Ärzte Zeitung, 06.10.2014

Atemwegspräparate

Boehringer stellt sich auf Wachstum ein

44 Millionen Inhalatoren des Typs Respimat® sollen im Dortmunder Werk der Boehringer-Tochter Steag microParts künftig pro anno vom Band rollen. Über 100 Millionen Euro wurden in diese Kapazitätsverdoppelung investiert.

Von Ilse Schlingensiepen

DORTMUND. Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hat der pharmazeutischen Industrie Unterstützung zugesagt. "Wir stehen hinter Ihrem Industriezweig und werden das auch weiterhin tun", sagte Kraft bei der Einweihung der dritten Produktionslinie für den Inhalator Respimat® von Boehringer Ingelheim am Dienstag voriger Woche in Dortmund.

Nordrhein-Westfalen sei stolz darauf, einer der führenden Pharma-Standorte zu sein, betonte Kraft. "Wir werden alles tun, um Sie zu unterstützen, auch in schwierigen Diskussionen", versprach sie den Vertretern des Familienunternehmens.

Das gelte etwa für die Frage des Patentschutzes. Der Nutzen pharmazeutischer Innovationen sei greifbar. Beim Besuch einer COPD-Selbsthilfegruppe in Mülheim/Ruhr habe sie erfahren, wie sehr sich die Lebensqualität der Patienten durch neue Inhalatoren verbessern lasse, berichtete Kraft. "Es ist gut und richtig, gerade auf dieses Feld zu setzen."

Noch großes Potenzial bei COPD

Atemwegserkrankungen werden für Boehringer Ingelheim auch in Zukunft ein wichtiges Therapiegebiet sein, versicherte Dr. Wolfgang Baiker, Mitglied der Unternehmensleitung.

"Der Respimat® wird dabei das Inhalationsgerät sein." In diesem Bereich sehe man noch großes Potenzial. Nach einer Prognose der Weltgesundheitsorganisation werde 2030 COPD die dritthäufigste erkrankungsbedingte Todesursache sein, so Baiker.

Bei Boehringer Ingelheim microParts in Dortmund sollen künftig 44 Millionen Respimat®-Inhalatoren jährlich hergestellt werden, zurzeit sind es rund 20 Millionen.

"Das ist ein immenser Meilenstein", betonte Baiker. Das Unternehmen habe mehr als 100 Millionen Euro in die Kapazitätserweiterung investiert. "Bis Ende 2015 schaffen wir in Dortmund rund 100 Arbeitsplätze."

Boehringer Ingelheim hatte 2004 die Mikrotechnologie-Firma Steag microParts in Dortmund übernommen. Das Unternehmen beschäftigt inzwischen 550 Mitarbeiter.

In Ingelheim, wo die Inhalatoren mit den pharmazeutischen Wirkstoffen befüllt und dann weltweit verkauft werden, hat Boehringer weitere 72 Millionen Euro in die Kapazitätserweiterung investiert.

Spiriva® zur Behandlung von Patienten mit COPD war im vergangenen Jahr mit 3,5 Milliarden Euro das umsatzstärkste Präparat von Boehringer Ingelheim.

Baiker begrüßte, dass Spiriva® Respimat® vor Kurzem die Zulassung zur Behandlung von Patienten mit Asthma erhalten hat.

Respimat® komme vollständig ohne Treibmittel aus und erzeuge eine feine, lang anhaltende Sprühwolke, so Baiker. Der Inhalator sei für die Patienten sehr einfach zu bedienen.

Werben um bessere Bedingungen

Deutschland sei trotz mancher negativer Rahmenbedingungen weiterhin der wichtigste Standort für Boehringer Ingelheim, obwohl es sich längst um ein globales Unternehmen handelt, betonte Stefan Rinn, Landesleiter Boehringer Ingelheim Deutschland.

Das Unternehmen erziele hier zwar nur sieben Prozent der Erlöse, beschäftige aber 30 Prozent der Mitarbeiter, tätige 50 Prozent der Sachinvestitionen und zahle 80 Prozent der Steuern hierzulande.

"Auf Bundesebene muss weiter für bessere Bedingungen für die pharmazeutische Industrie geworben werden", forderte Sinn. Bei Politikern auf lokaler und regionaler Ebene sei das Verständnis für die Branche größer.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »