu abgeschlossene private Krankenversicherungen auf neun Monatsbeiträge werde die Branche genau einhalten, versprach Reinhold Schulte, Chef der Signal-Iduna und Vorsitzender des Verbandes der privaten Krankenversicherer.

Er sieht keine Gefahr, dass einzelne Unternehmen die Obergrenze umgehen werden. "Die Finanzaufsicht BaFin wird das genau prüfen", sagte er.

Finanzkrise bisher gut überstanden

GDV-Präsident Hoenen sagte, die Versicherungsbranche habe die Finanzkrise bislang gut überstanden. "Ein Zahlungsausfall Griechenlands hätte kaum Auswirkungen auf die Versicherer und ihre Kunden", sagte er.

Selbst wenn es einen Dominoeffekt durch weitere betroffene Länder gebe, stünden die Versicherer nicht in den ersten Reihen beim Umfallen.

Die Versicherer können aber auch durch ihr Engagement bei Banken unter Druck kommen: Die großen Gesellschaften haben bis zu 55 Prozent bei Banken angelegt.

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