Ärzte Zeitung, 08.02.2013

Kommentar

Keine Chance für Praxisnetze?

Von Rebekka Höhl

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Für die Praxisnetze in der Republik ist das nicht nur irgendeine Redensart. Sie müssen sich in Sachen finanzielle Förderung derzeit wirklich an jeden Strohhalm klammern.

Dabei war das Problem vorherzusehen. Mit dem GKV-Versorgungsstrukturgesetz sollte den Netzen die Möglichkeit eingeräumt werden, an Fördergelder oder gar ein eigenes Honorarbudget aus der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV) heranzukommen.

Der erste Fehler, den der Gesetzgeber gemacht hat: Es handelt sich nur um eine Kann-, aber keine Mussregelung in der entsprechenden Passage in Paragraf 87b SGB V. Die KVen können sich also ganz leicht vor der Förderung drücken.

Der zweite und schwerwiegendere Fehler ist aber, dass die KVen, um die Netze zu fördern, einmal mehr dem Prinzip "rechte Tasche, linke Tasche"folgen müssten. Denn sie sollen die Netzbudgets aus der MGV abzweigen, ohne dass die Kassen vorab mehr Geld - eben für die Netzförderung - bereitstellen. Das geht zulasten nicht kooperierender Ärzte. Kein Wunder also, dass viele KVen schon jetzt signalisieren: ohne uns!

Da bleibt den Netzen nur die Hoffnung, dass die Kassen erkennen, wie kooperative Strukturen helfen, die Versorgungskosten zu drücken, und dass sie künftig eher Add-on-Verträge schließen.

Lesen Sie dazu auch:
Praxisnetze: Kein Geld aus dem großen Honorartopf

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »