Ärzte Zeitung, 03.04.2012

Einsteigertarife lassen Hanse Merkur kräftig wachsen

Die Einsteigertarife in der PKV sind in der Branche zuletzt hart kritisiert worden. Doch es gibt auch Versicherer, die auf das Geschäftsmodell schwören.

KÖLN (iss). Die Versicherungsgruppe Hanse Merkur ist im dritten Jahr in Folge in der privaten Krankenversicherung (PKV) rasant gewachsen.

Sowohl bei den Beitragseinnahmen als auch bei der Zahl der Vollversicherten legte das Hamburger Unternehmen im Jahr 2011 marktüberdurchschnittlich zu. Hauptwachstumsträger waren dabei die in der PKV-Branche umstrittenen Einsteigertarife.

Diese Policen bieten zu günstigen Konditionen einen eingeschränkten Versicherungsschutz, zum Teil unter dem Niveau der gesetzlichen Krankenkassen. Im vergangenen Jahr waren sowohl die DKV als auch die Central aus diesem Segment ausgestiegen.

"Geschäftsmodell rechnet sich"

Ihr Argument: Überdurchschnittlich viele Kunden können ihre Beiträge nicht bezahlen. Die Hoffnung der Versicherer, dass die Versicherten nach einiger Zeit in höherwertige Tarife wechseln, erfüllt sich nicht.

"Das Geschäftsmodell rechnet sich", sagt dagegen Eberhard Sautter, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Hanse Merkur. Voraussetzung sei die richtige Annahmepolitik.

"Wir haben das zehn Jahre in Folge geschafft." Für unverständlich hält Sautter, dass Anbieter wie die DKV sich nach dem eigenen Scheitern dafür aussprechen, solche Tarife komplett vom Markt zu nehmen.

Die in der Branche immer wieder gehörte Vermutung, die Hanse Merkur würde sich mit ihrer Strategie schlechte Risiken ins Haus holen, die ihr irgendwann Probleme bereiten, weist er zurück. "Ich habe den Eindruck, dass ich mich rechtfertigen soll, weil ich erfolgreich bin."

Die Fakten sprächen schließlich für sich. "Wir haben eine sehr gute Schadenquote, obwohl wir so ein riesiges Wachstum haben."

846 Millionen Euro Beitragseinnahmen

Bei der Hanse Merkur Kranken stiegen die Beitragseinnahmen 2011 um 18,4 Prozent auf 846 Millionen Euro. Zum Vergleich: Das Marktwachstum betrug 4,9 Prozent. Davon waren beim Unternehmen nur 1,2 Prozentpunkte auf Prämienerhöhungen zurückzuführen.

Im Schnitt habe die Hanse Merkur 2011 um 2,5 Prozent angehoben. Vom Wachstum stammten drei Viertel aus den Einsteigertarifen, sagte Sautter.

Für Versicherungsfälle wendete die Assekuranz 466 Millionen Euro auf, 13,3 Prozent mehr als 2010. In der Vollversicherung konnte sie netto um 31.000 auf 203.000 zulegen und schaffte damit hinter der Debeka den höchsten Zuwachs der Branche.

2012 wird das Wachstumstempo nach Angaben des Vorstands wohl langsamer, nicht zuletzt wegen der seit 1. April greifenden neuen Provisionsregelungen und der verlängerten Haftungszeiten für Vermittler. "Wir richten jetzt den Fokus auf die Bestandssicherung."

Die Zahl der Versicherten, die ihre Beiträge nicht zahlen, wollte Sautter nicht nennen.

Sie seien aber kein großes Problem, unter anderem, weil die Hanse Merkur ihr Mahnwesen verfeinert habe. "Die Nichtzahler führen zu einer Erhöhung der Schadenquote von einem Prozent."

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