Ärzte Zeitung, 02.12.2013

Gebühr nicht erlaubt

Stress um den Stempel im Bonusheft

NEU-ISENBURG. Vertragsärzte dürfen seit Oktober keine Gebühren mehr für den Stempel im Bonusheft nehmen. Doch an die Regelung würden sich nicht alle Ärzte halten, meldet die Potsdamer Beratungsstelle der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD).

Nicht nur das, auch "SPIEGEL Online" hat sich des Themas angenommen. "Wir haben immer wieder Rückfragen von Patienten, ob und wann sie eine Gebühr zahlen müssen", sagte Andrea Fabris von der Potsdamer Beratungsstelle der UPD.

Fakt ist, dass laut neuem Bundesmantelvertrag Ärzte das Ausfüllen eines Bonusheftes zur vertragsärztlichen Versorgung gehört. Allerdings nur, wenn Durchführung und Dokumentation der Leistung im selben Quartal erfolgen (Paragraf 36, Absatz 7 BMV-Ärzte).

Kommt der Patient zum Beispiel ein Jahr später mit seinem Bonusheft in die Praxis, dann handelt es sich tatsächlich um eine Selbstzahlerleistung. (eb)

[02.12.2013, 08:58:36]
Dr. Uwe Wolfgang Popert 
Patienten dürfen Bonushefte selbst ausfüllen
Junge und gesunde Patienten sind bei Krankenkassen begehrt - deswegen werden Kassen-Werbekampagnen gerne mit sogenannten "Bonusheften" garniert.
Die schriftliche Bestätigung von BMI-Werten, Nichtrauchen, Sportaktivitäten, Impfungen usw. sind aber ohne jeglichen erwiesenen Nutzen für die Gesundheit.
Im Gegenteil, sie halten den Praxisbetrieb nur unnötig auf und verkürzen leider die ohnehin viel zu geringe Zeit, die für die Betreuung von Patienten zur Verfügung steht. (Nach Studien steht deutschen Hausärzten -trotz längerer Arbeitszeit- weniger als die Hälfte der Zeit je Konsultation zur Verfügung wie international üblich).

Ein Gerichtsurteil schafft hier Abhilfe: Patienten dürfen Ihre Bonushefte selbst ausfüllen! (hessisches Landessozialgericht AZ L KR 294/09 B ER).
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