Ärzte Zeitung, 16.02.2015

Finanzen

Biotech-Firmen kehren an die Kapitalmärkte zurück

Die Biotech-Branche in Deutschland hat sich 2014 erstmals wieder an den Weltbörsen gezeigt. Das und das Interesse amerikanischer Giganten an deutschem Know-how weckt Hoffnungen auf Wachstum im laufenden Jahr.

Von Anno Fricke

BERLIN. Die globale Biotechnologiebranche ist im Aufwind. In diesem Jahr wird eine große Anzahl an Zulassungen innovativer Medikamente vor allem in den USA erwartet.

Auch in Deutschland keimt Optimismus. Die Investitionen deutscher Biotech-Unternehmen in Forschung und Entwicklung dürften in diesem Jahr deutlich zulegen, berichteten Vertreter des Branchenverbands Bio Deutschland in Berlin.

"Die deutsche Biotech-Branche profitiert vom internationalen Biotech-Boom", sagte Dr. Peter Heinrich, Vorstandsvorsitzender von Bio Deutschland, in Berlin.

Die gute Stimmung unter den eher kleinen Unternehmen der Branche entspringt der Hoffnung auf eine künftig wieder breitere Basis der Kapitalbeschaffung.

403 Millionen Euro an Eigenkapital haben die Firmen im vergangenen Jahr in Deutschland eingesammelt, 14 Prozent mehr als 2013. Aus der reinen Investorenveranstaltung der vergangenen Jahren, ist wieder ein öffentliches Angebot geworden.

Mit der Affimed (Heidelberg), Probiodrug (Halle) und Pieris (Freising) haben erstmals seit 2007 wieder Biotech-Unternehmen den Gang an die Börse gewagt. Der Verkauf von Anteilen spülte insgesamt 77 Millionen Euro in die Unternehmenskassen.

163 Millionen Euro erhielten die Start-ups von Venture-Capital-Gebern, 19 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Mit rund 40 Millionen Euro war die Familie Strüngmann, die ehemaligen Eigner von Hexal, die größte Einzelinvestorin. Den Rest steuerten Investmentfonds bei.

Der frühere Großinvestor, der SAP-Gründer Dietmar Hopp, halte sich nach Angaben der Branchenvertreter derzeit zurück und warte ab, wie sich seine bisherigen Investments entwickelten.Weitere 163 Millionen Euro flossen den bereits notierten Unternehmen an Folgefinanzierungen zu.

Auch der europäische Kapitalmarkt setzt auf Bio-Tech-Firmen. 2,37 Milliarden Euro haben Unternehmen 2014 über die Börsen eingesammelt, 25 Prozent mehr als 2013. Die Zahl der Börsengänge verdreifachte sich auf 15.

"Die positive Entwicklung an Europas Börsen zeigt: Biotechnologie ist offenbar wieder ein lohnendes Investment", kommentierte Boris Mannhardt von der Biocom AG die Entwicklung.

Sorgen bereitet, dass die Unternehmen transnationale Börsenplätze in Amsterdam, Paris, London und Kopenhagen oder gleich New York dem Börsenplatz Frankfurt vorziehen. Dies sei eine schleichende Abwanderung, sagten die Branchenvertreter.

Die Regierung sei gefordert, kleinere und innovative Unternehmen stärker zu fördern. "Wichtig ist, dass die Wertschöpfungskette von der Erfindung zum Patienten verlässlich funktioniert und Innovationshürden abgebaut werden", sagte Holger Zimmermann, Geschäftsführer von AICuris.

Mit Industriekooperationen gelingt es deutschen Unternehmen dennoch, auch in USA auf sich aufmerksam zu machen. Dabei sticht die Ludwigshafener Phenex GmbH heraus, die ihr FXR-Programm gegen Lebererkrankungen in der klinischen Phase II für 470 Millionen Dollar an den Sovaldi®-Hersteller Gilead abstieß.

Die klinischen Studien bedeuteten für viele Anfangsideen das Aus, sagte Dr. Peter Heinrich von Bio Deutschland. Nur etwa fünf Prozent der Unternehmungen schafften es letztendlich in den Markt. Die Ausfallquote treibe den Preis für Arzneimittelentwicklungen.

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