Ärzte Zeitung, 11.02.2015

Pharma

Großhandel beklagt Innovations-Boom

Macht das Marktwachstum hochpreisiger Innovationen die Mischkalkulation im Pharmagroßhandel zunichte? Die Branche spricht aktuell von einem "dramatischen Spannenverfall".

BERLIN. Jahrzehntelang lebten die Pharmagroßhändler von preisabhängigen Spannen. Vollversorger konnten die Distribution günstiger Arzneimittelpackungen durch den Vertrieb teurer Innovationen gegenfinanzieren.

Damit machte das AMNOG 2011 Schluss. Seither dürfen die Grossisten einheitlich nur 3,15 Prozent auf den Herstellerabgabepreis ohne Umsatzsteuer aufschlagen - maximal 37,80 Euro.

Das bedeutet, dass ab einem Packungspreis von 1200 Euro der prozentuale Aufschlag nun gedeckelt ist. Zudem erhalten die Händler pro Packung einen Festzuschlag von 70 Cent.

Ursprünglich war diese Umstellung des Distributionshonorars auch in der Branche erwünscht, schließlich sollte damit der Erwartung Rechnung getragen werden, dass immer mehr billige Generika den Apothekenmarkt überschwemmen.

 Durch das Packungsfixum würde deren Beitrag zur Deckung der Vertriebskosten deutlich steigen.

Rechnung geht nicht mehr auf

Nun jedoch scheint diese Rechnung nicht mehr aufzugehen. Der Branchenverband Phagro spricht von einer "unerwarteten Zunahme der Abgabe hochpreisiger Arzneimittel, wie sie in diesem Ausmaß in der Vergangenheit nicht zu beobachten war".

So sei 2014 der Packungsabsatz im margengedeckelten Preissegment von 1200 Euro bis 4000 Euro um 19 Prozent gestiegen, im Preissegment über 4000 Euro um 16 Prozent.

Die durchschnittliche Spanne des vollversorgenden Großhandels habe im vorigen Jahr lediglich 4,67 Prozent betragen, heißt es unter Berufung auf Zahlen des Kölner Instituts für Handelsforschung (IfH).

Ab einem Packungspreis von 5000 Euro betrage die Handelsmarge aufgrund der Deckelung nurmehr 0,77 Prozent. 38,50 Euro pro Packung reichten aber nicht aus, um Finanzierung, Handling und die Sicherheitsanforderungen an die Weitergabe hochpreisiger und zumeist kühlpflichtiger Innovationen zu decken, heißt es seitens der Phagro.

Der zu beobachtende Spannenverfall stelle eine wirtschaftliche Belastung dar, "die durch Rationalisierungen und Kosteneinsparungen nicht aufzufangen ist", so der Phagro weiter.

Keine konkreten Forderungen

Konkrete Forderungen nach einer Anhebung der Grossisten-Vergütung erhebt der Phargro derzeit jedoch nicht.

Wie aus Verbandskreisen verlautet, soll die jüngste Wasserstandsmeldung dazu dienen, sich rechtzeitig in Position zu bringen, wenn nach dem Abarbeiten des Koalitionsvertrages in Berlin wieder eine Diskussion über die Kosten der Arzneimittelversorgung entbrennt.

Die Chancen, bei der Koalition Gehör für mehr Geld zugunsten des Handels zu finden, stehen eher schlecht.

Denn immer wieder hatten in der Vergangenheit die Anbieter noch ausreichend Luft, sich Rabattschlachten um einkaufsstarke Apotheken zu liefern, was von Verbandchef Thomas Trümper wiederholt als betriebswirtschaftlicher Unsinn bezeichnet wurde.

Über den tatsächlichen Gewinn der Branche hüllt sich der Phagro in Schweigen. (cw)

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