Ärzte Zeitung online, 19.06.2012

Elefantenhochzeit im Pharmahandel

Globalisierung im Apothekenmarkt: Die zwei Pharmahändler Alliance Boots und Walgreens wollen vor den Traualtar treten. Entstehen würde ein Gigant im weltweiten Arzneihandel - mit über 11.000 eigenen Apotheken.

Elefantenhochzeit im Pharmahandel

Das Jahr 2006: Alliance Boots entsteht aus der Boots Group und Alliance UniChem. Jetzt kommt die Fusion mit Walgreens.

© Newscast / imago

LONDON/DEERFIELD (cw). Gerade mal einen Monat ist es her, dass Stefano Pessina, CEO des Pharmahandelskonzerns Alliance Boots, sein Interesse an einer Großfusion bekundete.

Eine strategische Partnerschaft, so Pessina Mitte Mai in London, könne zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: dem Exit der Investorengruppe KKR den Weg bereiten und die Marktposition des Konzerns als international führendem Healthcare-Distributeur optimieren.

Damals müssen die Gespräche mit dem US-Drugstore-Giganten Walgreens schon recht weit gediehen sein. Heute gaben beide Unternehmen den ersten Schritt ihres Zusammenschlusses bekannt.

Demnach wird Walgreens zunächst 45 Prozent der Alliance-Boots-Anteile erwerben und dafür vier Milliarden Dollar in bar sowie 2,7 Milliarden Dollar in eigenen Aktien zahlen.

Zugleich erhält der US-Konzern die Option, innerhalb der kommenden drei Jahre auch die übrigen 55 Prozent an Alliance zu erwerben.

Synergieeffekte beim Einkauf

Dafür müsste Walgreens nochmal 9,5 Milliarden Dollar in bar und Aktien auf den Tisch legen und zudem sämtliche ausstehenden Finanzverbindlichkeiten übernehmen.

Sollten die Amerikaner die Option nicht ausüben, reduziert sich ihr Anteil an Alliance Boots auf 42 Prozent.

Die Transaktion soll bis 1. September abgeschlossen sein. Mit den Alliance-Eignern, der Investorengruppe KKR und CEO Stefano Pessina, die danach zu Walgreens großen Stockholdern gehören werden, seien Haltefristen für die Walgreens-Aktien mit unterschiedlich langen Laufzeiten vereinbart worden, heißt es.

Die Amerikaner erwarten sich von dem Einstieg bei dem französisch-britischen Pharmahändler Synergien zwischen 100 Millionen und 150 Millionen Dollar im ersten vollen Jahr und von einer Milliarde Dollar bis Ende 2016.

Diese Einspareffekte sollen einesteils im Einkauf realisiert werden, anderenteils durch die Vermarktung von Alliance-Eigenmarken (Generika, Kosmetik, Medizinprodukte) in den Drugstores des US-Konzerns.

72 Milliarden Dollar Umsatz bei Walgreens

Pläne, in Konsequenz der strategischen Partnerschaft Stellen abzubauen, gebe es bei keinem der beiden Unternehmen, versichert eine gemeinsame Stellungnahme. Die Groß- und Einzelhandelsgeschäfte beider Firmen würden zunächst unter ihren bestehenden Namen weitergeführt.

Zusammen werden Walgreens und Alliance Boots eigenen Angaben zufolge mehr als 11.000 eigene Drugstores und Apotheken in 12 Ländern betreiben.

Das kombinierte Großhandelsnetzwerk wird mehr als 370 Logistikzentren umfassen, die in 21 Ländern über 170.000 Kunden - Apotheken, Ärzte, Gesundheitszentren und Kliniken - beliefern.

Walgreens setzte im Geschäftsjahr 2011 (bis 31. August) 72 Milliarden Dollar um und erzielte daraus einen operativen Gewinn von 4,4 Milliarden Dollar.

Alliance Boots erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2011/12 (bis 31. März) 39,4 Milliarden Dollar und ein EBITDA von rund 2,4 Milliarden Dollar.

In Deutschland ist Alliance Boots durch die Mehrheitsbeteiligung (82 Prozent) an dem Frankfurter Pharmahändler ANZAG vertreten.

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