Ärzte Zeitung online, 25.11.2010

Kopftuchverbot: KV tadelt hessischen Hausarzt

FRANKFURT/MAIN (dpa/ger). Weil er in seiner Praxis eigenmächtig ein Kopftuchverbot aussprach, hat ein Hausarzt aus dem hessischen Wächtersbach von der KV Hessen nun einen Verweis erhalten.

Kopftuchverbot: KV tadelt hessischen Hausarzt

Die "Spielregeln" des Wächtersbacher Hausarztes.

© dpa

Der Allgemeinmediziner musste sich zuvor vor dem Disziplinarausschuss der KV in Frankfurt verantworten. Der Verweis werde ins Arztregister eingetragen und bleibe fünf Jahre bestehen, sagte die Sprecherin der KV, Cornelia Kur, am Donnerstag der dpa. Der Mediziner wollte sich zunächst nicht äußern.

Das Kopftuchverbot, das er für seine Praxisräume ausgesprochen hatte, hatten Anfang September für Aufsehen gesorgt. Der Hausarzt hatte ein Plakat mit "Spielregeln" aufgehängt, die nicht nur Kopftücher verboten hatten, sondern auch "Grundkenntnisse der deutschen Sprache" verlangten.

Zudem hatte er sich geweigert, Großfamilien zu behandeln. Seine Spielregeln hatte er mit Problemen bei der Behandlung muslimischer Patienten begründet.

Der Disziplinarausschuss wertete zugunsten des Arztes, dass er sich für sein Vorgehen öffentlich entschuldigte und Kontakt zum türkisch-islamischen Kulturverein aufnahm. Er habe auch glaubhaft versichert, dass er nie ernsthaft erwogen habe, einen Patienten nicht zu behandeln.

Ein Verweis, der im Arztregister eingetragen wird, hat außer dem Imageschaden für den Arzt nur dann Konsequenzen, wenn er sich in den kommenden fünf Jahren weitere Vergehen leistet. Dann könnte es sein, dass er vielleicht eher mit einem Entzug der Zulassung rechnen müsste, als das ohne den vorherigen Verweis der Fall wäre.

[25.11.2010, 22:50:29]
Dipl.-Med Matthias Junk 
Darf die Hippokrates-Moral-Erbengemeinschaft keine "Patientensituation" ablehnen ?
So was macht man doch nicht, sehr geehrter Herr Kollege - so ungeschickt, meine ich!
Aber prinzipiell ist es auch meine Meinung, dass offen und plakativ in der deutschen Öffentlichkleit demonstrierter Islamismus in allen seinen Erscheinungsformen viel aggressiver abgemahnt werden sollte in jeder Alltagssituation - und zwar vor allem mit aktiver ABLEHNUNG !!!!! - als dass eine nicht ganz nachvollziehbare und z.T. echt unärztliche Formulierungs-Überheblichkeit so streng geahndet werden muss. Oder wollte man den Kollegen gar etwa durch öffentlichen Zwang zum Kniefall vor extremistischer Gewalt schützen? Etwa vor den Gesinnungskumpanen der lieben bekopftuchten Kinderreichen und fleißigen Scharia-Verkünder?
Gut gekuscht!
Davon unabhängig ist Kinderreichtum an sich natürlich alles andere als ein "Ablehnungsgrund".
Die anderen beiden Aspekte der o.g. "PRAXIS-SPIELREGELN" eher doch, nur eben politisch und z.T. eben auch ethisch unkorrekt.
Wenn aber vor meinem inneren "Praxis-Inhaber-Auge" eine orientalische Basar-Szenerie entsteht (inclusive zugehöriger Olfactorik), statt einer auch allen anderen Wartezimmer-Nutzern zumutbaren Ruhe - ganz zu schweigen von dem inneren Bild einer Untersuchungs- und Beratungssituation im Sprechzimmer "... immer mit der ganzen frohen quirligen Schar süßer Kinder jeden Alters und jeder Gehorsamkeits-Schattierung ..." , dann regt sich in mir ein wenig auch Verständnis für den Summen-Entgleiser des Kollegen.
Aber sicher nur, weil sich auch in meinem Gehirn böse und abmahnungsbedürftige Gedanken vorlaut und primitv vorgedrängt haben.
((prinzipiell alle unschuldig-übermütigen, disziplin- und bildungsfern und quasi eltern- und vorbildlos aufwachsenden Kinder, die immer mal - z.T. in stumpfer Anwesenheit ihrer erziehungsinsuffizienten Erzeuger - das Praxisklima durcheinanderwirbeln, reichen auch schon vereinzelt für die Testung der Praxis-Toleranzschwelle und Regulierungsbereitschaft aus... ))

Sicher bin ich auch ein verkappter Chauvi, denken jetzt Immergrüne sicher - oder Nazi - oder noch ´was Blöderes ? - nee, gibt´s ja gar nicht - will ich auch nicht im geringsten sein.
Aber IN MEINER PRAXIS sehne ich mich einfach nach kalkulierbaren und überschaubaren und möglichst ruhigen Abläufen ... und kann die o.g."Spielregel"- Intension z.T. sehr gut nachvollziehen.

Aber am wichtigsten bleibt festzustellen:
Islamismus ist nach unserem westeuropäischen öffentlich sekularem Mehrheits-Verständnis latent und prinzipiell inhuman - dabei bleibt´s. Hoffentlich finden sich immer wieder Mutige, die dies auch offen zeigen und sagen.
Ich hab´s mir selbst noch nicht so getraut - bin auch in einer Gemeinschaftspraxis mit besser ausbalancierter Mitinhaberin, meiner Ehefrau (die sicher dagegen wäre), tätig.
Ich Feigling ? Vielleicht. Oder Taktiker. Oder ist das das gleiche?

Ob ich wohl ggf. demnächst auch von meiner KV eine dementsprechende Korrektur-Reformande erhalte wegen dieser Wortmeldung?

Mal sehen. Denn: Vielleicht gibt es demnächst auch bei mir in der Praxis(kammerpolitisch und verbal auf jeden Fall etwas geschickter gemachte) Hinweise zu meiner Islamismus- Ablehnung. Natürlich nur, wenn ich darf...

Und der Hessen-KV wünsch ich ´was!
Oder schicke denen vielleicht eher "Biedermann und die Brandstifter".
Auf arabisch mit türkischen Untertiteln - falls ich es bald auf dem Basar nebenan kaufen kann.
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »