Ärzte Zeitung, 14.07.2011

Eine EDV-Schnittstelle für alle Selektivverträge

Der Erfolg einzelner Selektivverträge hängt auch davon ab, wie sich die Verträge ohne Mehrkosten in die Praxis-EDV integrieren lassen. Deshalb bringt die KV-Telematik Arge nun eine Standard-Schnittstelle auf den Weg.

Eine EDV-Schnittstelle für alle Selektivverträge

EDV in der Arztpraxis: Wer in Selektivverträgen eingeschrieben ist, soll künftig von einer einheitlichen Datenschnittstelle profitieren.

© idrutu / fotolia.com

Bei den Selektivverträgen soll es für teilnehmende Arztpraxen künftig eine Vereinfachung geben. Die Telematik-Arbeitsgemeinschaft der KVen und KBV (KV-Telematik Arge) stellt nämlich eine bundesweit standardisierte EDV-Schnittstelle für die Verträge zur Verfügung.

Und diese stehe allen Herstellern von Praxisverwaltungssystemen (PVS) offen, erklärt Helmut Konradt, Geschäftsführer der KV-Telematik Arge.

Das heißt, alle PVS-Anbieter können die Schnittstelle technisch in ihren Software-Programmen umsetzen und sich anschließend von der Arge zertifizieren lassen. Konradt: "Wir wollen hier ganz bewusst niemanden ausgrenzen."

Arge will massenhafte Einzelanwendungen vermeiden

Ganz im Gegenteil: Ziel der Standardlösung sei es, zum einen eine einheitliche Grundstruktur für die vielen unterschiedlichen Selektivverträge zu schaffen. So dass die Hersteller nicht für jeden Vertrag eine neue Schnittstelle in den Systemen implementieren müssten.

Zum anderen will die KV-Telematik Arge verhindern, dass jeder PVS-Anbieter anfängt, selbst an Schnittstellen zu basteln. Denn letztlich würden sich die verschiedenen Lösungen ja doch nur in Nuancen unterscheiden, so Konradt.

Das soll nicht nur die Arbeit der Hersteller und in den Praxen erleichtern. - Die Praxis könnte so nämlich über eine Schnittstelle alle Verträge, allerdings mit der KV, abrechnen. - Es spart vor allem auch den Ärzten einiges an Kosten und sichert damit den Erfolg der Verträge: Wenn eine Praxis an mehreren Selektivverträgen teilnimmt und für jeden eine neue Schnittstelle benötigt, dann muss die Praxis nicht nur mehrfach eine Implemtierungsgebühr an ihren PVS-Anbieter abdrücken, auch die Wartungskosten der Praxis-Software erhöhen sich entsprechend.

Und da würden gerade kleinere Praxen schon einmal nachrechnen, ob es sich für sie überhaupt lohnt, bei so einem Vertrag mitzumachen, sagt Konradt.

Schnittstelle ist keine Alleingang der Arge

Dabei sei der Zuspruch auf Herstellerseite groß. "Wir haben bereits von mehreren Anbietern die Zusage, dass sie die Schnittstelle umsetzen wollen", berichtet Konradt. Einzelne Anbieter, etwa Duria, hätten dies sogar schon längst getan.

Außerdem steht die Arge mit dem AOK Bundesverband im Gespräch. Hier geht es darum, dass auch die AOK die bundesweit einheitliche Schnittstelle mitträgt. Bis ein Ergebnis vorliegt lehnt die KV-Telamtik Arge sämtliche Aktivitäten ab, die das Ziel haben, andere als ihre eigene Schnittstelle zum Einsatz zu bringen.

Die Schnittstelle wurde übrigens gemeinsam mit verschiedenen PVS-Herstellern entwickelt und ist kein Alleingang der KV-Telematik Arge. Sie sei bereits sei 1. Januar dieses Jahres erfolgreich im Einsatz, heißt es in einer Mitteilung der Arge.

In den nächsten Tagen solle die Architektur auch auf der Website der Arbeitsgemeinschaft (www.kv-telematik.de) veröffentlicht werden, berichtet Konradt.

Technisch sorgt die Schnittstelle für einen reibungslosen Import von wichtigen Vertragsregeln und -daten, etwa Rabatten fürs Verordnungsmanagement, ins PVS und einen reibungslosen Export von Abrechnungsdaten aus dem PVS an die KV. (reh)

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