Ärzte Zeitung, 28.02.2013

Bayer

Rechtsstreitigkeiten kosten Milliarden

Mehr Umsatz meldet der Bayer-Konzern für das Geschäftsjahr 2012. Milliardenrückstellungen für Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit Verhütungsmitteln sorgten jedoch ebenso für Missmut wie die Belastung durch Gesundheitsreformen.

Von Ilse Schlingensiepen

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Vorstand der Bayer AG am Donnerstag in Leverkusen: Dr. Marijn Dekkers, Dr. Richard Pott, Prof. Dr. Wolfgang Plischke, Werner Baumann.

© Michael Rennertz / Bayer

LEVERKUSEN. Der Bayer-Konzern musste im vergangenen Jahr 1,2 Milliarden Euro für Rechtsfälle aufwenden, die in den USA im Zusammenhang mit den Verhütungsmitteln Yaz® und Yasmin® entstanden.

Das war der wesentliche Grund dafür, dass Bayer einen Rückgang beim Konzernergebnis vor Finanzergebnis und Steuern um 4,6 Prozent auf 4,0 Milliarden Euro hinnehmen musste.

Die 1,2 Milliarden Euro dienten vor allem der Vorsorge für Vergleiche von derzeit bekannten und künftig zu erwartenden Ansprüchen von Frauen wegen behaupteter venöser Blutgerinnsel, sagte Vorstandschef Dr. Marijn Dekkers in Leverkusen.

Sowohl was Yaz® und Yasmin® angehe als auch beim Akne-Medikament Diane-35® sei Bayer nach wie vor von der Wirksamkeit und Sicherheit bei bestimmungsgemäßer Anwendung überzeugt.

"Wichtig ist, dass die verschreibenden Ärzte für jede einzelne Patientin das am besten geeignete, das am besten verträgliche Präparat auswählen", betonte Dekkers.

Außerhalb der USA gebe es wegen Yaz® und Yasmin® Klagen in sehr begrenztem Umgang, sagte Finanzchef Werner Baumann. "Wir haben auch einige wenige Fälle in Deutschland."

Abgesehen von den Rechtsstreitigkeiten und Belastungen durch Gesundheitsreformen, die Dekkers mit 60 Millionen Euro bezifferte, lief das Healthcare-Geschäft im Jahr 2012 zufriedenstellend für Bayer.

Der Umsatz stieg währungs- und portfoliobereinigt um 4,2 Prozent auf 18,6 Milliarden Euro. Allerdings: "In Europa gab es mit 0 bis 1 Prozent kein wirkliches Wachstum", sagte Dekkers.

Große Hoffnung bei Therapie gegen Lungenhochdruck

Insgesamt erzielte das Leverkusener Unternehmen einen Umsatz von 39,8 Milliarden Euro. Das war eine Steigerung um 5,3 Prozent. Für 2013 - das Jahr des 150-jährigen Firmenjubiläums - prognostizierte Dekkers ein Plus von 4 bis 5 Prozent auf rund 41 Milliarden Euro.

"Für Forschung und Entwicklung erwarten wir gesteigerte Aufwendungen von rund 3,2 Milliarden Euro, nach 3,0 Milliarden Euro im vergangenen Jahr."Als "sehr erfreulich" bezeichnete er die 2012 erzielten Fortschritte in der Pharma-Pipeline.

Der Gerinnungshemmer Xarelto® sei inzwischen in mehr als 120 Ländern zugelassen. Damit erzielte Bayer im vergangenen Jahr bereits einen Umsatz von 322 Millionen Euro. Große Hoffnungen setzt das Unternehmen auch in Riociguat zur Behandlung von Patienten mit Lungenhochdruck, die beiden Onkologika Stivarga® und Radium-223-Dichlorid sowie das ophthalmologische Mittel Eylea®.

Bei den fünf Produkten zusammen sieht Bayer ein jährliches Spitzenumsatzpotenzial von 5,5 Milliarden Euro. Die finanziellen Belastungen durch die Auseinandersetzungen um die Verhütungsmittel hätten gezeigt, wie wichtig die breite Aufstellung für den Bayer-Konzern ist, sagte der Vorstandsvorsitzende.

"Man braucht eine gewisse Diversifizierung, um das Risiko zu verteilen."Im HealthCare-Bereich will Bayer in den nächsten drei Jahren um 6 Prozent pro Jahr wachsen. "Das entspräche einem Umsatz von 22 Milliarden Euro im Jahr 2015."

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