Ärzte Zeitung online, 20.11.2015

Neue App-Lösung

Mehr Sicherheit in der Versorgung?

Eine App-Lösung soll die Sektorengrenzen zwischen Klinik, Praxis und Pflege aufheben. Und gleichzeitig die Dokumentation straffen.

NEU-ISENBURG.Die vernetzte Versorgung - von der Klinik bis hin zum Pflegedienst und zurück - ist in Deutschland nach wie vor eher Vision als Realität. Auch, weil die EDV-Systeme der einzelnen Leistungserbringer oft nur mit Mühe den gegenseitigen Datenaustausch ermöglichen. Der IT-Konzern IBM will hier nun eine für Kliniken, Praxen und Pflegedienste einfache Lösung bieten, die er im amerikanischen Markt bereits getestet hat.

Das Unternehmen setzt auf eine Hybrid-Cloud und eine zugehörige App für den einzelnen Arzt oder Pfleger. Die App-Lösung wird an die jeweiligen Arbeitsbereiche angepasst. "Sie gibt einen Überblick über die Abläufe und Aufgaben, die zu erledigen sind", erklärt Herbert Bunz, IBM Executive Consultant, Mobile Enterprises im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". In den USA, wo es sogenannte Accountable Care Organisations gibt, läuft die zugehörige Pflege-App bereits.

Pflegedienst-Mitarbeiter erhalten wichtige Nachrichten sofort

Diese Organisationen, zu denen Kliniken, Ärzte und Pflegedienste gehören, kümmern sich um den kompletten Versorgungsprozess. Und müssen Abschläge hinnehmen, wenn Patienten, obwohl man dies hätte verhindern können, zu schnell wieder in der Klinik landen.

So werden über die Pflege-App nicht nur wichtige Aufgaben und Infos direkt an den Mitarbeiter des Pflegedienstes gepuscht, er muss auch übers Smartphone dokumentieren, was er abgearbeitet hat, in einer Art Checkliste. Zudem können Berichte und Fotos zum Zustand des Patienten eingegeben bzw. hinterlegt werden.

Für Nachfragen und Notfälle gibt es die Direktkontakt-Funktion zum betreuenden Arzt und Fallmanager. Die App hilft durch die GPRS-Anbindung und Navi auch dabei, die Hausbesuche zeitlich effizienter zu planen.

In der Klinik läuft die Technik ähnlich: Der Arzt bekommt am Krankenbett die Infos, die er benötigt, ohne lange in der Patientenakte suchen zu müssen und kann vor allem schneller Abläufe dokumentieren, da viele Standards schon hinterlegt sind und mit einem Fingertipp abgehakt werden können. Es geht dabei vor allem darum, nichts zu vergessen.

"Die App alleine macht es allerdings nicht", sagt Bunz deutlich. "Es braucht eine Änderung der Organisation. Man muss Rollen und Prozesse definieren." Deshalb macht IBM hier auch nur wenige Vorgaben. "Wir entwickeln das System mit Kunden gemeinsam", so Urs Schollenberger, Business Leader Mobile Enterprise DACH bei IBM.

Zu 70 Prozent vordefiniert, zu 30 Prozent gestaltet

Die App müsse den Anforderungen der Mitarbeiter gerecht werden. Allerdings versuche man, replizierbare Lösungen für einzelne Branchen aufzusetzen. Schollenberger: "Die App ist zu 70 Prozent vordefiniert, zu 30 Prozent wird sie durch den Kunden gestaltet."

Dabei verspricht IBM, dass es die App-Lösung in jedes Klinikinformationssystem bzw. andere Backend-System via Schnittstelle integrieren kann. Die Daten für die App werden dabei immer nur fallbezogen und temporär in die zugehörige Cloud gehoben. Dort werden sie konvertiert und an das jeweilige Endgerät des Nutzers übermittelt.

Bunz: "Wenn die Verbindung kappt, sind die Daten auf dem Endgerät hinterlegt und werden später wieder ins System zurückgespielt." In der Cloud werden dabei keine Daten abgelegt. "Die medizinischen Originaldaten verbleiben im KIS oder der Praxis", erläutert Bunz. IBM stelle die mobilen Lösungen zusätzlich für Kliniken On-Premise, also nur innerhalb der Klinik, bereit.

Aufgrund der vielfältigen förderal ausgeprägten Datenschutz- und rechtlichen Regelungen und Zuständigkeiten im Klinikbereich schätzt Bunz selbst nationale reine Cloud-Lösungen als "organisatorisch sehr herausfordernd" ein.In elf verschiedenen Branchen wird die App-Lösung bereits eingesetzt.

In Deutschland sucht IBM laut Schollenberger noch einen Klinikpartner, der bereit ist, dieses Konzept mit dem Unternehmen als Pilotprojekt mit umzusetzen.Für seine App-Lösungen hat sich IBM übrigens als Technologie-Partner Apple mit ins Boot geholt. Der Vorteil der Zusammenarbeit liege vor allem auch in Apples Erfahrung mit intuitiven Anwendungen.

"Im Design ist Apple Vorreiter", so Schollenberger. Gelernt habe man von dem Partner etwa, die Anwendungen tatsächlich auf das Notwendigste und Wichtigste zu reduzieren und die Apps nicht mit unnötigen Inhalten zu überfrachten. (reh)

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