Ärzte Zeitung, 15.01.2016

Konjunktur

Biotech-Unternehmen starten optimistisch ins Jahr

Die Brain AG plant den Börsengang in Frankfurt. Analysten erhoffen sich davon eine Initialzündung für weitere Biotech-Erstnotierungen in Deutschland. Die Konjunkturerwartung der Branche kommt Anlegerinteressen jedenfalls entgegen.

Von Christoph WInnat

BERLIN. Obgleich die deutschen Biotech-Unternehmen nach jüngsten Verlautbarungen des Branchenverbands Bio Deutschland mit den steuerlichen Rahmenbedingungen für Wagniskapitalgeber hierzulande noch lange nicht zufrieden sind - die wirtschaftlichen Aussichten zumindest scheinen zu stimmen.

"Die deutsche Biotechnologie-Branche startet so optimistisch wie schon lange nicht mehr ins neue Jahr. Eine Mehrheit der Firmen will mehr Mitarbeiter einstellen sowie stärker als bisher in Forschung und Entwicklung investieren", so das Fazit von Bio Deutschland aus einer aktuellen Mitgliederbefragung, an der sich 127 Unternehmen beteiligt hatten.

Demnach scheint die Phase mauer Finanzierungschancen, wie sie insbesondere nach der Finanzkrise 2008 einsetzte, mittlerweile überwunden. "Mit 553 Millionen Euro haben die Biotech-Unternehmen 2015 rund 38 Prozent mehr Kapital eingenommen als im Jahr zuvor", meldet Bio Deutschland. Das sei rückblickend auf die vergangenen fünf Jahre ein neuer Höchststand.

Start-ups sammeln Milliarden ein

Auch in Sachen Kapitalmarktfinanzierung nimmt die Branche Fahrt auf. Nach Angaben des Beratungsunternehmens Biocom sammelten Biotech-Start-ups 2015 an europäischen Börsen rund 6,26 Milliarden Euro ein.

Das seien 82 Prozent mehr gewesen als im Vorjahr; dabei war die Anzahl der Börsengänge mit 25 genauso hoch wie 2014. Und laut Biocom stehen die Zeichen gut, dass auch in Deutschland künftig wieder mehr IPOs von Biotechunternehmen zu beobachten sein werden.

Die Ankündigung der Zwingenberger Brain AG zu Jahresbeginn, das Going Public an der Frankfurter Börse vorzubereiten, wird von Biocom-Analysten als Initialzündung gewertet, die"hierzulande ein Eisbrecher sein und für noch mehr Aufwind sorgen könnte". Macht Brain seine Pläne wahr, wäre es der erste Biotech-Börsengang in Frankfurt seit 2007.

Politik ist gefordert

Die Brain AG fungiert als Biotech-Dienstleister für Industriepartner und entwickelt darüber hinaus Produkte auf dem Gebiet der sogenannten "weißen Biotechnologie", also beispielsweise Enzyme, die zur Herstellung von Reinigungs- oder Lebensmitteln eingesetzt werden oder auch biologische Stoffe, die als Ersatz für chemische Zutaten dienen.

Weitere Details der Bio Deutschland-Umfrage:

- 70 Prozent der Unternehmen schätzt die gegenwärtige Geschäftslage als gut ein,

- Knapp 60 Prozent der Firmen, die sich an der Befragung beteiligt hatten, rechnen mit einer weiteren Verbesserung der Geschäfte im Jahresverlauf.

- Weniger glücklich zeigt sich die Branche dagegen mit den politischen Rahmenbedingungen. Zwei Drittel der befragten Firmen, heißt es, rechne derzeit nicht damit, dass sich hier etwas ändern werde.

Unter anderem fordert Bio Deutschland ein Venture-Capital-Gesetz, das etwa Wagniskapitalgeber bei einem Exit von der Abgeltungssteuer befreit oder Venture-Capital-finanzierte Start-ups bei steuerlichen Verlustvorträgen etablierten Konzernen gleichstellt (wir berichteten).

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