Ärzte Zeitung online, 24.11.2011

Großhandel: Streit um Konditionen spitzt sich zu

Erneut Ärger um Skonti: Der Pharmagroßhändler Phoenix beklagt, vom Hersteller Novartis nicht mehr beliefert zu werden. Der Grund: Novartis hat den Rabatt für den Großhandel gesenkt. Novartis kündigte an, ein für beide Seiten akzeptables Paket schnüren zu wollen.

Großhandel: Streit um Konditionen spitzt sich zu

Phoenix: Arzneien am laufenden Band.

© Phoenix

MANNHEIM (cw). Die Auseinandersetzung zwischen Pharmagroßhändlern und dem Arzneimittelhersteller Novartis zieht weitere Kreise: Nach Gehe hat sich nun auch Phoenix in der Sache öffentlich zu Wort gemeldet.

Phoenix ließ verlauten, in Folge der Auseinandersetzung um eine Skonto-Senkung von 1,5 auf 0,55 Prozent nicht mehr von Novartis beliefert zu werden.

Noch habe man Produkte des Unternehmens am Lager. Wie lange man den Markt noch beliefern könne, sei ungewiss.

Novartis erklärte am Mittwoch, dass die Versorgung der Apotheken und damit der Patienten sichergestellt sei: "Novartis kommt selbstverständlich seiner gesetzlichen Verpflichtung nach und beliefert den vollversorgenden Großhandel."

Welche Unternehmen beliefert werden, darüber machte der Pharmahersteller keine Angaben.

Rechtliche Schritte angedroht

Phoenix fordert Novartis auf, Bestellungen wieder zu bedienen. Andernfalls behalte man sich rechtliche Schritte vor.

Grundlage dafür wäre der seit Inkrafttreten der 15. AMG-Novelle vor zwei Jahren bestehende Versorgungsauftrag des pharmazeutischen Großhandels.

Bereits Gehe, die wegen der neuen Zahlungskonditionen ebenfalls mit Novartis quer liegt und nach eigenen Angaben nicht beliefert wird, hatte kürzlich beklagt, daran gehindert zu werden, besagten Versorgungsauftrag zu erfüllen.

Aus diesem arzneimittelrechtlichen Auftrag leiten die vollversorgenden Großhändler einen Belieferungsanspruch ab, dessen Belastbarkeit gegenüber vertragsrechtlichen Freiheiten jetzt erstmals getestet werden könnte.

Novartis: Sind im Gespräch

Fraglich ist nur, ob einige Grossisten die Novartis-Rechnungen um den alten Satz kürzen und deshalb keine Ware mehr aus Nürnberg erhalten.

Novartis gab an, in Gesprächen mit Gehe und Phoenix zu sein - mit der Absicht, "ein für beide Seiten akzeptables Paket zu schnüren".

Diverse andere Unternehmen im Pharmagroßhandel hätten bereits zu den vor kurzem angepassten Liefer- und Zahlungsbedingungen bestellt, hieß es in der Mitteilung.

Die neuen Konditionen seien angepasst worden, weil die alten nicht mehr zeit- und marktgemäß gewesen seien, so Novartis.

Phoenix: Rechnungen immer bezahlt

Dabei wurden nach Angaben des Herstellers auch die zum Teil viele Jahre alten Skonto-Regelungen angepasst.

Phoenix jedenfalls will sich diesen Schuh nicht anziehen und beteuert, den Lieferstopp "nicht provoziert", sondern die Novartis-Rechnungen immer im geforderten Umfang beglichen zu haben.

Berichten zufolge wird auch die Münchener Sanacorp nicht mehr beliefert.

Ein Branchenkenner der ungenannt bleiben will meint, man müsse davon ausgehen, dass alle Großhändler, die sich in der Sache noch nicht zu Wort gemeldet hätten, von Novartis beliefert würden. Im Konzert der Großen wären das nur noch Anzag und Noweda.

Letztere stellt insofern eine Ausnahme dar, als sie aus ihrer Ablehnung der neuen Konditionen keinen Hehl macht, sie eigenem Bekunden nach zunächst jedoch akzeptiert hat um lieferfähig zu bleiben.

Engpässe wie vor einem Jahr?

Sollte Novartis auch diese Handelspartner verlieren, könnte es Versorgungsengpässe geben. So wie vorigen Herbst, als der dänische Diabetes-Spezialist Novo Nordisk seinen Skonto ebenfalls um einen Prozentpunkt auf 0,5 Prozent senkte und die Grossisten daraufhin nicht mehr bestellten.

Zwar versuchte Novo, die Apotheken direkt zu beliefern. Das gelang jedoch nicht annähernd so reibungslos wie erhofft. Schließlich gab das Unternehmen nach und besserte die Konditionen wieder auf.

In Apothekerkreisen wird das Gerangel um die Prozente argwöhnisch beobachtet. Die Offizinbetreiber fürchten, dass die Zwischenhändler steigende Kosten im Einkauf über niedrigere Rabatte an sie durchreichen werden. 

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