Ärzte Zeitung online, 26.02.2012

Jetzt gibt es Zeugnisse für Zahnärzte

Das Arztbewertungsportal der Weissen Liste, der AOK, der BARMER GEK und jetzt auch der TK erweitert die Möglichkeiten für Versicherte. Jetzt stehen auch die Zahnärzte auf dem Prüfstand.

Jetzt gibt es Zeugnisse für Zahnärzte

Gut gebohrt? Die Antwort der Patienten auf diese Frage fließt in der Regel nicht in die Zahnarztbewertung im Internet ein.

© Felix Jason / imago

BERLIN (mn). Versicherte können jetzt auch Zahnärzte online bewerten und einen passenden Zahnarzt in ihrer Umgebung suchen.

Das Arzt-Bewertungsportal von AOK, BARMER GEK, Techniker Krankenkasse und dem Projekt Weisse Liste, das es seit dem vergangenen Jahr für Haus- und Fachärzte gibt, ist nun um die Gruppe der Zahnärzte erweitert worden.

Der Zahnarztbesuch unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten von einem Besuch bei einem Haus- oder Facharzt. So haben viele Patienten Angst vor dem Zahnarzt oder machen sich über mögliche Kosten Sorgen, die in Form von Eigenbeteiligungen oder Selbstzahlerleistungen auf sie zukommen können.

"Das Verhältnis zum Zahnarzt ist daher von einer Vielzahl von Faktoren bestimmt - nicht nur medizinische, sondern auch soziale und finanzielle Aspekte spielen eine Rolle", so Dr. Ilona Köster-Steinebach, Referentin für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen bei der Verbraucherzentrale Bundesverband.

Und der Bedarf, Informationen über Zahnärzte zu bekommen, scheint besonders groß zu sein, wie Köster-Steinebach berichtete. So bezogen sich etwa im Jahr 2010 in der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland mehr als ein Drittel der Fragen und Rückmeldungen auf die Zahnarztbehandlung.

Daher sei es besonders wichtig, dass Patienten bei der Suche nach einem Zahnarzt auf Erfahrungen anderer zurückgreifen können, so Köster-Steinebach.

Bewertung einer konkreten Behandlung

Die Besonderheiten eines Zahnarztbesuches sind auch in den Online-Fragebogen für die Patienten mit eingeflossen. "Erstmals wird die Bewertung mit einer konkreten Behandlungssituation und einem bestimmten Zahnarzt verknüpft und nicht abstrakt abgefragt", sagte Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der BARMER GEK.

Insgesamt können Versicherte 40 Fragen in den Bereichen "Praxis und Personal", "Arztkommunikation", "Behandlung" und "Gesamteindruck" beantworten.

So wird etwa gefragt, ob Mitarbeiter beruhigend auf ängstliche Patienten eingehen und ob sie finanzielle Aspekte diskret behandeln. Oder auch, ob der Zahnarzt darüber aufklärt, welche Leistungen von der Kasse übernommen werden.

Wie schon bei der Bewertung von Haus- und Fachärzten wurde auf eine Freitextbeurteilung verzichtet. An der Ausarbeitung des Fragebogens waren Wissenschaftler, Krankenkassen, Patientenvertreter und Zahnärzte beteiligt.

Die Bundeszahnärztekammer bewertet die Online-Arztsuche positiv, um die Rolle des aufgeklärten Patienten zu stärken. Die individuelle Vertrauensbeziehung zwischen Arzt und Patient sei jedoch nach wie vor die maßgebliche und entscheidende Beziehung.

"Weiche Faktoren" eines Bewertungsportals bieten einen ersten Ansatz für die Auswahl des Patienten, sind aber letztlich nicht die entscheidenden Parameter", sagte Professor Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer anlässlich des Starts der Zahnarztbewertung.

Arztnavigator: Ein Steckbrief

Wer steckt dahinter? Initiatoren der Online-Arztsuche sind AOK und das Projekt Weisse Liste von der Bertelsmann Stiftung und Dachverbänden von Patienten- und Verbraucherorganisationen. 2011 stieß die BARMER GEK dazu, zuletzt die TK.

Wer kann mitmachen? Die Arztsuche bietet mehr als 37 Millionen Versicherten die Möglichkeit, ihrem Arzt online ein Zeugnis auszustellen. Die Ergebnisse werden veröffentlicht, sobald zehn Bewertungen vorliegen. Ärzte haben über den persönlichen Arztbereich die Möglichkeit, gezielt mit Fotos auf ihre Praxis aufmerksam zu machen.

Wie kann man die Arztsuche online erreichen? Es gibt vier Startportale:

AOK-Arztnavigator: www.aok-arztnavi.de

BARMER GEK: http://arztnavi.barmer-gek.de

Techniker Krankenkasse: www.tk.de/aerztefuehrer

Weisse Liste: www.weisse-liste.de/arzt

Wie geht es weiter? Die Onlinesuche soll künftig auch auf Psychotherapeuten ausgedehnt werden.

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