Ärzte Zeitung, 16.01.2012

Erfolgsmodell "Arzt in Anstellung"

Als sie 2007 eine weitere Praxis übernahmen und deren Inhaber anstellten, waren die Hausärzte Georg T. Brenner und Claudia Muurling Pioniere. Heute führen sie erfolgreich eine orts- und fachübergreifende Berufsausübungsgemeinschaft mit acht angestellten Ärzten. Für den Erfolg haben sie sich aber auch einiges einfallen lassen.

Von Sabine Schiner

Erfolgsmodell "Arzt in Anstellung"

Das Team der Hausärzte Georg T. Brenner (Dritter von rechts) und Claudia Muurling (Achte von rechts) besteht aus 28 Mitarbeitern an zwei Standorten.

© Georg Brenner

RHEINBÖLLEN. Der Facharzt für Allgemeinmedizin, Georg T. Brenner, war 2007 in Rheinland-Pfalz einer der ersten Vertragsärzte, die in ihrer Praxis Ärzte anstellten. Aus den Anfängen wurde eine orts- und fachübergreifende Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) mit acht angestellten Fachärzten.

Rückblick: 1993 hatte Brenner in Rheinböllen eine Einzelpraxis übernommen, die er als diabetologische Schwerpunktpraxis ausbaute. Einige Jahre später kam Claudia Muurling, ebenfalls Fachärztin für Allgemeinmedizin, dazu.

Als im Jahr 2007 die gesetzliche Regelung in Kraft trat, wonach Ärzte Kollegen im Angestelltenverhältnis beschäftigen dürfen, übernahmen Brenner und seine Kollegin eine nahe gelegene Gemeinschaftspraxis. Die beiden Ärzte, denen die Praxis gehörte, stellten sie ein. "Wir waren eine der ersten Praxen in Rheinland-Pfalz, die das damals machten", erinnert sich Brenner.

Der Kauf rentierte sich. Allein schon aufgrund des kompletten Ordinationskomplexs für die übernommenen Diabetiker, den er danach abrechnen konnte. Denn nun kamen die Diabetiker nicht mehr als Überweisungspatienten.

Heute sind Brenner und Claudia Muurling die Chefs einer orts- und fachübergreifenden Berufsausübungsgemeinschaft mit zwei Standorten, acht angestellten Fachärzten und 20 Fachangestellten, Auszubildenden, Hilfs- und Reinigungskräften. Brenners Frau Ulrike ist Krankenschwester und arbeitet als Diabetesberaterin mit.

Keiner der Ärzte arbeitet ohne Zusatzbezeichnung

Die BAG ermöglicht eine Versorgung, die weit über die Möglichkeiten einer Einzelpraxis hinausgeht. Da sie fachübergreifend ist, gibt es bis zu 40 Prozent Zuschlag auf das RLV.

"Selbstverständlich müssen die Leistungen wirtschaftlich erbracht werden, den Zuschlag bekommt man nicht geschenkt", erläutert der Allgemeinmediziner. Die Ärzte in Brenners BAG haben unterschiedliche Zusatzbezeichnungen erworben, etwa Ernährungsmedizin, Akupunktur, Verkehrsmedizin, Naturheilverfahren, Homöopathie, Sportmedizin, Allergologie, Proktologie und Notfallmedizin.

Der Vorteil: "Die Patienten wissen, dass sie viele Beschwerden direkt bei uns abklären können", erklärt Brenner. Seit Jahren wird die Praxis zudem papierlos geführt. "Auch unsere Gynäkologin sieht auf einen Blick, welche Begleiterkrankungen die Patientinnen haben."

Eine Frauenärztin arbeitet seit Februar in Rheinböllen mit. "Dass zwei Allgemeinmediziner eine Gynäkologin einstellen, das hatte es zuvor auch noch nicht gegeben", so Brenner.

Einmal im Monat ein Teamfrühstück zur Motivation

Alle angestellten Fachärzte bekommen in der Schwerpunktpraxis das gleiche Gehalt, es wird darauf geachtet, dass jeder gleich viele Zusatzbezeichnungen oder qualitätsbezogene Sonderbudgets mitbringt. "Bislang gibt es kein Bonussystem", sagt Brenner. "Es klappt auch so."

Einmal im Monat ist ein Teamfrühstück angesetzt. Brenner nutzt es, um die Mannschaft zu motivieren und bei der Stange zu halten. "Man kann es auch Breakfast-Controlling nennen", sagt Brenner. Er hat ganz bewusst Ärzte angestellt und nicht als Teilhaber aufgenommen. "Es wird sonst unübersichtlich."

Brenner überlässt nichts gerne dem Zufall. Für chronisch kranke Patienten hat er einen elektronischen Untersuchungs- und Behandlungsplan entwickelt, der über fünf Quartale geht. Eine gute Hilfe, um notwendige Kontrolluntersuchungen rechtzeitig einzuplanen und den chronisch Kranken ihren Chronikerstatus auf Dauer zu erhalten.

"Wir garantieren damit die Therapie sicherheit und sind darüber hinaus die Regisseure unseres Erfolgs", so Brenners Leitsatz. Großen Wert legt er auch auf die technische Ausrüstung der Praxis. Beispielsweise hat er für die Standorte vier hochmoderne Ultraschall-Geräte. "Es gibt nichts Lohnenderes als eine Investition in die Praxis."

Vier Ärzte auf einer Stelle? Auch das geht!

2009 hat Brenner eine Praxis in Stromberg übernommen. Der Kollege wollte sie aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Zunächst arbeitete er noch Vollzeit als Angestellter mit, heute teilt er sich die Stelle mit drei weiteren Kollegen.

Einer von ihnen ist Dr. Rahim Schmidt. Er arbeitet einen Tag die Woche in der Praxis als Allgemeinmediziner, den Rest der Woche ist er als Landtagsabgeordneter und gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen eingespannt. "Bei uns klappt die schwarz-grüne Zusammenarbeit hervorragend", sagt Brenner, seit vielen Jahren CDU-Mitglied.

Brenner, der auch leitender Notarzt ist, hat viel Arbeit in die BAG investiert. Manche langwierige Diskussionen mit der KV, etwa darüber, dass er über neun Monate seine in Rheinböllen angestellten Ärzte nicht in Stromberg einsetzen durfte (das Gesetz sah dies nur für Praxisinhaber und nicht für angestellte Ärzte vor), kostete ihn vorübergehend die gute Laune - aber nie den Elan.Längst hat er neue Pläne geschmiedet.

 Er will nächstes Jahr eine weitere Praxis übernehmen, derzeit laufen die Verhandlungen.

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