Ärzte Zeitung, 13.11.2015

Millioneninvest

Boehringer schraubt an Forschungsstrategie

Boehringer Ingelheim wird in den nächsten fünf Jahren elf Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investieren. Das Unternehmen setzt dabei verstärkt auf externe Partner.

BERLIN. Boehringer Ingelheim will in den kommenden fünf Jahren eine neue Forschungsstrategie realisieren, bei der externe Partner ein deutlich höheres Gewicht haben sollen.

Insgesamt plant das Unternehmen F+E-Ausgaben von elf Milliarden Euro, davon sollen fünf Milliarden Euro in die präklinische Forschung fließen.

Davon sind wiederum 1,5 Milliarden Euro für die Kooperation mit externen Partnern einkalkuliert, kündigte das Unternehmen am Mittwoch vor Journalisten in Berlin an.

Nach Angaben von Professor Andreas Barner, dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung von Boehringer Ingelheim, konzentrieren sich die Forschungsprojekte auf schwer zu behandelnde Krankheiten oder solche Erkrankungen, die bislang überhaupt nicht behandelbar sind.

Das Engagement erstreckt sich auf vier große Therapiegebiete: Immunologie und respiratorische Erkrankungen, Onkologie, metabolische Krankheiten, insbesondere Diabetes sowie Erkrankungen des Zentralnervensystems, darunter auch Demenz.

Auch Crowdsourcing kommt in Betracht

Ausgehend von einer starken internen Forschungskompetenz will Boehringer Ingelheim seine Zusammenarbeit mit externen Partnern auf drei Ebenen intensivieren und erhofft sich davon eine Verstärkung und Beschleunigung des Innovations-Outputs:

- Das sind zum einen bilaterale Kooperationen mit akademischen Forschungsinstitutionen und Biotechnologie-Unternehmen, um Ansätze für neue Arzneimittel zu finden.

Beispielhaft hierfür stehen Vereinbarungen mit dem MD Anderson Cancer Center in Texas zur Entwicklung neuer Therapeutika gegen Pankreaskrebs oder mit Circuit Therpeutica in Kalifornien für psychiatrische Erkrankungen.

- Ferner sind die Public-Private-Partnerships wie das Structural Genomics Consortium und das von der EU aufgelegte Programm Innovative Medicines Initiative (IMI) von wachsender Bedeutung.

Hier geht es darum, Forschung an Unis und außeruniversitären Einrichtungen mit industrieller Forschung systematisch und auch international zu verknüpfen, um Synergieeffekte zu erzielen.

- Neuartig ist schließlich sogenanntes Crowdsourcing. Das Ziel ist, mit externen Partnern und aus unterschiedlichen Perspektiven im internationalen Rahmen nach möglichst vielen Innovationschancen und Forschungsprojekten zu fahnden.

Dazu ein Beispiel: Mit dem Partner InnoCentive wurden binnen drei Monaten mögliche Lösungen und 27 Kooperations-Optionen im Forschungsbereich COPD und schweres Asthma gefunden.

Mit dieser Forschungsstrategie, so zeigte sich Barner überzeugt, werde Boehringer Ingelheim nachhaltiges Wachstum sichern und bislang ungelöste Herausforderungen in der Medizin bewältigen können. (HL)

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