Ärzte Zeitung, 15.01.2016

Marketingpraktiken

Interesse an lauterer Pharma-Werbung nimmt zu

82 Hinweise auf fragwürdiges Pharma-Marketing hat der Verein FSA 2014 erhalten. Rund ein Drittel aus den eigenen Reihen, zwei Drittel von Marktpartnern.

BERLIN. Der Verein "Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie" (FSA) hat ausweislich seines jüngsten Jahresberichts 2014 mehr als doppelt so viele Beanstandungen registriert wie 2013; 82 mal seien Pharma-Marketingpraktiken angezeigt worden. Zum Vergleich: In der vorangegangenen Berichtsperiode gab es 39 Beanstandungen.

Die starke Zunahme wertet FSA-Geschäftsführer Dr. Holger Diener als Indiz für zunehmendes Interesse an lauterer Pharmawerbung: "Die Öffentlichkeit interessiert sich immer stärker für die freiwillige Selbstkontrolle und vertraut in die Arbeit des FSA. Alle Gruppen der Gesellschaft behalten das Handeln der Pharma-Branche im Blick und fordern bei zweifelhaften Sachverhalten Aufklärung".

Von den 82 Beanstandungen kamen den Angaben zufolge 53 von Dritten, der Rest entweder aus der Geschäftsführung des Vereins oder von Mitgliedsfirmen, zu denen hauptsächlich die forschenden Pharmafirmen des vfa gehören. Ende Dezember 2014 seien 75 Verfahren abgeschlossen gewesen, in lediglich drei Fällen erfolgten Abmahnungen mit abschließender Unterlassungserklärung der inkriminierten Unternehmen.

In 68 Fälle seien die Verfahren eingestellt worden, "weil die Beanstandungen unzulässig beziehungsweise unbegründet waren", heißt es in dem Jahresbericht.

Inhaltliche Schwerpunkte der Verfahren seien Transparenzpflichten beim Sponsoring, Anwendungsbeobachtungen sowie die Umsetzung des neuen, vollständigen Geschenkverbotes im FSA-Kodex gewesen. Dauerbrenner unter den Anfragen von FSA-Mitgliedern sowie Dritten - etwa Agenturen oder Kongressveranstaltern - seien Einzelaspekte zur "Durchführung von Fortbildungsveranstaltungen oder der Vertragsgestaltung mit Ärzten".

Im Zehnjahreszeitraum seit 2004 hat der FSA nach eigenen Angaben 460 Beanstandungen erhalten, davon wurden 273 Verfahren eingestellt, 126 mündeten in einer Unterlassungserklärung, 39 wurden rechtskräftig vor Gericht entschieden. (cw)

Der komplette "Jahresbericht 2014" des FSA ist auf der Vereinswebsite zu finden: www.fsa-pharma.de/service/downloads

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Top-Meldungen

Die eine für alle?

Sollen alte Menschen zur Prävention generell eine Kombination aus Blutdrucksenker, Statin und ASS bekommen? Eine Studie hat sich mit der Frage beschäftigt - und kommt zu einer Antwort. mehr »

Diabetesrisiko unter Antipsychotika stark erhöht

Jugendliche und junge Erwachsene entwickeln unter Antipsychotika gehäuft einen Typ-2-Diabetes. Das liegt nur zum kleinen Teil an der psychischen Störung. mehr »

Noch schnell Abrechnungserlaubnis sichern!

Die Leistungen der palliativmedizinischen hausärztlichen Versorgung sind an keine spezielle Qualifikation gebunden. Doch das scheint nicht in Stein gemeißelt. Kluge Ärzte bauen deshalb vor. mehr »