Erfolgsrezept
Ärzte Zeitung, 13.09.2012

Hilfe von zwei Experten

Skype in der Arztpraxis

Experten aus Schulmedizin und Homöopathie per Videokonferenz zusammenbringen und dadurch das Spektrum der Therapie für den Patienten erweitern: Diese Idee des Orthopäden Dr. Reiko Mortag birgt auch wirtschaftliche Vorteile für den Arzt.

Von Eugenie Wulfert

Hilfe von zwei Experten - Skype macht's möglich

Sprechstunden per Skype mit dem Apotheker und Komplementärmediziner Jan Reuter bietet Dr. Reiko Mortag an.

© Wulfert

FRANKFURT/ODER. Die Kassenmedizin ist heute oftmals weder für den Patienten noch für den Arzt zufriedenstellend. Davon ist der Orthopäde Dr. Reiko Mortag aus Frankfurt an der Oder überzeugt.

"Im Rahmen der Kassenleistungen hat der Arzt zu wenige Möglichkeiten, dem Patienten zu helfen", sagt er.

Wirtschaftlich lohne es sich für Ärzte ohnehin schon lange nicht mehr, nur Kassenleistungen zu erbringen.

Deshalb hat er bereits vor einigen Jahren beschlossen, in seiner Praxis ein größeres Behandlungsangebot aufzubauen, das auch komplementärmedizinische Therapien einbezieht.

Denn nicht nur wirtschaftlich, sondern auch medizinisch böten alternative Behandlungsmethoden wie Blutegeltherapie, Kinesio-Tape-Therapie und Infusionstherapien viele zusätzliche Möglichkeiten, Patienten zu helfen.

Der Patient wird als Ganzes gesehen

"Da ich mich jedoch auf dem Gebiet der Komplementärmedizin erst seit wenigen Jahren bewege, habe ich beschlossen, mich von Jan Reuter, einem erfahrenen Komplementärmediziner und Apotheker, unterstützen zu lassen", erzählt Mortag.

Die orthopädische Praxis Dr. Reiko Mortag

Die Praxis: Im Jahr 2002 hat Dr. Reiko Mortag die orthopädische Praxis übernommen. Je Quartal werden 1800 bis 2000 Patienten behandelt.

Die Schwerpunkte: Dr. Reiko Mortag bietet ein umfangreiches orthopädisch-medizinisches Behandlungsspektrum an. Im Fokus steht ein ganzheitlicher Therapieansatz mit naturheilkundlichem Hintergrund.

Das Team: Zum Praxisteam gehören neben Dr. Reiko Mortag noch vier Mitarbeiterinnen, darunter auch die Ehefrau und die Tochter des Praxisinhabers.

Die Innovation: In Kooperation mit einem Komplementärmediziner und Apotheker aus Baden-Württemberg bietet die Praxis Dr. Mortag eine ganzheitliche Beratung und Behandlung an. Dabei fließen sowohl klassisch schulmedizinische Diagnostik und kinesiologische Befunderhebung in der Praxis als auch erweiterte homöopathische und naturheilkundliche Diagnostik ein, die vor Ort und per Skype-Videokonferenz erfolgt.

Da Reuter im Odenwald und damit rund 600 km entfernt von Frankfurt/Oder lebt, werden die Gespräche mit den Patienten aus dem Sprechzimmer des Orthopäden heraus per Skype-Videokonferenz geführt.

"Wir sehen den uns gegenüberstehenden Patienten als Ganzes mit seinen Problemen und Beschwerden, welche vielmals über das eigentliche Fachgebiet der Orthopädie hinausgehen", erklären die beiden Partner.

Nach dem Gespräch mit dem Patienten erstellen Mortag und Reuter einen individuellen Behandlungsplan.

Mittlerweile hätten rund 250 Patienten die Skype-Sprechstunde in Anspruch genommen. "Patienten merken, wenn man sich um sie kümmert und nicht nur verwaltet", ist Mortag überzeugt.

Das sei auch für den Erfolg der Therapie sehr wichtig, da die Compliance gesteigert werde.

Die Idee für die Zusammenarbeit entstand während des Studiengangs Komplementärmedizin an der Universität Viadrina. Im Rahmen des Studiums sollten Mortag und seine Kommilitonen eine 14-tägige Weiterbildung absolvieren, die jedoch nicht in Frankfurt stattfand.

"Es ist sehr schwierig, eine Praxis für zwei Wochen komplett zu schließen", so der Orthopäde. Da aber Ehefrau und Tochter in der Praxis mitarbeiten, hätten sie die Therapien der Patienten, soweit ihre Qualifikation es zuließ, weitergeführt.

"Falls irgendwelche Fragen bezüglich der Patienten zu klären waren, haben wir sie mithilfe von Skype besprochen".

Später, als es darum ging, die große räumliche Entfernung zu überbrücken, um gemeinsam Patienten zu helfen, haben sich die beiden Partner Mortag und Reuter daran erinnert.

Die Idee zur Skype-Sprechstunde war geboren. Mit dieser Idee hat sich Mortag dann für den Innovationspreis 2011 von UCB und Springer Medizin beworben und ist damit auf Rang zwei gekommen.

Einige alternative Therapien werden als IGeL angeboten

Der ganzheitliche Therapieansatz birgt laut Mortag auch wirtschaftliche Vorteile. Denn der Orthopäde bietet die Skype-Sprechstunde und einige alternative Behandlungen als IGeL an.

Die Kosten der Behandlung setzen sich zusammen aus der Beratungspauschale für das Gespräch per Videokonferenz und den Therapieplan sowie den Kosten für die vom Patienten gewünschten Therapien.

"Zunächst stehen viele Patienten IGeL eher skeptisch gegenüber", so Mortag. Die Erfolge der Therapien würden sich aber herumsprechen und Ängste und Vorbehalte weitgehend zerstreuen.

Datenschutzrechtliche Bedenken wegen der ungesicherten Skype-Verbindung hat der Orthopäde nicht. Dokumente wie Arztbriefe oder Medikamentenplan würden, das Einverständnis der Patienten vorausgesetzt, per Fax geschickt, wie es in der medizinischen Kommunikation gängig ist.

Nur das Gespräch werde über die Skype-Verbindung geführt. "Theoretisch könnte sich jemand einloggen und das Gespräch abhören", räumt Mortag ein.

Die Gefahr sei seiner Ansicht nach äußerst gering. Außerdem würden die Patienten vor dem Gespräch über die datenschutzrechtlichen Gefahren einer Skype-Verbindung aufgeklärt und müssten sich damit einverstanden erklären.

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