Ärzte Zeitung, 25.04.2013

Gute Zahlen

Boehringer will drastisch investieren

Starkes Umsatzwachstum mit neuen Produkten, das erste eigene Krebsmittel in den letzten Zügen der Zulassung und keine Sorgen vor der anstehenden Nutzenbewertung des Gerinnungshemmers Dabigatran: Bei Boehringer Ingelheim stehen die Zeichen für 2013 auf Grün.

Von Christoph Winnat

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Stammsitz des Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim.

© Boehringer Ingelheim

INGELHEIM. Betriebsgewinn und Jahresüberschuss von Boehringer Ingelheim sind 2012 zweistellig eingebrochen. Angesichts 12 Prozent Umsatzplus sowie ausgezeichneter Wachstumsperspektiven ist das Management mit der Entwicklung des vergangenen Jahres jedoch zufrieden.

"Für Boehringer Ingelheim als Familienunternehmen ist die Nachhaltigkeit des Wirtschaftens wichtiger als kurzfristige Profitabilität", erklärte Finanzvorstand Hubertus von Baumbach anlässlich der Bilanzvorlage am Mittwoch in Ingelheim.

Teilweise sei der Gewinnrückgang sogar eingeplant gewesen. Etwa weil Boehringer derzeit etliche Projekte in der klinischen Phase III bearbeitet und der Forschungsetat deshalb um elf Prozent aufgestockt wurde.

Hinzu kamen kostenseitig dreistellige Millionen-Rückstellungen für die Schließung von Wirkstoffsynthese-Betrieben in Frankreich und den USA sowie für eine umfassende Modernisierung bei Ben Venue Laboratories, einer US-Tochtergesellschaft, die injektabile Generika produziert.

Verstärkung für die Forschung

Bereits im Herbst vorigen Jahres hatte Boehringer Ingelheim angekündigt, interne Prozesse und Strukturen überprüfen zu wollen, um sich besser auf kommende Herausforderungen einzustellen.

Vorstandsvorsitzender Andreas Barner kündigte an, dass dies auch für das laufende Geschäftsjahr gelte. Das werde auch Stellenabbau mit sich bringen. Über den gesamten Konzern hinweg werde die Beschäftigung 2013 dennoch zunehmen, ergänzte Baumbach.

Vor allem die Forschungs- und Entwicklungsressorts sollen Verstärkung bekommen. Aktuell wird an neun Projekten in Phase III gearbeitet. Zusätzlich stehen zwei Neueinführungen an: Für den SGLT-2-Hemmer Empagliflozin (gegen Typ-2-Diabetes) wurde kürzlich zeitgleich die Zulassung in den USA und in Europa beantragt.

Und mit dem Tyrosinkinase-Hemmer Afatinib - die europäische Zulassung wurde vorigen August beantragt, die US-Behörde FDA hat eine Zulassungsentscheidung für das 3. Quartal dieses Jahres angekündigt - hat Boehringer sein erstes Krebsmedikament am Start; Indikation: nicht-kleinzelliger Lungenkrebs bei Patienten, die eine Mutation des epidermalen Wachstumsfaktors (EGFR) aufweisen. Mit der Ausbietung wird noch dieses Jahr gerechnet.

Hoffnung auf AMNOG-Änderungen

Bis 2017 will das größte deutsche Pharmaunternehmen die Hälfte seines Umsatzes mit Innovationen erwirtschaften, die ab 2010 neu in den Markt kamen, 2012 betrug diese Quote 12 Prozent.

Vorstandschef Barner äußerte in diesem Zusammenhang auch die Hoffnung, in Deutschland könne sich die Situation bei der frühen Nutzenbewertung verbessern. Er sei optimistisch, so Barner, dass der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) sein Bewertungsverhalten überdenken werde und weitere Änderungen am AMNOG nach der Bundestagswahl diskutiert würden.

Barner erneuerte seine Kritik an dem Gremium, das Mitte März zum wiederholten Mal dem Antidiabetikum Linagliptin, das von Boehringer und Lilly gemeinsam vermarktet wird, keinen Zusatznutzen gegenüber Sulfonylharnstoff zusprechen wollte. Linagliptin (Trajenta®) gilt als einer der kommenden Wachstumstreiber Boehringers.

Was die Nutzenbewertung des Bestandsmarktes angeht, zeigte sich Barner jedoch recht entspannt. Vorige Woche hatte der GBA angekündigt, den Gerinnungshemmer Dabigatran (Pradaxa®) als eines der ersten Präparate, die vor Inkrafttreten des AMNOG zugelassen wurden, einer Nutzenbewertung zu unterziehen.

Pradaxa® war 2012 Boehringers drittgrößtes Einzelprodukt. Erstmals wurden mit dem Blutverdünner aus der eigenen Forschung weltweit mehr als eine Milliarde Euro erlöst.

Barner erklärte, sowohl die Studienlage als auch die Praxiserfahrungen mit Dabigatran seien ausgesprochen gut. Er könne sich "nicht vorstellen, dass der GBA keinen Zusatznutzen feststellt".

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