Ärzte Zeitung online, 29.11.2011

Boehringer verdreifacht Kapazität für Pradaxa

INGELHEIM (cw). Überschattet von der Berichterstattung zu tödlichen Blutungen unter Boehringers Pradaxa® (Dabigatran) hat das Unternehmen seinen Produktionsbetrieb für den neuartigen Gerinnungshemmer am Standort Ingelheim eingeweiht.

Konzernchef Prof. Andreas Barner nahm die Feierlichkeiten zum Anlass, erneut auf die Überlegenheit von Pradaxa® gegenüber dem Therapiestandard Warfarin hinzuweisen. "Wir würden keine Sekunde gezögert haben, auch eine Investition wie diese sofort abzuschreiben, wenn Pradaxa kein sicheres Produkt wäre", sagte Barner am Montag.

Doch sowohl die europäische Zulassungsbehörde EMA, als auch die FDA hätten die Sicherheit des Wirkstoffs bestätigt und sich "eindeutig hinter Pradaxa gestellt".

Die öffentliche Diskussion sei zwar ärgerlich, so Barner, sie habe aber auch den positiven Effekt, dass jetzt die Risiken der Gerinnungshemmung mit Vitamin-K-Antagonisten stärker ins Bewusstsein rückten.

Boehringer sieht Blockbuster-Potenzial

Rein rechnerisch könne Pradaxa® in drei von vier Fällen Schlaganfälle bei Patienten mit Vorhofflimmern verhindern. Das sei gerade in Anbetracht des Nutzen-Risiko-Verhältnisses ein "medizinischer Durchbruch".

Barner äußerte die Überzeugung, dass der neue Gerinnungshemmer Blockbuster-Potenzial hat und sich auch im Wettbewerb mit neuen Antikoagulanzien anderer Anbieter im Markt behaupten werde.

Mit dem jetzt eingeweihten Pradaxa®-Betrieb kann Boehringer die bisherige Produktionskapazität verdreifachen und erreicht eine Jahreskapazität von 1,5 Milliarden Kapseln.

116 neue Arbeitsplätze

160 Millionen Euro hat das Werk gekostet, mit dem zugleich 116 Arbeitsplätze geschaffen wurden. Herzstück der Anlage sind drei Wirbelschichtcoater, jeder einzelne zehn Meter hoch, in denen der Wirkstoff auf Starterpellets aus Weinsäure aufgebracht wird.

Pradaxa® wurde im April 2008 EU-weit zur Prävention venöser thromboembolischer Ereignisse nach Hüft- oder Kniegelenkersatz-Operation zugelassen.

Im Oktober 2010 gab die US-Behörde FDA Grünes Licht zur Schlaganfallprophylaxe bei Patienten mit Vorhofflimmern. Im August dieses Jahres zog die EU-Kommission in dieser Indikation nach.

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